Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1842)
- Date
- 1842-04-23
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 kindische Furcht vor jeder Veränderung? Im Gegentheil verdient der Rabbiner die Achtung jedes wahrhaft Aufgeklärten dadurch, daß er mit-aller Mühe und mit Hintansetzung der zeitlichen Vortheile, und dabei weit entfernt, von aller Verfolgungssucht anderer Rabbiner seinesgleichen, namentlich des fanatischen Neutraer, Alles zu erstreben sucht, was ihm als recht erscheint. Freilich war die Art, wie er die mehrerwähnte Postirung verhindern wollte, etwas jesuitisch und mit seiner sonstigen Bescheidenheit unvereinlich: man darf es ihm aber nicht zu hoch anschlagen. — ' B. M. Preßburg, 25. März. (Privatmitth.) Die hiesige Zeitung vom 14. März enthält Folgendes: „Preßburger Komitat. Am dritten Tage der Kongregation (9. Februar) kam das Schreiben der hochlöbl. königl. ung. Statthalterei zur Sprache, worin dem Komitate aufgetragen wird, eine Konskription der dem Komitate einwohnenden Israeliten so bald als möglich einzurcichen. Es wurde beschlossen, aus den bereits fertigen Konskriptionslisten die Israeliten auszuzichen, und diese Auszüge dem genannten hochlöbl. Dikasterium einzuscnden. Bei dieser Gelegenheit brachte der Unterdechant Herr Szaksstetter vor, daß bei den Israeliten die Verstorbenen zu früh beerdigt werden. Mit Menschenliebe athmenden Worten schilderte er diesen Mißbrauch, und behauptete unter Andern, daß bei einer Untersuchung des israelitischen Friedhofes Leichen gesunden würden, die als Scheintodte begraben wurden, da bei den Israeliten die Beerdigung kaum einige Stunden nach dem Verscheiden geschehe. Die Stände erinnerten sich noch an die noch im Jahre 1838 an dieses Komitat gelangte höhere Verordnung, welche die Beerdigung der Verstorbenen vor 48 Stunden verbietet. Der Archivar wurde beauftragt, diese Verordnung herauszusuchen, und den Stuhlrichtern die Weisung gegeben, für die Befolgung derselben zu sorgen." rc. Ich füge diesem nur noch den Wunsch hinzu, daß auch in andern Komitatcn über dieser polizeilichen Verordnung gewacht werden möge! Deutschland. Brilon, 5. April. (Privatmitth.) War es vor nicht gar langer Zeit das traurige Geschäft meines Vaters, in die Spalten d. Bl. einen Nachruf an seinen verblichenen Büdinger zu rücken, so legt mir jetzt der Tod meines Freundes, eines würdigen Amtsgenossen Büdingers, dieselbe schmerzlich süße Pflicht auf, in deren Erfüllung ich einigen Trost für einen herben Verlust finde. 1)r. Carl Reh fuß, Prediger und Oberlehrer in Heidelberg, wurde zu Altdorf, im Brcisgau, 1792 geboren. Er war dazu bestimmt, einen bitteren Kelch der Leiden zu leeren. Schon im fünften Jahre seines Lebens verlor er seinen Vater, Rabbiner des genannten Ortes. Sein Großvater, ebenfalls Rabbiner in dem benachbarten Schmieheim, nahm den Verwaisten zu sich, und ließ ihn in den zu jener Zeit in Israelit. Schulen üblichen Lehrgegenständen unterrichten. Inverdrossener Fleiß machte ihn zum Liebling seiner Lehrer und des Schulvorstandes, durch dessen Hülfe er alsbald in Altbreisach (Breisgau) Gelegenheit fand, sich in den Rabbinischen Kenntnissen zu vervollkommenen, mit welchen ausgerüstet er eine Jeschiba oder Talmudtvra-Schule zu besuchen gedachte. Entblößt von allen Hülfsmitteln, gehemmt und niedergedrückt durch die Härte seines Stiefvaters — seine Mutter war in Altbreisach zur zweiten Ehe geschritten — mußte er diesen seinen Lieblingsplan aufgeben, und seine Laufbahn nahm von dieser Zeit an eine sein ganzes Leben und Wirken bestimmende veränderte Richtung. Er wurde 1809 in Gailingen am Bodensee Hauslehrer, wo ihm Zeit Überblick, um sich in dem benachbarten Schweizcrstädlchen, Dießenhoven, im Röthigen weiter sortzubilden. Drückende Nahrungssorgen und das Mißliche seiner Stellung, die ihn zwang, deutsche Bücher wie eine Kontrebande zu verbergen, trieben ihn 1812 nach Basel, wo er als aushelfender Lehrer in dem Gebhartischen Institute für Knaben Unterricht ertheilte, dabei, um sein Leben zu fristen, Kinder aus christlichen und israelit. Familien in Geographie, Geschichte und Naturgeschichte unterwies. So, emsig darauf bedacht, seine Lebensbe-