Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1842)
- Date
- 1842-04-23
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 bedürfnisse sich ohne fremde Hülfe im Schweiße seines Angesichts zu verschaffen, vergaß er nicht seine Kenntnisse, deren Mangelhaftigkeit ihm täglich empfindlicher wurde, zu vermehren, und verwandte jede nur zu erübrigende Minute auf das Erlernen der deutschen, lateinischen, französischen, hebräischen und chaldäischen Sprache. Aber kaum hatte er die ersten Schwierigkeiten überwunden, so wurde er aus diesen seinen Lieblingsstudien durch die Wirren der Zeit verdrängt. Die deutschen Heere gingen bei Basel über den Rhein, und ihr Einzug in .diese Stadt, bis heran der Sitz der friedliebenden Musen, nöthigte ihn, den treuen Verehrer der letzteren, zur schleunigen Abreise. Er ging in sein Vaterland zurück und fand bald wieder (1814) in Bühl bei Rastadt ein ruhiges Unterkommen im Hause eines reichen Mannes, das ihm, bei mäßigem Unterhalt, Zeit zur ferneren Ausbildung ließ. Von hier aus supplicirte er bei der Badischen Regierung um die Erlaubniß, das Lehrer- Präparanden-Institut und das Lyceum in Rastadt frequentiren zu dürfen. Er erhielt sie, verließ Bühl und begann 1816 einen regelmäßigen Kursus an den genannten Anstalten, von denen die erstgenannte ihn in den Elementarfächern, die andere vorzüglich in Logik, Anthropologie, Psychologie, Physik und Metaphysik rasch förderte, so daß er schon 1819 die Abiturientenprüfung bestehen und die Universität zu Heidelberg beziehen konnte. Von Mitteln gänzlich entblößt — war dies ein wahres Wagestück! Aber was vermag nicht ein ernster Wille, was nicht ein im Kampfe mit dem Leben und um das Leben erstarkter Sinn! Mit Hunger und Kummer kämpfend, befestigte er durch die Wissenschaft den Vorsatz, seinen Glaubensbrüdern nützlich zu werden und — er ward es! Nachdem er drei Jahre unter Andern bei Paulus, Schwarz, Hillebrand, Daub Vorlesungen gehört und sich mit gründlichen Kenntnissen im Arabischen und Hebräischen ausgerüstet hatte, erhielt er durch Großh. Ministerialreskript vom 19. Oktober 1821 No. 11779, nach erstandener Prüfung, das Amt und den Titel eines Israelit. Oberlehrers und Predigers. Die Anstalt aber, an welcher er in dieser Eigenschaft wirken sollte, mußte er sich selbst schaffen. Unter kaum zu ertragenden Mühseligkeiten und dem Widerstande finsterer Zeloten; wegen seiner unumwundenen Freisinnigkeit verfolgt von allen Seiten, verwandelte er das versunkene Beth hamidrasch in eine Bezirks-Stiftungsschule und den verfallenen Sitz desselben in eine freundliche Wohnung, und begann 1822 an ihr zu lehren und für eine ganze Generation zu wirken. Durchdrungen von der Wahrheit, daß Schule und Gotteshaus Hand in Hand gehen sollen, errichtete er schon 1823 einen Betsaal zur sabbatlichen Andacht für seine Zöglinge, denen sich nachher 18 Familienhäupter Heidelbergs anschlossen. Was er um diese Anstalt gelitten, wie er ihr, trotz eigener Mittellosigkeit, seine materiellen und psychischen Kräfte aufopferte, vermag ich hier nicht so wiederzugeben, wie ich es aus seinem Munde gehört. Er wurde denuncirt, und das Bäumchen wurde in seiner ersten Blüthe geknickt. Der Tempel wurde 1824 von der Regierung geschlossen. — In diesem Jahre verheirathete er sich mit seiner noch lebenden, biederen Gattin, Sophia Altschul aus Rastadt, die er schon während seines Aufenthalts am Lyceum kennen gelernt hatte. Aber kaum hatte er 4 Jahre in zufriedener Ehe mit ihr verbracht, so traf ihn schwer des Schicksals Hand, so herbe, daß er sich nicht wieder davon erholen konnte. Die Schwindsucht, als Folge der ausgestandenen Leiden, der körperlichen und geistigen Anstrengungen, bemächtigte sich des Biedermanns. Aber körperliche Leiden drückten die Schwungkraft seines Geistes nicht nieder! Es gab keine Erscheinung der neueren hebr. Literatur, die er ungelesen ließ, keine gute Anstalt, für die er nicht wirkte, keine Israelit. Zeitschrift, in die er nicht durchdachte Vorschläge niederlegte. Die noch bestehende Lcichenordnung und der Unterstützungsverein für arme Studierende in Heidelberg sind meist das Werk seines unermüdlichen Geistes. Diese seine heilsame Wirksamkeit wurde ehrenvoll anerkannt. Die philos. Fakultät zu Heidelberg ertheilte ihm am 25. Aug. 1834 das Ehrendiplom doctoris philosophiae et magistri liberalium ai-tium, nachdem er zuvor schon das Heidelberger Bürgerrecht erhalten hatte. Produkte seiner literärischen Thätigkeit sind bekannt: I) -na.» oder Worte der Wahrheit; über die Zulässigkeit der Konfirmation bei den Bekennern des Mosaischen Glaubens. 2) üinsh nwi.er oder Leslehre der hebr. Sprache, nach der Lautlehrmethode nebst Tabellen und einer besondern 17»