Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VI. Jahrgang. Allgemeine No. 18. Zeitung des Zudenthums. unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Dr. Ludwig Philipps»«, Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnadigster Concession.) Leipzig, den 30. April 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Seitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel. Magdeburg, den 19. April. Die Angelegenheit der Preußischen Israeliten hat nunmehr eineu gewissen Stillstand erreicht, wenn auch just keinen ganz erfreulichen. Es hat sich nach den neuesten Kundgebungen sicher gestellt, daß höher» Orts zwar die Idee der korporativen Abschließung und der Entbindung von der Militärpflichtigkcit vorhanden, daß sie aber durchaus noch nicht festgestellt und zu bestimmter Gesetzesnorm geworden, sondern noch der Berathung unterstellt ist. Von der andern Seite hat sich die Zurückweisung der Nationalität von den Juden selbst als völlig allgemein immermehr erwiesen. Um dies unsrerseits zu vervollständigen, zählen wir die Gemeinden hier auf, deren Gesuch um Theilnahme an der von den Aeltesten der hiesigen Gemeinde überreichten Petition zu spät ankam; es waren: Münsterberg, Marienwerder, Münster, Gumbinnen, Angerbnrg, Darkehmen, Goldapp, Insterburg, Stallupöhnen, Schirwindt, Pillkallen, Ragnit, Tilsit, Marggrabowa, Lyck, Ans, Rhein, Nikolaiken, Sensbnrg, Johannisburg, Ruß, Schmaleningken, Kaukehnen, Heydekrug, Szittkehmen, Miernnsken, Lötzen. Zu bemerken äst, daß das ganze Großherzogthum Posen in dieser Angelegenheit darum nicht in Betracht gezogen werden konnte, weil die Israeliten daselbst überhaupt noch nicht zur Militärpflicht gezogen sind. Es versieht sich von selbst, daß bei den Kundgebungen der Gemeinden auch die Geistlichen derselben in: kludirt sind. Dies zur Antwort auf mebre desfatlsige Anfragen. Sind doch auch die meisten Adressen von den Geistlichen, wie es natürlich ist, verfaßt. Hervorzuheben haben wir namentlich den Oberrabbiner Kahn zu Trier und den Obcrrabbiner Dr. Utlmann zu Creveld, (so weit uns bekannt ist.) Beide haben in ihren Petitionen gerade die Nationalität ausdrücklich zuruckgewiesen und widerlegt. Auch die israelitische Kanzel konnte bei dieser Angelegenheit nicht gänzlich schweigen, da am Ende es doch immer das religiöse Prinzip ist, welches im Judenthume verletzt und angegriffen wird. Wir haben hier , namentlich zu erwähnen: Das Vaterland, die würdige Vorbereitung zum Peßachfeste. Zwei Predigten ff. von Dr. Abr. Geiger. Breslau, 1842. Wir abstrahireu hier ganz von dem homiletisch künstlerischen Maßsiabe, den einmal Geiger nicht an seine Predigten angelegt wissen will und kann, sondern sehen nur auf die darin in kräftigster Sprache entwickelte Gesinnung. In der ersten Predigt bespricht der Redner die Frage, warum wir auch vom religiösen Standpunkt die völlige Gleichstellung anzustreben haben — weit unter vollkommner Freiheit auch nur die Religion ihre völlige Kraft der Bildung bewähren könne. In der zweiten giebt er eine Vergleichung mit den vier Sabbaten: S. Schekalim wir sollen uns als Glieder des Ganzen fühlen; S. Sachor — dabei des Frühen: gedenken; S. Parah — Demuth in den Willen Gottes hegen, und S. hachodesch — die neue Zeit begreifen.