Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 7 (sequence 23)
- Language
- German
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7 in seinen Grundfesten, Gottlob! noch Einen und einigen Zudenthums mit Gewalt hinausdrängen wollen? — Allein die Rodaktion des Tempelgebetbuches hat, nachdem sie ihre Gemeinde gegen alle verketzernden Angriffe sicher gestellt ur!d ihre Uebereinstimmung mit den Grundlehren des Judenthums über Israels Zukunft erwiesen, sich in der früheren und jetzigen Ausgabe erlaubt, viele auf Versetzung nach den gelobten Lande und Darbringung der schuldigen Opfer daselbst Bezug habenden Stellen umzuändern und dafür näher liegende Bitten, um Annahme der Gebete an der Stelle der Opfer2) und um Befreiung von drückenden Lasten der Gegenwar: zu substituiren. Nun will es uns freilich bedünken, daß bei diesen Reformen von vornherein mehr auf die große Gemeinschaft und Einheit der Glaubensgenoffen Rücksicht hatte genommen werden sollen. Denn alle religiöse Entwickelung muß stufenweise vor sich gehen, damit nicht auch Gutes und Schönes unwiederbringlich auf dem Wege liegen bleibe, und für Alle die Möglichkeit gegeben werde, nachzukommen. DaS ganze Israel muß mit seinem Stammvater Jakob sprechen (1. B. M. 32. 14.): 8*28 N28V2N VW? '28V nVn:ri8 Ich will langsam vorwärts schreiten, nach der Bewegung des Zuges, den ich im Angesicht behalten muß. Und gewiß! ein Schritt welchen das Ganze vorwärts thut, hat mehr Werth, als der noch so gelungene Sprung, welcher von Wenigen unternommen wird. Durch Uebertreiben wird eine Heerde eben so wenig gut geleitet, als durch beständiges Verbleiben und Versumpfen auf einer Stelle; deßhalb wird die Tempelanstalt in ihrer Totalität wol nicht große Nachahmung finden können, und ich fürchte, sie wird noch lange ihre schöne innere Einrichtung mit äußerer Vereinsamung bezahlen müssen. Allein dieser Tadel, welcher die Form trifft, involvirt und rechtfertigt bei weitem noch kerne Verdammung der israelitischen Betweife im Tempel. Wenn wir auch sagen, daß bei Einführung religiöser Reformen Vorsicht nöthr'g und ein kleiner sicherer Gewinn dem großen unsicheren weit vorzuziehm sei, so müffen wir doch das, was wir wünschen, aussprechen und als ein begehrenswerthes Ziel hinstellen. Und da muß nun eingestanden werden, daß unsere Tefilla in Hinsicht der sich so oft wiederholenden Bitten um Versetzung aus unserm jetzigen Aufenthalte an großen Mängeln leide und einer unvermeidlichen Reform bedarf; wie solche auch von dem im Jahre 1836 zu Baireuth versammelten israelitischen Kreiskomitr?, wel- 2) Was die Opfer betrifft, so finden wir in dem Tempelgebetbuche die Pflichtmäßigkeit derselben nirgends negirt, ja in dem Ausdrucke I2"ri12in rilV2V 2'Vl2' i:8 "»'81 (wir können nun nicht mehr die verordneten Opfer darbringen) und i:pr,i2lfi ni528p 2ip22 (an der Stelle der schuldigen Opfergaben) sogar zugestanden. Ueberall ward nur die Bitte, Gott möge die Gebete an der Opfer-Stelle gnädig aufnehmen, als ein näheres Anliegen aufgeführt. Daß aber ein Herr Veritas in der allgem. Zeitung d. Iud. No. 4. d. I. aus Orach ckajim 268 deduzirt, die Pflichterfüllung des Muffaphgebetes sei durch die Formel ‘f'-sV 2'8p2i