Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 6 (sequence 22)
- Language
- German
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6 Augen Aller, welche die geschehenen Riffe bedauern, dieselben geheilt, nicht erweitert sehen möchten, sehr geschadet. Zweitens durste er wol, auch nachdem das Gebetbuch erschienen war, sobald ihn die innere Ueberzeugung dazu antrieb, über die sich nicht streiten läßt, seine Mißbilligung taut werden lassen, aber diese mußte wieder von schlagenden Gründen begleitet sein, nach denen wir uns vergebens in dem genannten, kurzweg verdammenden Aktenstücke Umsehen. Drittens ist dieses Aktenstück selbst, die betreffende NSH72, Ln so lieblosen Ausdrücken abgefaßt und gleicht besonders in dem Passus: es ist bisher keinem Jehudi in den Sinn gekommen, so sehr einer völligen Gxkommrrnikstiorr dec Tempetgemeinde, daß dieses alle Gutgesinnten mit Indignation erfüllen und jede Hand gegen ein Verfahren waffnen mußte, durch welches das Gespenst der m?2irn aus dem Grabe der Vergangenheit heraufbeschworen, und das System feindseliger Ausschließung in Glaubenssachen auf unser eigenes Gebiet, verpflanzt werden soll. Soviel über die Formfehler der mehrerwähnten ^"172. Zu ihrem Inhalte übergehend, haben wir vor Allem lobend zu erwähnen, daß Hr. B. nichts an der schönen Gottesdienstordnung des Tempels, ja nicht einmal etwas an dem Gebrauche, deutscher Gebete daselbst auszusetzen habe. Freilich drängt sich uns hier unabweislich die Frage auf, warum Hr. B. nicht Einiges von den nicht getadelten Dingen in seine Synagoge zu verpflanzen sucht? warum da nicht einmal Unordnungen, wie das Andacht störende Durcheinanderschreien der Betenden, welches nach dem Talmud *) beim öffentlichen Gottesdienste auf's strengste verpönt ist, abgestellt werden? Ob der Geistliche nicht verantwortlich dafür ist, wenn der Besucher des Tempels und der Synagoge zu Hamburg mit Gewalt zu Vergleichungen gedrängt wird, die, was äußere Ordnung betrifft, auch bei dem orthodoxesten Beurtheiler unmöglich zu Gunsten der letzteren ausfallen können? — Mir wollen auf die Erörterung dieser Fragen nicht eingehen; genug! das Stillschweigen des Hrn. D. nehmen wir als ein Zugestandniß; daß er die deutsche Beteweise, den Wechsel hebräischer und deutscher Gebete beim israelitischen Gottesdienste nicht tadelt, gilt uns als ein vollwichtiger Beweis, daß diese Einrichtung von keiner Seite her rechtmäßig getadelt werden kann.. Nur bei Einem Punkte bleibt die Bekanntmachung stehen. Nach ihren Worten hat die Umänderung 1) Berachot 24. b. „Wer mit lauter Stimme betet, gehört zu den Kleingläubigen fh , inbDni ibip 2^72'272N ^:üp72 (denn er thut, als höre Gott sein Gebet nicht, wenn er's leise spricht. Raschi.) oder auch er gleicht den falschen Propheten (^p'LN ^2272 »n) , denn diese schrieen gewaltig, damit ihr Götze es höre (l. B. Kön. 18. 28.). Ja selbst, wer leise betend weniger rxom Inhalte des Gebetes angeregt wird, darf nur bei der Privatandacht laut beten, aber nicht bei der öffentlichen, weil er sonst die Andern Ln ihrer Andacht stören würde (N'vnSi vronb ■'nsn)." — Eine Notiz für Alle, welche bei der leisesten Abstellung gottesdienstlicher Unordnungen Zeterschreien und ihrer lieben Gewohnheit den Namen der. Religion borgen. — der auf die Glaubenspunkte rpnm t-Aiao bezüglichen Stellen dem Tempelgebetbuche die Verwerfung sowol der frühem Religionsbebörde als des jetzigen Chacham zugezogen. Das Wort rrnn hätte nun freilich ganz wegbleiben sollen. Ich habe, wie sich unten erweisen wird, das Gebetbuch einer sehr genauen Durchsicht unterworfen und kann es gewissenhaft behaupten, daß keine einzige Stelle desselben die entfernteste Aenderung in Betreff dieses Glaubenspunktes, der Auferstehung der Todten und der Unsterblichkeit der Seele,wahrnehmen laßt. Was nun die beiden andern Punkte, die Lehre von der Erlösung und dem Messias betrifft, so hat die Redaktion des neuen Gebetbuches in ihrer Einleitung wohlweislich Verwahrung gegen alle Verketzerung und Ausschließung eingelegt, indem sie uns S. VI. ausdrücklich bemerkt, daß die Tempelgemeinde sich nur in einigen Formen ihres Kultus von andern israelitischen Gemeinden unterscheide, nicht aber in Zkeliqiottslehrerr. Die Zukunft Israels nun ist ein zu wichtiger Punkt, sie muß die Krone und das Ziel unserer religiösen Weltaufgabe sein, als daß, wenn hierin wirklich von den Grundlehren des Judenthums abgewichen würde, die Redaktoren der Tempeltesilla sich die Behauptung erlauben durften, es walte, was Religionslehren betrifft, zwischen den übrigen israelitischen Gemeinden und der des Tempels kein Unterschied ob . Aber wie? laugnet vielleicht die Tempelgemeinde die Persönlichkeit des Messias? Und stände nur die eine Stelle als Glaubensbekenntniß (S. 30b.) da: pp rvnsb , ppb rrrjr» Er wird am Ende der Tage den Gesalbten senden, daß er erlöse, die seinem Heile entgegenharren, — so wäre diesem Vorwurfe schon sicher begegnet. Oder laugnet sie vielleicht die einstige Verherrlichung Zions, die Wiedererbauung Jerusalems, die Neubegründung des Heiligrhums ("2np?2)? Unzählige Stellen (@. 11.121. 139. 161. 165. 174. 318. 398. 426. u. a. v. £),) des Gebetbuches beweisen das Gegentheit. Oder etwa wird geläugnet, daß Jerusalem, die Gottesstadt, die freilich auch uns theuer, ja uns am theuersten sein muß, daß sie einst der Mittelpunkt für ganz Israel, der Einigungspunkt seiner Zerstreuten sein wird? Nein, auch das nicht! Wir wollen nur Eine, aber schlagende Beweisstelle anführen, nämlich aus dem Mussaph-Gebete des Neujahrs, wo es (S. 174.) heißt: i'bi aiirun trp2 j-pim und an jenem Tage wird die große Posaune ertönen und es kommen die Verlorenm im Lande Aschur und die Verstoßenen im Lande Mizrajim und beten Gott an auf dem heiligen Berge in Jerusalem, und sogleich darauf (S. 175.) die Erfüllung dieser göttlichen Verheißung in einer Bitte ausgesprochen: 'ist 2pn Laß die große Posaune ertönen zu unserer Befreiung und evhebe ein Panier, unsere Zerstreuten zu sammeln. Ebenso ließen sich in Betreff der Erlösung Israels viele Beweisstellen (S. 8.10.65.67.147. 212. 304. 305. u. a. m.) für die Rechtglaubigkeit der Tempelgemeinde anführen. Wie konnte nun Hr. B. dieses Alles rgnoriren und durch sein exkommumzrrendes Wort einen Theil seiner Glaubensgenossen aus der Gemeinschaft des