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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-23 · Heft 17 (23.4.1842) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Israel. Lehrer. Israel. Schüler. Gymnasien .... — 46. Höhere Bürgerschulen — 46. Elementarschulen . . 43. 3822. Privatanstalten . . 21. 309. tii. 4223. Münsterberg, 7. April. (Eingesandt.) Cervius haec inler vicinus garrit aniles lix re fabellas. H o r. Ein «Stettiner Korrespondent der L. A. Z. (den wir der Kürze wegen, da er eigentlich ganz ohne Namen ist, Cervius nennen wollen,) bringt mit einem laut aufjauchzenden ivgrjxu! einen Vorschlag ex pectore zu einem neuen Judengesetz. — Seiner langen Rede kurzer Sinn (?), den wir eben mit einigen Anmerkungen zu ediren im Begriffe stehen, ist ohngefähr folgender: 1) Die Juden können nicht mit den Christen gleichgestellt werden, da sie keine Christen sind (sehr richtig!) und keine Deutsche. — Hier können wir nun schon nicht in das tvgr^u des Stettiner Weisen einstimmen, vielmehr müßten wir den Lesern der Allg. Zeit, des Judenth. sehr wenig Verstand") zu- *) Es ist fast unglaublich, wie Zeitungsschreiber zuweilen mit dem Verstände ihrer Leser umgehen. Als im vorigen Jahre in allen Zeitungen ausposaunt wurde, wie ein Berliner Aktuar mit einem Opas aere perennins, „die jüdischen Gauner in Deutschland," schwanger gehe, fügte die L. A. Z. hinzu, das Buch sei vom Preuß. Ministerium sämmtlichen Ober- und Kriminalgerichten. der Monarchie eifrigst empfohlen worden. — Welchen Begriff mag wol die Leipziger und ihr Korrespondent von dem Verstände des Preuß. Ministeriums oder der Zeitungsleser gehabt haben, wenn sie Letztem den Glauben zumukhete, das Ministerium habe ein Buch empfohlen, daS noch nicht existire, das Kindlein mildem Purpurmantel umhangen, ehe es noch geboren war! — Das ist doch etwas arg, und solchen Unsinn erzählte bona lide die Schief. Zeit, nach, während die Breslauer doch Sachkenntniß und Kritik genug zeigte, sich mit Relation des einfachen Faktums zu begnügen und den Passus von der Rekommandation des Ministeriums lieber ganz zu übergehen. — Daß das Buch post nativitatem empfohlen und gesucht sein wird, hatten wir nicht bezweifeln zu dürfen geglaubt-, cs lag Lockung genug darin, auch einmal von jüdischen Gaunern zu lesen, und der bloße Titel ist, wie jeder spekulative Verleger weiß, oft ein Köder, manchen Gimpel zu fangen. — Um so mehr ist es zu loben, daß besagte Aktuarliteratur trauen, wollten wir uns auf die 101. Widerlegung des eben so abgedroschenen als abgeschmackten Witzes vom christlich-germanischen Staate und christlich-germanischer Antipathie einlassen. Wir können hier nur mit Wallenstein ausrufen: Seid ihr nicht, wie die Weiber, die beständig Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort, Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang! — 2) „Sie sind" (nämlich die Juden), fährt Herr Cervius fort, „ihrer Nation Geburt (Cervius erklärt dieses von ihm erfundene originelle Wort durch das in Parenthese gesetzte „Volksabstammung;" wir würden indessen lieber „Geburt Geburt" gesagt haben). Also „sie sind ihrer Geburt Geburt nach Juden und wollen es sein und bleiben." — Dies mit andern Worten ausgesprochen heißt so viel, als: die Juden können nicht den Christen gleichgestellt werden, weil sie keine Christen sind, sondern Juden. — Nun, wer dieses Argument nicht schlagend findet, der — mag sich ein anderes suchen. 3) „Ihre Religion und ihr Volksbewußtsein gebietet ihnen, sich in den Heirathen ebenbürtig" (Zittre, Adrb Deutschlands, der du die Mesallianzen weit schlimmer, als die Pest, scheuest, und höchstens nur dann gestattest, wenn die Ritterkrone einer Stütze am bürgerlichen Gelbe bedarf, um nicht zu wanken; Herr Cervius wird dich von der christlichen Gemeinschaft ausschlicßen!) „und sich nicht mit uns zu vermischen, nicht mit andern ein Volk" (hört!) „zu werden." — Das also ist des Pudels Kern! — In neuester Zeit wurde, in diesen Blättern, soviel uns bekannt, zuerst, und hier von rein juristischem Standpunkte aus, die Zulässigkeit der Ehen zwischen Juden und Christen mehrfach erörtert. — Es ist nicht zu leugnen, haß die Idee eine sehr geistreiche genannt werden muß, in so fern sich hier ein ebener, so lange vergebens gesuchter Weg zeigen dürfte, das jüdische Geld in christliche Kasten zu bringen, und nebenbei vielleicht auch (es dürfte ja nur gesetztrotz aller guten Empfehlungen, Dank dem bessern Geschmacke unserer deutschen Nation, welche die Periode der Abällino, Urach des Schwarzen und Rinaldo Rinaldini glücklich im Rücken hat, jetzt sich nur allenfalls mit dem Zuhörerkreise auf den Bier- und Schnapsbänken zu begnügen hat und bald auch da vergessen sein wird. — Anm. d. Corr.

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