Nw2d bedingt, ist ein Jrrthum, welchem Jedermann beim Nachlesen ber betteffenden Stelle finden wird und den sich der Mann der Wahrheit nicht hätte erlauben sollen. ches aus fünf Rabbknnern, ungefähr dreißig RelkgionZlehrern und eben so vielen Notabeln des Kreises bestand, einstimmig begutachtet wurde. Das Streben der Israeliten in der Gegenwart, ist neben der Erhaltung der angestammten Religion auf Einbürgerung im Vaterlande gerichtet. Alle Wünsche, welche sich hierauf beziehen, kommen aus dem Herzen; alle Wünsche aber, welche sich auf eine jetzige, unmittelbare, persönliche Versetzung nach dem gelobten Lande beziehen, kommen, wie Wenigen! aufrichtig aus der Seele. Bei den Meisten sind es Gewohnheitsreden, deren Widerspruch mit ihrem Herzen ihnen nur deßhalb weniger auffällt, weil sie in einer Sprache gesprochen werden, welche die Wenigsten mehr verstehen. Gewiß! wir wollen die erhabenen Erwartungen, welche Israel nach den Verheißungen der Propheten von der Zukunft hegt, nicht beeinträchtigen; im Gegentheil ist es nothwendig, das Volk vor der materiellen Gesinnung zu bewahren, als wäre mir der Erlangung der Emanzipation das Reich des Messias schon angekommen. Aber das, was eben durch das Reich des Messias bezweckt werden soll, damit es ein Reich des allmächtigen Gottes, '8*S msV2, werde/ Befestigung der Wahrheit, Ausbreitung der Tugend, Ruhe und Frieden, um durch die ungestörte Erfüllung des göttlichen Willens das ewige Leben zu erringen, das ist nach den Lehren unserer Weisen die Hauptsache, und dieses Ziel finden wir in der vorliegenden Tempeltesilla zum Heile Israels, zum Heile der Menschheit, in verschiedenen überaus köstlichen Gebeten sehnlichst herangewünscht; das Uebrige, das Mittel zu diesem erhabenen Zwecke, überlaffen wir der Weisheit des allmächtigen, gnädig uno wundervoll über Israel waltenden Führers, und fast wie ein Undank gegen seine Güte, die uns schon so viel Gutes in den Ländern unsers Aufenthalts erwiesen, kommt es uns vor, wenn wir wie ein unbefriedigtes Kind nur Wünsche vor ihm äußern, welche auf die Ferne Hinzielen, die Wohlthaten gering achtend, welche er uns nahe gelegt hat. — Indem wir somit die!82812 des Herrn Bernays verlassen, gehen wir zu dem Hirtenbriefe über, welchen Herr Oberrabbiner Etttinger zu Altona in dieser Angelegenheit erlassen und den uns die allgem. Zeit. d. Iud. Nr. 1. d. I. mitgetheilr hat. Dieser ehrwürdige Herr redet von seit vierhundert Jahren unangetastet bestehenden Gebeteformen, die man deßhalb auch jetzt nicht verändern dürste. Wahrlich, der Talmud war viel toleranter! Fast aus jedem Blatte des Traktat Berachot kann man sich überzeugen, wie wenig stabil die Gebetformeln zu jener Zeit waren, wie viel Freiheit noch damals in der Betweise waltete, so daß sogar Einige meinen, man solle nicht immer dasselbe Gebet unverändert verrichten, da man sonst die inbrünstige Andacht nicht bewahren könne, 3) welche Meinung freilich nicht die unter uns angenommene ist, aber doch einen 3) 8!wl2n VS 8218 82 , 82^2 * db n"2 ri1282 '82 ' 2f,2 db , '2.1 : 22i:nn inVsn *p8 22p mVsn 1d'8L Vs 1N"l8ri '8288 tpl' 281 N28 'iSI 22p D1'2 22P •plöb 1^'NI , '"L>8'2 : 828!82 ll)8NV VlSl. ,S"2 4 8N2 p Vl2ri8 "p