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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 10 (sequence 26)
Language
German
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10 die nicht gehörig verbunden wurden. Auch die Einflechtung der betreffenden Schriftverse über die Opfer hatten wir auf irgend eine Weise gewünscht wie solches (S. 175.) mit dem Verse LQnnnw tmtn geschehen ist. Die Anführung dieses Verses inbolvirt jedenfalls eine Inkonsequenz der Redaktion, und dennoch fehlt es auch jener Stelle an dem innigen Zusammenhangs und es bleibt unklar, um welche Verheißung durch die Worte -ob trpi gebeten wird, da in dem bezeichneten Verse (4. B. M. 10.10.) nichts verheißen, sondern geboten wird. 4) Ueber die Festtags-Gebete ist nichts Wesentliches zu erwähnen. Die Ordnung beim Vorlesen aus der Thora für rirwn) ist schön. Ungern vermißten wir an diesem Feste die Erinnerung an Mosis Wirken und Ende, so wie überhaupt für alle Festtage deutsche Gebete zu geben waren, welche die Idee des Festes aussprechen und dem Volke zu Gemüthe führen, wie solches auf so herrliche Weise in den Gebeten für den Versöhnungstag geschah und nach der früheren Ausgabe (S. 92.) auch am Neujahr statt hatte. 5) In den Gebeten für das Neujahr hat uns -rtö *izw ns^pn sehr angesprochen. Im Gebete ws« (S. 147.) harte die Erwähnung der Märtyrer nicht wegbleiben sollen. Die deutschen Worte neben üTSn übi* (S. 167.) sind schön, die Idee von mtTräT rrrarä rrnsiun kurz, einfach und eindringlich ansprechend. 6) Die Gebete für den Versöhnungstag sind herrlich geordnet und alle ausgezeichnet schön. Die Feier dieses Tages, die Krone unseres Gottesdienstes, hat sich hier zur schönsten Blüthe entfaltet. Der Wechsel der hebräischen und deutschen Gebete ist trefflich und anregend. Letztere sind sämmtlich neu und nehmen einen weit höheren Standpunkt ein, sowol in religiöser wie in ästhetischer Hinsicht, als die in der früheren Ausgabe. Alle sind ächtbiblisch, vom reinsten Geiste des Glaubens, von achtisraelitischer Gesinnung durchweht. In symmetrischer Ordnung sind, die Betrachtung für riinntt rr-Dtin nicht mitgerechnet, deren zehn ausgenommen, im Verhältnisse zu den fünf Gebete-Ordnungen des Tages, fünf für den Vorbeter, fünf für die Gemeinde zu stiller Andacht, in welche letzteren das Gebet tfüfi b$ sehr paffend und zwar so verwebt ist, daß die eine Reihe des doppelten Alphabets in die Gebete für nw? und yvin, die andere, in die für rrälniB und gesetzt wurde; die NeUa-Gebete bilden dann den Schlußstein. Auf den Fasttag als solchen, scheinen sie mir, mit Ausnahme des Gebets S. 252. doch etwas zu wenig einzugehen. Auch hatte man den Aboda-Ritus im Mussaph, welcher sich in der früheren Ausgabe mehr an das Herkömmliche anschloß, nicht so sehr abkürzen sollen. Die schön geordnete To dtenfeier ist eine erfreuliche Zugabe für den heiligen Tag. 7) In den 18 Segenssprüchen (S. 397.) für die Werktage finden wir zu erwähnen, daß es wünschenswerth wäre, wenn recht viele Rabbinen in öffentlichen Organen sich über Weglassung der Beracha aussprächen. Diese Beracha wurde ursprünglich gegen Sekten eingeführt, welche jetzt gar nicht mehr existiren, denn ihr ursprünglicher Name ist rorä (Berachot, 28. b.) Beracha wider die Sadduzäer. Auch beweist das Wort , daß diese Sektkrer zugleich schlechte Angeber waren, welche ihre Brüder vielfach bedrängten (Bergt. Maimon. Hilch. Tesilla 2,1.). Alles dieß findet jetzt nicht mehr statt, und wie ein greller Widerspruch erscheint es, wenn wir Gott in der vorhergehenden Beracha bitten, „er möchte in Liebe und Barmherzigkeit über uns regieren," und ihn gleich darauf um die augenblickliche (wd) Vertilgung der Uebelthäter angehen!— Vielleicht wäre diese Beracha in eine Bitte um Erleuchtung der Irrenden paffend umzuändern. 8) Das kurze Gebet (S. 417.) nach dem Vorlesen der Megilla am Purimfeste ist recht zweckmäßig. Doch für 2 Wian (S. 418.) hätte zur Anregung der Gemüther Mehreres ausgenommen werden sollen. 9) Die Trauungs-Agende (S.424.) ist sehr zu loben." Es werden hier paffende Fragen an jedes der beiden Brautleute gestellt, ob sie die Ehe freiwillig eingehen und die gegenseitigen Pflichten treu erfüllen wollen, worauf dem Bräutigam die Trauungsformel '"Di na , bevor er sie hebräisch spricht, deutsch erklärt wird. Alles sehr zweckmäßig! während nach der unter uns üblichen Norm der Bräutigam die Trauungsformel selten versteht, und besonders die Braut, deren freiwilliges Eingehen in die Ehe doch durchaus nothwendig ist, so ganz unthätig bei der Handlung ist, als würde über sie wie über eine tobte Waare verfügt. 10) Die Agende für Beschneidung (S.421.) und Beerdigung (S.429.) ist einfach und schön. Dagegen können wir uns mit der Abfassung des Tischgebetes (S. 427.) wegen seiner abgekürzten Form nicht einverstanden erklären. Dieses ist es, was wir zur Steuer der Wahrheit, tobend und tadelnd, über das vorliegende Gebetbuch besonders hervorzuheben haben. Es liefert uns von neuem den Beweis, daß kein menschliches Werk, mag es in bester Absicht und Umsicht unternommen werden, frei von Fehlern ist; der menschliche Geist aber strebt immer vorwärts und im Kampfe mit den widerstrebenden Elementen stärkt er seine Kraft, erringt er den Sieg. Möchte nur dieser geistige Kampf, und dieses sei unser Wunsch zum Schluffe, von allen geistlichen Hirten in Israel so geführt werden/daß er zum Heile der ganzenHeerdegedeihe, mit redlicher Gesinnung, mit Wahrhaftigkeit gegen Freund und Feind, mit wahrer Begeisterung für die Religion, fern von allem persönlichen Eifer, von Partheisucht und jenem verderblichen Egoismus, von welchem der Prophet (Zachar. 11. 16.) so wahr sagt: Das verwundete Lamm heilt er nicht, das zurückbleibende pflegt er nicht, aber das Fleisch des gemästeten verzehrt er. Möchte der Kampf auf dem Gebiete unserer Religion von Allen stets zu Ehren des Einen, zu Ehren Gottes, und nicht zu ihrer eigenen Ehre, gekämpft werden! Dann werden für die Zukunft, und wäre es auch erst für unsere Kinder und Kindeskinder, bleibende, heilsame und erfreuliche Resultate sicher nicht ausbleiben, denn: trän) üdb arsiTö npYbrä bs - .tPpnrt) ttöiö Geschrieben Burgkundstadt in Bakern, den 23. Achebat 5602. (3. Febr. 1842.) Leopold Stein, Distrikts-Rabbiner. Druck von I. B. Hirschfeld.

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