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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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4 Zeit die jüdischen Gelehrten einig waren. Jedenfalls laßt sich annehmen, daß die Stellen, welche die Vervollkommnung unseres Geschlechts, oder das Reich Gottes in Aussicht stellen, aus die spate Zukunft (mmn m7NN2), der Messias-Zeit, Hinweisen, wahrend die Stellen, welche die politische Erhebung Israels aussprechen, und überhaupt die geistigen Momente weniger berücksichtigen, eine nähere Zukunft im Auge hatten. Auch im Talmud selbst herrschen große Schwankungen über den Begriff und die Bedeutung des Messianismus, so daß ein Samuel in demselben nichts als eine politische Befreiung Israels sah;*) R. Jochanan dagegen alle die Verheißungen einer goldenen Zukunft in den Propheten auf den Messias bezieht s), ohne nur der Ansicht des R. Hillel zu gedenken, weil diese allerdings kerne Beistimmung gefunden hat. So viel Unsicherheit und Widerspruch herrschte unter den alten Rabbinen über die Beschaffenheit des messianischen Reiches, daß ein Maimonides (H. Melachim Kap. 12. §. II.) sich zu der Mahnung veranlaßt fand, nicht so hohen Werth auf solche Interpretationen, die keine Grundlage in unserer Religionslehre haben, zu legen. Zwar vereinigt Maimon. selbst, oder mischt sie zusammen, die sich entgegengesetzten Ansichten des Samuel und R. Jochanan; es wird aber auch dieser Jrrthum von den Kommentaren gerügt, (H. Teschuba, Kap. 8. §. 7.). Nach solchen Voraussetzungen ist es gewiß rathsamer, das Gebet, das doch nur sichere Wahrheiten enthalten darf, von allen Stellen rein zu halten, welche schwankend und unsicher sind. Wo überhaupt finden wir eine religiöse Vorschrift, welche uns verpflichtet, alle die Momente des messianischen Reiches in unser Gebet aufzunehmen? Demnach sind die Modifikationen im Ausdrucke, oder das Hinweglaffen mancher Stellen und Begriffe, die keine wesentlichen Momente des Messianismus sind, keine Gravamina, welche dieses Gebetbuch unisraelitisch machen könnten. Eben so wenig kann der andere Punkt, nämlich das Uebergehen oder das Nichtberücksichtigen des Opferdicnstes zur Verwerfung dieses Gebetbuches berechtigen. Es ist wol nicht nothwendig, zur Rechtfertigung dieses Ausspruches das Zeugniß der biblischen Lehren über die Bedeutung und den Werth der Opfer anzurufen. Denn Niemand wol wird den Opfern mehr als eine symbolische Bedeutung zugestehen können. Wie aber Idee und Gesinnung dem dunkeln Bilde und dem schwachen Symbole vorzuziehen sind, so das Gebet den Opfern, weßhalb denn auch in dem Propheten Jesaias 56, 7. als besonderer Grund des Tempels der Name „Gebethaus" und nicht Haus der Opfer hervorgehoben ist. In dem Talmud selbst, wird uns ausdrücklich gelehrt, daß Religionsstudium (mnn) 6), 4) NbN -rptöfctt mmb rnn abnm pa pN .7272 rrrabE 5) ,rriöürt mmb NbN iN23n3 Nb iba a’wnstt'ba •"jnbiT 'mb« nnN7 Nb ptf N27? übi^b b2N 6) Ywbn bTO 277 1rpöiö» n^n 7v bNiM 7?:n (Santzedn'n 44 b.) »p77:n m327pma 7nr> mnn ferner Gerechtigkeit (np72) 7), sodann thätige Menschenliebe (7vn nb“^) 8), endlich das ®ebet (iibsn)9) den Opfern weit vorzuziehen sei. Auch um Versöhnung von Gott ob unserer Sünden zu erlangen, wird in dem babylonischen Talmud, Religionsstudium und thatige Menschenliebe den Opfern vorgezogen 10), und in dem jerusalemischen Talmud auf dieselbe Weise das Gebet"). Wie wenig wir Ursache haben zu klagen, daß ob der Zerstörung des Tempels und des Aufhörens der Opfer wir keine Mittel zur Erlangung der göttlichen Verzeihung besitzen, mag folgende Erzählung aus dem Midrasch beweisen Einmal, so wird uns erzählt, ging Rabbi Jochanan, der Sohn Saccai, in Jerusalem und Rabbi Josua folgte ihm; dieser betrachtete den zerstörten Tempel und sprach: „Wehe uns ob des Tempels, der zerstört ist, des Ortes, in welchem unsere Sünden verziehen wurden!" Jener antwortete: „Mein Sohn, möge dir daS nicht wehe thun, denn wir haben eine andere Versöhnung, jener vollkommen gleich, nämlich die thatige Menschenliebe; darum steht geschrieben (Hosea VI, 6.): denn Liebe verlange ich und nicht Opfer; ferner (Ps. 89,2.): die Welt wird durch Liebe erbauet," (oder: Ewig fort wird durch Liebe erbauet.) — Den Vorzug des Gebetes vor dem Opfer finden wir auch in dem Midrasch zu Ps. 90. hervvrgehoben, woselbst man Gott sprechen laßt: „Und woran habe ich Gefallen? an dem Gebete der Frommen." ") In der That ist die Fortdauer, oder Wiederherstellung der Opfer in dem Midrasch selbst in Abrede gestellt, und zwar nicht bloß der Sündopfer"), sondern alle Opfer überhaupt.") Nach dieser Auseinandersetzung ergiebt sich, daß das Verwerfungsurtheil des Herrn Ehacham Bernays auf keinem festen Grunde ruht. Daß Herr Bernays bei seiner 7) ba?a 7rm 7:p72 nurnrn bi77 7T3*bN '7 7?:n (Succa 49 b.) •m327prt 8) 7P.T tr7ön mbma i-rbi77 7T?bN '7 72>ni '"•72n mb^27 i72*>2n N2PN 773N (ibid.) np72N (Abschn. t. R. Elieser. III.) mbim ümar: 9) m327p7r pa 771^ nbsn nbi77 7rabN H'n (Berachot 32 b.) 10) b2N 7B2r,?2 7rN N272 72N ^2N (Rosch haschana 18 a.) ü^72N mb'12m nmna '7£an7a 11) Nl!7 722D77 72N 7BDDÖ mN NN3731 N272 (Rosch haschana Abschn. II.) .nban2 12) ^bN2 ^N27 ")2 pNin ^7 mN NNN VSD 71"2 t7N7 -.rnnN ‘jbma 3'ÄIN'' '7 mm tnböTTO 27N7Ü rr2!7 b* 72b "N 772N 27N Nim2 W7p73N 12b , ^b 27^ bN ^32 'b'N , 13'»rn3,tf 12 p722n7ai25 amon mb^a* , nr w , nm-22 N^nur 717NN 71722 \7773N : 721N1 , N27 «bl 7D57 *^2 : 72N3 ^27 (Midrvsch Jalkut zu Hosea, No. 522.) mm 7vn öbi? 13) (Jalkut' zu 'mim r.bana pan *2N maan Psalm No. 841.) ' 14) min ]27pi pbBä m327pn ba «ab 7Wb (Midrasch Raböa zu Zaw, Abschn. 9.) b22 13^ 15) 7rp73rm mn abi^a NbN pams pN m327pn (1. 1. zu N2'n abW2 p2 TlTfi Dbl^2 p2 p3Nl3 p3rnn Schofetim Abschnitt 85.)

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