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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-23 · Heft 17 (23.4.1842) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 zu erzielen, wollte der gebildetere und wichtigere Theil unsrer Gemeinde den Almemor oben bei der heil. Lade angebracht wissen, während der Rabbiner feierlich betheuernd erklärte, daß eine solche Postirung so gräulhaft sei )vie das — Schweinefleisch. Im Schulchan Aruch, sagte er zwar, finde sich kein Verbot dagegen, er hätte aber eine Mischna gefunden, — die er übrigens jetzt nicht zeigen wolle — die ihn veranlasse, solches zu untersagen. Hiernach konnte es nicht fehlen, daß sich eine Gegenpartei bildete, die sofort den schon ziemlich weit gediehenen Bau hintertreiben wollte, wodurch sich denn der Vorstand genöthigt sah, von 3 wissenschaftlich gebildeten und dabei im Gerüche der strengern Orthodoxie stehenden Rabbinen Gutachten einzuholcn. Er schrieb an die Herren Rabb. S. L. Rapaport in Prag, Dr. N. Adler in Hannover und L. Schwab in Pesth. Die beiden letztern beehrten uns mit ihren Responsen, in welchen sie chie beabsichtigte Postirung sehr billigten, und zu weiteren edlen Bestrebungen ermunterten. Nur Herr Rapaport war so undelikat, einer der bedeutendsten Gemeinden Ungarn's gar nicht zu antworten!") Auch der verehrungswürdige Ehorin in Arad äußerte in einem Privatschreiben sein tiefes Bedauern darüber, daß jede noch so zweckmäßige *) Wir sind weit entfernt, dieses jener bedächtigen Pastorat-Klugheit zuzuschreibcn, die es mit Allen gut machen will, nur nicht mit — Gott. Außer vielen Stellen in seinen Schriften, verweisen wir nur auf den 3. Brief im 6. Buch des Kerem Ehemed, worin er die Lembergcr in schönen und ergreifenden Worten zur beabsichtigten Errichtung eines Tempels mit Choral und Predigt ermuntert. Seine vielen antiquarischen Beschäftigungen mußten ihn vielmehr von der Antwort abgehalten haben, und wir bedauern es sehr, daß Herr R. über die Tobten der Lebenden vergißt! Wäre eine solche Parteiung über einen'solchen Gegenstand vor 500 Jahren gewesen, R. würde gewiß mit größten — übrigens sehr anerkenncnswerthen — Eifer Und Fleiße Alles bis in's! kleinste Detail erschöpft haben: aber in die lebensvolle Gegenwart schaffend einzugreifen, erscheint ihm kleinlich! Möge der scharfblickende R. es auch cinsehen, daß das ganze Bücherwesen nur „eine Quälerei des Fleisches" ist, so es nicht die Ergebnisse der Wissenschaft in's Leben einzuführen strebt! Möge er auch unserer Offenheit Nachsehen! Wir haben Proverb. 27, 5 im Auge: „Es ist gut «ine offene Rüge — aus innerer Liebe." — Corresp. Reform auf heftigen Widerstand der blinden Zeloten stößt. Diese Schreiben bewogen nun den Rabbinen zur Zurücknahme seines Ausspruchs unter der Bedingung, daß sich der Vorstand und einige andere angesehene Gemcindeglieder einer von ihm aufgesetzten und in's Gemeinde-Protokoll aufzunehmenden, durch Eid und Schwur nvoru) bekräftigten Entsagung der sogenannten „Chorschule" auf 100 Jahre unterziehen würden. Dies geschah nun. Dieses Geschreibsel giebt nun freilich ein sehr trauriges Bild von der Bildung der Unterzeichner. Fünfzehnjährige Schulknaben wissen es jetzt, daß ein solcher Konl traft nicht im Geringsten bindet und zu nichts Weij term dient, als zur Verspottung der Kontrahenten, j Indessen wollen wir nicht ungerecht sein und ge-! stehen gerne, 'daß mehrere, und zwar die bedeutendern, nur aus Friedensliebe und zur vorläufigen Beschwichtigung des Rabbinen und seines Anhangs unterschrieben, und geben wir uns der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß gleich nach der Vollendung des Baues dieses schändliche Denkmal der arroganten Unwissenheit vertilgt werden würde. Denn ist es wol mehr als ein solches? Wenn Gott die geistige Blindheit, mit der der größere Theil unserer Gemeinde geschlagen ist, abthun wird, damit sie einsehen, daß Choral und Predigt, oder wolgeordneter Gesang und geistliche Belehrung in der Landessprache oder in einer Sprache überhaupt, (denn unsre Rabbiner halten ja eigentlich ihre Deraschot in gar keiner Sprache), eine sehr alte, ächt jüdische Institution ist, daß ein großer Theil des Talmuds dieser Institution seinen Ursprung verdankt, — wird sieda wol jener Wisch abhalten, nach ihrer Uebcrzeugung zü handeln? Ja, selbst die Unterschriebenen würden in ihm nicht das kleinste Hinderniß finden, und dies selbst nach dem strengsten Rabbinismus. (S. Jore Dea Hilch. Schebuot p. 236.). Mit unserm Rabbiner wollen wir aber nicht rechten. Was können wir auch von ihm und den übrigen sogenannten ^Geonim in Ungarn, denen aller kritische Sinn, jede tiefere Auffassung der Bibel und selbst des Talmuds, ihres Steckenpferdes, abgeht, denen auch jüdische Geschichte ein fremdes Terrain ist, mit Einem Worte, denen alle und jede Wissenschaftlichkeit fehlt, — was können wir von ihnen mehr erwarten, als ängstliches Festhalten an allem Ueberkommenen und

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