Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Entschiedener sprach sich über die neuen Konflikte Her Schreiber Dieses am achten Peßachtag über den Satz: b« tan« iin Tin tea mit dem Texte Pf. 68, 20. 2l. aus. Er entwickelte daraus 1. die Idee des erlöseten Jsrael's und 2. die Idee des Erlösers Gott, und deren Wirkungen. Letztere im ersten Theile beschrieb er: 1) daß wir nicht wanken im Glauben bei neuem Druck, 2) aber auch thätig sind, ihn zu entfernen, 3) jedenfalls durch unaufhörliches Ringen nach dem Besten und Edelsten uns der Erlösung würdig machen, wobei er zu bedenken gab, wie Lob und Tadel, Verdienst und Verbrechen immer solidarisch von Israel getragen wird. Im zweiten Tbeile lehrte er, 1) daß Gott allein Erlöser ist, der 2) sich an Israel stets bewährte, 3) auch an jedem Einzelnen von uns sich kund gethan ff. Das Weitere müssen wir nun völlig der Zukunft überlassen, mit dem Bewußtsein , * Alles gethan zu haben, was als Söhne des Vaterlandes wir zu thun gehalten waren. Magdeburg, den 20. April. Allerdings ist der Hamburger Gebetbuchstreit zu einem gewissen Ziele gekommen, und wollen wir zur übersichtlichen Anschauung den Lesern dies kurz feststellcn. Dom äußern Standpunkte ist es entschieden, daß der Tempel völlig unabhängig da siebt, sich ein großes Gebäude, dessen Grundstein Ende Mai's gelegt wird, erbauen, und vor wie nach sein Gebetbuch in Anwendung bringen kann und wird. Vom inuern Standpunkte baben sich die Ansichten in folgende Richtungen gespalten: die Partei, von der die STTtt ausgegangen, blieb dabei flehen, nämlich Bernays und Ettliuger, die Gegenpartei nicht weniger bei ihrer Entgegnung: Satomon, Frankfurter, Auerbach; hingegen wiesen die namenhaften Mäil«r*, welche sich überhaupt darüber ausgesprochen haben, die als ungerecht zurück, nämlich Holdheim, Philippson, Frankel, Geiger, Kohn, Mannbeimer, Friedländer, Meier, Aub, Stein, wozu noch Wechsler zu rechnen ist, alte diese erklärten, daß ein Israelit sehr wol aus dem Gebetbuche sein „Pflichtgebet" beten könnte. Demungeachtet erklärten Einzelne von diesen Männern sich mit Einzelheiten des Gebetbuches nicht einverstanden, was jedoch dem Ganzen keinen Eintrag thut. Geradezu aber als zu weit gegangen hielt Frankel, im Gegentheil als nicht genug weit gegangen Geiger das Gebetbuch. Vom praktischen Standpunkt ist der letztere bereits widerlegt; vom theoretischen aus haben wir die Widerlegung noch zu erwarten, so wie in diesen Lagen Salotnon's Gegenschrift wider Frankel erschienen ist. Zeitungsnachrichten. Aegypten. Alexandria, 21. März. (Privatmitth.) Die von dem berühmten Advokaten Herrn Crömicur hier errichtete Schule zur Bildung der israelitischen und arabischen Jugend erfreut sich des besten Erfolges. Für die allgemeine Anerkennung ihrer Leistungen spricht besonders der Umstand, daß unter den 208 Schülern, welche sie besuchen, 50 Knaben römisch- und griechisch-katholischen Glaubens sind, und die Zahl derselben würde sich noch bedeutend vermehren, wenn das Schullokal cs gestattete. Um so schmerzlicher mußte es die Freunde und Wohlthater dieser Anstalt berühren, daß ein fremder katholischer Bischof auf seiner Durchreise nach Jerusalem, von der Kanzel herab den christlichen Eltern die Benutzung der erwähnten Anstalt abrieth. Die Kinder, meinte er, entbehren hier des katholischen Religionsunterrichts und seien auch genöthigt am Sonnabend statt am Sonntage zu ruhen! — Ohne hier die Triftigkeit dieser Argumentation naher zu erörtern, wollen wir bloß berühren, daß die Aufnahme der nicht israelitischen Schüler, welche am Religionsunterrichte übrigens keinen Theil nehmen, wahrhaft als Wohlthat zu betrachten ist, da dieselben sonst bei dem gänzlichen Mangel an anderen Schulen ohne allen Unterricht aufwachsen würden. Bei dieser Gelegenheit verdient bemerkt zu werden, daß die jüdischen und arabischen Familienväter, welche auch in Betracht ihrer Religionsbegriffe um ein Jahrhundert gegen die Israeliten in anderen Ländern Europas zurück sind, keinen Anstand nehmen, ihre Kinder mit jenen anderer Glaubensgenossen eine Schule besuchen zu lassen, und daß der Rabbiner von Alexandria, ein völliger Orthodox bei der letzten Pramienvertheilung, sämmtlichen Zöglingen, welcher Religion sie auch seien, Liebe und Eintracht mit wahrhaft aufrichtig gemeinten Worten anempfahl. — Möge dieses Faktum mit zu den vielen Beweisen dienen, wie sehr die Israeliten, im