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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-23 · Heft 17 (23.4.1842) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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243 Sohn zu Kopenhagen, der sich, nachdem er eine Anleihe für die norwegische Regierung negociirt hatte, aus einem Dampfschiff in den Hafen von Christiania begab, um sich mit dem Finanzminister über die Realisirung der Anleihe zu verständigen, konnte als Israelit nicht die Erlaubniß erhalten, einen Fuß auf's Land zu setzen, und war genöthigt vermittelst einer dritten Person die wichtige Angelegenheit, wegen der er gekommen, zu verhandeln. Frankreich. Paris, im März. Was am meisten in der jüngsten Zeit aus allen Nachrichten und Reden, die uns aus Frankreich zukommen, auffällt, ist eine ungemeine Anstrengung der Propaganda, Juden zum Abfall von ihrer angestammten Religion zu bringen. In Marseille wie in Paris erheben sich die jüdischen Sprecher energisch dagegen , und sehr oft wird dieser Umstand als Motiv der Kultusreform geltend gemacht. Nirgends ist der Boden hierfür so günstig, wie in Frankreich. Nicht die völlige Gleichstellung, welche die freie Bewegung der verschiedenen Religionen nur begünstigen kann, sondern die ungeheure religiöse Gleichgültigkeit, ja man kann sagen, die Irreligiosität, die die höhere Gesellschaft Frankreichs durchdrungen hat, macht den Uebertritt von einem Bekenntniß zum andern so leicht, und bei dem geringsten Anstoß von außen wirklich, weildiesen Leuten jedes Glaubensbekenntniß gleichgültig und nur eine äußere Formalität scheint. Es ist dies ein trauriges Zeichen von der Schwäche des menschlichen Geistes, daß auf der einen Seite Jntensivetät im Glauben mit Intoleranz, auf der andern Seite Toleranz mit Indifferenz Hand in Hand gehen; daß Glaubensinnigkeit mit Duldung so selten sich im höher» Geiste vereinbart. — Der Redakteur der Arch. isr. de Frauce fand sich im jüngsten (März-) Heft seiner Monatsschrift deshalb veranlaßt, einen Artikel „über die Zukunft des Judenthums in Frankreich" zu schreiben, der zwar die Sache nicht erschöpfend genug behandelt, aber sehr beredt als das wirksamste Mittel dagegen den kräftigen Unterricht, das lebendige Wort derer, welche die Rabbinen- und Lehrstühle Frankreichs inne haben, empfiehlt. Das Schweigen der jüdischen Kanzel gleicht dem, der sich ohne Widerstand dem Messer des Gegners I preis giebt. In den Gemüthern die Liebe für den väterlichen Glauben, in den Geistern die Kenntniß desselben, seiner Wahrheiten und Tröstungen wieder anzuzünden, dies ist die Mission der jetzigen jüdischen Lehrer überall, aber insonders in Frankreich — schade, daß hier bis jetzt noch immer so wenige jüdische Geistliche zu finden sind, welche dies nicht nur zu begreifen, sondern auch zu verwirklichen im Stande sind. —. Bor Kurzem erschien eine blasphemirende antijüdische Broschüre, welche die Juden karrikirt, von Alphonse Cerfberr von Medelsheim, dem Enkel eines so trefflichen Großvaters. Erwiderungen sind nicht ausgcblieben, und ein andrer Alphonse Ccrfberr, ehemaliger Artilleriekapitain, stand nicht an, in den öffentlichen Blättern darauf aufmerksam zu machen, daß er eben außer dem Namen — nichts mit jenem Pamphletschreiber gemein habe. Preußen. Die Nheinprovinz. Einem Berichte in der Staats-Zeitung entnehmen wir folgende Data. Im Regsbcz. Koblenz lebten Ende 1840 7592 Israeliten. - Trier - - - 4574 - - Aachen - - - 2388 - - Köln - - - 4917 - Düsseldorf - - - 6751 - Zusammen 26,222 - mit dem Militär 26,367 " - Die No. IX. lautet: ,,Religiöse und geistige Kultur/' Hier schweigt aber der Bericht gänzlich über die Verhältnisse der Israeliten, sei es daß der Berichterstatter damit andeuten will, daß hierfür von Seiten der hohen Regierung noch nichts geschehen, sei es, daß er auch das nicht weiß, was aus der französischen Zeit noch übrig geblieben ist, die Konsistorien zu Bonn, Crefeld und Trier ff. Nur über das Schulwesen werden einige Notizen gegeben. Zu Anfang des Jahres 1841 zählte die Nheinprovinz 20 jüdische Privat-Erziehungs- und Unterrichts- Anstalten mit 21 Lehrern und 309 Schülern, 40 jüdische Elementarschulen mit 43 Lehrern und 3822 Schülern. Folgendes giebt das Genauere an:

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