Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Jahrgang, Allgemeine No. IS. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Dr. Ludwig Philipps»«, Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnadigfter Concession.) Leipzig, den 7. Mal 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel. Magdeburgs den 25. April. j Die neuesten Tagesblätter ergehen sich in lobhudeln-; den Bemerkungen über den Ungeheuern Schritt, welchen! die Berliner Akademie der Wissenschaften gethan, daß sie - rinen Juden, den ausgezeichneten Naturforscher Dr. P. Rieß, zum ordentlichen Mitgliede erwählt. Auf die Gefahr hin, mürrisch und schwer zu befriedigen genannt zu werden, halte ich diesen Lärmen um eine einfache Sache für ein Verdammungsurtheil über unsre Zeit vielmehr, als für ein erhebendes Zeichen des großen Geistes unsrer Zeit. Hundert Jahre, sage hundert Jahre sind es her, daß Mendelssohn von derselben Berliner Akademie der Wissenschaften zum Mitgliede erwählt, vom Könige aber, von Friedrich dem Großen, die Wahl nicht bestätigt wurde. Und dies ist also die unermeßliche Arbeit eines ganzen Jahrhunderts, daß die zweite Erwählung eines ausgezeichneten Inden noch so viel Anfsehn, noch so vielen Applaus, noch so viel Gerede macht? Dies der ganze Unterschied, den ein Jahrhundert voller Kampf und Mühsale hervorgebracht, daß die Bestätigung Sr. Majestät des Königs weniger zweifelhaft ist? Wir haben es immer gesagt, eine Zeit, wo von der Toleranz so viel gesprochen wird, wie die unsrige, muß noch sehr intolerant sein; und daß, es in dieser Allg. Zeit, des Judenthums noch ein stehender Artikel sein muß, Beispiele der Duldung aus allen Zonen heranzubringen — charakterisirt den ganzen Jammer, der unsre Zeit noch bedrückt. Der einfache Satz: in Politik und Wissenschaft, in Kunst und Gewerbe soll der Glaube ohne Einwirkung, sondern nur die That gültig sein — dieser einfache Satz, vor dem alte sophistische Radomontaden zusammenfallen, wie die Nacht vor dem ersten Sonnenstrahl herurtterfällt — daß er immer wiederholt, immer wieder hervorgehoben werden muß, ohne doch eine allgemeingültige und nachhaltige Kraft zu erlangen: welche größere Anklage giebt es für unser Jahrhundert? Daß jeder starke Geist hintrcten muß, und erklären: ich sehe die Sache so und so an, ich hege kein Vornrtheil — ist immer ein Zeugnis' mehr, daß das Vorurtheil nöch das Zepter führt. Ich saß neulichst an einer gemischten Tafel, und es schnitt mir jedesmal durch's Herz, wenn ein christlicher Gast nach dem andern, das Glas in der Hand, aufstand und seine Toleranz versicherte, und wie bei ihm Christ und Jude gleich gelte!? O, hättet ihr geschwiegen, und nur verstohlen unter dem Tisch dem oder jenem die Hand gedrückt: ich hätte mehr geglaubt, und mcbt Freude daran gehabt! Und doch sind solche Versichrungen notwendig; nothwendig ist es, sie zu veröffentlichen und auszuposaunen — um damit viele unsaubere Gesellen zum Schweigen zn bringen. Natürlich ist es, daß so lange die Duldung von Einzelnen noch als ihre Tugend in Anspruch genommen wird, Andere sagen können, wir halten sie für keine Tugend. Erst wenn die Duldung Allgemeingut gewor-