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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 9 (sequence 25)
Language
German
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9 Hebräischen unter dem Volke, werden sollten? — Doch nein! wir sagen.nicht sollten! Die hebr. Sprache muß stets, um dem Gottesdienste ihre erhabene Würde zu leihen und dem Volke beim Anhören ihrer heiligen Laute seine vieltausendjahrigen Erinnerungen zu bewahren, in den Hallen der Synagoge ertönen. Aber neben ihr zur Belebung der Andacht und als anziehende Kraft für das Volk auch die Landessprache im Gebete vernehmen zu lassen, dieses uralte Recht darf im Interesse der Synagoge nicht geschmälert werden, und wir drücken nochmals unsere Freude darüber aus, daß Hr. Bernays dieses Recht stillschweigend zugegeben, und bedauern es, daß Hr. Ettlinger ihm hierin nicht nachahmen wollte. Allein was Hr. E. am Schlüsse seines Hirtenbriefs sagt, wahrlich, damit stimmen wir ganz überein! Ja, nicht niedergerissen, sondern befestigt! nicht das Alte abgeschafft, sondern das Uralte soll in seinem ursprünglichen Glanze allmalich wieder hergestellt werden! Das Tempelgebetbuch hat der hebr. Sprache ihr Recht und ihren Platz in der Synagoge wol vindicirt; es erscheint auch von dieser Seite gerechtfertigt, und somit erklären wir: daß, wer aus diesem Gebetbuche seine pflichtmäßige Andacht verrichtet, Jnbem sei, d. h. seiner Pflicht zu beten, vollkommen Genüge geleistet habe. II. Allein, bevor wir diesen hochwichtigen Gegenstand verlassen, können wir uns nicht enthalten, zum Beweise, zu welcher angelegentlichen Sorge wir uns eine unparteiische, genaue Prüfung des vorliegenden Gebetbuches gemacht) auch auf Einzelnes naher einzugehen, und das, was uns besonders (obens- oder tadelnswerth erschienen, im Interesse der Wahrheit und des Judenthums offen auszusprechen. Der Grundsatz: frwNSia'vatt rpaaii na bnp?a nimm die Wahrheit gerne an von Jedem, der sie dir bietet, — dieser Grundsatz soll uns leiten bei dem, was wir zur Nachahmung anempfehlen, und bei dem was wir tadeln, soll er uns die Gewißheit geben, daß unsere freimüthige Sprache nicht werde übel ausgenommen werden. 1) Das Abendgebet für Sabbat und Festtage ist sehr gut geordnet. Wir vermissen jedoch einen stehenden einleitenden Gelang, welcher die Fülle religiöser Momente darböte, wie unser Lechadodi-Gesang. Ueberhaupt haben stereotype Gesänge den großen Werth, daß das Volk sich an sie wie an vertraute Freunde gewöhnt und die darin enthaltenen religiösen Gefühle sich in der schönen Ferm dem Gemüthe immer tiefer einprägen. Dergleichen hat das Gebetbuch nur wenige (Vergl. das schöne Lied beim Schophar-Blasen, S. 150. dann S. 7. 172. 292. 311. 319. 406. 418.) Sehr schön sind die deutschen Gebete nach "Lp. Der feierliche Gesang: Ewige Wahrheit ist sein Gebot, dessen erregende Töne ich immer mit heiliger Freude vernahm, wird gewiß nie aus meiner Seele verhallen. Die Aenderung des s-tfuaai des ist sehr passend und zeitgemäß. Dagegen vermißten wir ungern das '-di ‘paibtt röö wb* ötibi, welches die frühere Ausgabe beibehielt und die jetzige ohne Grund wegließ. Auch hatten wir gerne die nbia für den des Hebräischen Kundigen, Hebr. beigedruckt gesehen, da uns hier das deutsche Gebet überhaupt zu lange und ermüdend vorkommt. 2) Das Morgengebet, ist ebenfalls sehr gut geordnet. In dem einleitenden deutschen Gebete, sind (nach Maimon. Hilchot Tesilla 7, 9.) mehrere Segenssprüche weggeblieben6). "vQ, früher sehr abgekürzt, sind in der neuen Ausgabe vollständig ausgenommen; bs rnvpd nur ist weggelassen. ist in einer treuen und schönen Uebersetzung gegeben. Aber ungerne vermißten wir wieder im Gebete "fiTT b'D'n die Stelle p« '■Dl N7N übiaD **, wo besonders das "fnbs ösk rpttfcrt m?rb labana den schönen Grundsatz des Judenthums enthält, daß es keinen Erlöser anerkennt als Gott. Auch ist die schöne Stelle tön btfb nniü unnöthigerweise abgekürzt. Durch dergleichen unwesentliche Aenderungen konnte dem Ganzen unmöglich genützt werden. Ebenso hätte man die Fassung der rD82 fHD?, welche in der frühem Ausgabe mit unserm Siddur übereinstimmt, nicht verändern sollen. Passend und nachahmungswerth erscheint uns aber die Aenderung r'm Gebete Nw?a rnafti wo das inna tfbi wegblieb und sogleich mit inni "pa2 bamö^bi begonnen wird. Die Feierlichkeit beim Herausnehmen der Thora ist sehr schön; das Aufrufen der Konfirmanden so wie die Wahl der ihnen vorzulesenden Schriststette “püba ** 5-pa JrrDi paSPa bariö (5. B. M. 10,12 — 22.) sehr zweckmäßig. Dagegen haben wir das gänzliche Weglassen der Haphtora, in welcher nach einer wolgetroffenen Einrichtung neben dem belehrenden Worte des Gesetzes das erhebende und trostvolle Wort der Propehrten der Gemeinde mitgetheilt werden soll, mit Bedauern bemerkt. Besonders konnte bei dem dreijährigen Eyklus der Thoravorlesungen im Tempel eine größere und freiere Auswahl von Prophetenstellen statt finden. So vermag auch nicht die herrliche Rede des Jesajas (57.14. ff.) über das wahre Fasten, die als Haphtora für den- Versöhnungstag bestimmt ist, durch einige Schlußworte eines vorausgehenden Gebets (S. 254.), wenn dieses in sei. ner Fassung auch sehr schön ist, ersetzt zu werden. — Die Verkündigung des Neumonds in deutscher Sprache ist eine schöne nachahmungswürdige Einrichtung. 3) Im Mussaph-Gebete, wo der eigentliche Stein des Anstoßes liegt, haben wir bereits oben bemerkt, daß uns ein schonenderes Behandeln des Bestehenden eher am Orte geschienen hätte, obwohl dabei das schwierige Geschäft der jetzigen Redaktion nicht verkannt werden darf, welche das Gegebene, für ihre Anstalt zum Bestehenden geworden, vorfand. Jedenfalls aber hätten wir bei der Fassung der in den verschiedenen Mussaph-Gebeten geänderten Stellen mehr Kunde des Styles erwartet; es kann nicht gelaugnet werden, daß dieselben im Zusammenhänge nicht flüssig genug sind und wie.Wunden ausfthen 6) Wir erlauben uns hier zu erwähnen, daß in dem Rabbinats-Bezirke des Verfassers, die Ordnung getroffen ist, statt der immer anstößigen Formeln Dü) 2 drb'L , drb"L m* ,b»8^ zu beten S-nö«

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