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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 235

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
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Sie, und wir freuen uns, daß es gelungen ist, dem Jungen neben dem so überwiegenden Men eine Konsistenz, einen Anfang historischer Geltung zu verschaffen und zugleich dem alten Borwurf zu entgehen , die Liberalen verständen wol niederzureißen, aber nicht aufzubauen. Und war es nicht auch gefährlich, den Kindern, denen wenig kultuelle Formen außer diesen liturgischen vor die Augen kommen, auch diese aller Stätigkeit und relativer Objektivität baar zu zeigen? Und konnten wir Zufluß von neuen Mitgliedern erwarten, wenn Niemand wußte, worauf er in fünf in zwei Jahren, ja im nächsten Monat bei uns zu rechnen hätte? Weil wir einmal einen Sprung gemacht hatten, mußten wir darum immer weiter springen? Ich glaube wahrlich kaum, daß es Ihnen mit diesem Vorwurf Ernst war. Hier ist nun der Ort, in Betreff dieses Gebetbuches zwei noch kaum berührte Jrrthümer zu berichtigen. Erstlich bildet es nicht das Ganze, sondern nur etwa die Hälfte unseres Gottesdienstes. Ein Gesangbuch von über 4vl> Originalnummern ergänzt jenes, und diese Gesänge, die zum Theil wieder einen paffenden Rahmen der Predigt bilden, sind, wie auch unsere Vorrede erklärt, als Ersatz der alten Piutim gegeben, die ihrerseits auch nichts weiter bezweckten, als das ewige Einerlei der stehenden Liturgie nach dem speziellen Gegenstände des Tages zu unterbrechen. Wie sich dies Alles im Zusammenhänge darstellt, das läßt sich freilich nur aus lebendiger Anschauung ermessen, ob es Ihren Geschmack befriedigen würde, ist schwer vorauszusehen, und wir können nur erwähnen, die Herren Mannheimer, Stein und Holdheim hat es sehr angesprochen. Zweitens ist das Alltags-Gebet nicht eine Neuerung der zweiten Auflage. Es ist gedruckt im Jahre 1828 unter dem Titel „Ordnung der öffentlichen Andacht für den neunten Ab und das Purim, nach dem Gebrauche des Neuen Tempelvereins in Hamburg. Hamburg 5588, 4» S. groß 8.," welches Heft nicht in den Buchhandel gekommen und blos beim Gottesdienste selbst benutzt ist. Vorher hatte man an diesen Wochentagen die Amida Habinvnu gebetet. Es war nun nichts natürlicher, als durch eine kleine Erweiterung diese Gebetsordnung für den Alltag des ganzen Jahres einzurichten, da eine solche Benutzung ja immer einmal hier oder auswärts eintreten kann, und da ein Gotteshaus das in jeder Keduscha versichert, dies Volk sage täglich zweimal das Schema, das zweimalige Alltagsgebet im Prinzip nicht bestreitet. Ueberdieß war es ein Uebelstand, der Beseitigung erheischte, daß viele Tempelmitglieder beim häuslichen Alltagsgebete —, dem sie für sich und ihre Familien krinesweges entsagt haben, zu dem alten Siddur greifen mußten. Was die Vertheilung und Mischung der zwei Sprachen anbelangt, so ist diese keinesweges auf Theoriecn und Dinim, sondern lediglich auf die zu erzielende größere Feierlichkeit nach der im Tempel eingesührten und allgemein befriedigenden Vortragsweise berechnet, wobei es die beigefügte treue Uebersetzung gestattet, gelegentlich noch mehr Hebräisches durch Deutsches zu ersetzen. Beim Privatgebet werden die Meisten dies ohnehin thun: beim öffentlichen sind auch alle stillen Andachten der Gemeinde z. B. das Elohai nezor und die stille Amida lediglich deutsch gegeben. Ob am Ende auch das Schema in seinen drei Paraschot im deutschen Gewände viel gewonnen hätte, wollen wir dahin gestellt sein lassen: wir sahen darin das einmal geltende allgemeine Symbol bei Rabbaniten und Karaiten, und den Originaltext nicht in Uebung zu haben, hätte unnöthigerweise eine sehr tiefe Kluft gebildet. Bei der Tora-Vorlesung aber einen Meturgeman aufzustellen, ist zu einer Zeit, wo jedes Kind die deutsche Uebersetzung nachliest, und wo die Predigt den Hauptgedanken erläutert, völlig überflüssig. In den ersten Jahren hatte man die Megillat Ester deutsch verlesen, was sich aber so übel machte, daß es bald wieder aufgegeben ward. Bei aller Pietät indeß gegen die Sprache der Vorfahren und die Ursprache der Tora ist unser Ge- . betbuch von links zu rechts gedruckt, und das Deutsche hat also die Oberhand. Nach obiger Darstellung würden nun Ihre meisten einzelnen Ausstellungen beseitigt sein. Sie wissen es nun daß unser Publikum nickt aus lauter gleichgesinnten Jlluminaten besteht, und kennen mithin die Quelle unseres unwissenschaftlichen Eklekticismus. Die Benediktionen über die rabbinischen Mizwot (Halle!, Chanucka und Megilla), insgesammt schon in der ersten Auflage vorhanden, wur-

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