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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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Denn wahrlich: lebte nicht im jüdischen Volke unsrer Zeit die Ueberzeugung, daß man auch ohne die große Masse von sester oder loser begründeter Observanzen im vollen Sinne ein Jude sein könne — durch exegetische Hypothesen wäre es ihm nimmermehr beizubringen gewesen. Urberdies konnte es auf keinen Fall die Absicht der Tempel-Mitglieder sein, ihre Kinder dem noch allgemeinen üblichen jüdischen Ritus so weit zu entfremden, daß ihnen, sobald sie Hamburgs Mauern verließen, der Besuch eines israelitischen Gotteshauses unmöglich war, vielmehr erscheint gegenwärtig keinem ausländischen Juden der Tempelritus fremdartiger, als Deutschen und Portugiesen ihre respektiven Rite erscheinen, und unsere Kinder beiderlei Geschlechts, denen auch einige populäre Bekanntschaft mit der hebräischen Sprache zu erhalten nicht außer unserer Absicht liegt, können überall, wo nicht etwa Tumult und Unordnung ihr Anstandsgefühl verletzt, an dem jüdischen Gottesdienste Theil nehmen. Also anscheinend Halbheit und wesenhaft Vermittlung; anscheinend Eklekticismus und wesenhast genaue Anpassung an das Publikum; anscheinend Willkühr und wesenhaft strenge Beachtung der Subjektivität der Gemeinde — so haben die Leiter des Tempelritus, Männer der That, gearbeitet, und der Erfolg hat sie gerechtfertigt; denn die Anstalt selbst blüht und wächst und ihre zahlreichen Kinder: die reformirten Synagogen alle, mehren sich täglich, wenn freilich die Bornirtheit sie alle „isolirt" nennen mag, weil keine derselben vollständige Nachahmung gefunden hat, nicht einmal der Kopenhagener und Wiener Ritus in irgend einer Stadt ihrer beiderseitigen Monarchieen. Auf einem anderen Terrain sehen wir jetzt das Gleiche Vorgehen. Bei der bekannten Veranlassung erheben sich die preußischen Juden wie ein Mann und erklären, sie seien eine besondere Kirche, aber kein besonderes Volk, Preußen sei ihr einziges Vaterland und sie begehrten kein Anderes, eben so wenig als sie eine besondere Nationalität zu bewahren verlangten. Auch dies Faktum, so höchst wichtig in seinen Folgen, das der Erklärung des Pariser Sanhedrin an moralischem Werthe noch voransteht, es ist kein Kind der Wissenschaften! hätte man da erst die Gelehrten vorher gefragt, wer weiß ob nicht die jüdische historische Schule, die eben so wenig als ihre christliche Schwester dem neunzehnten Jahrhundert die Rechte des dreizehnten oder zwölften einräumt, ganz wie diese geantwortet hätte? Aber nein, wir jüdischen Männer sind mündig: unsere gesunde Vernunft hat hier wie dort entschieden und — chinnarN nimkarlem wel» beckvsseff tigaelu, d. h. ohne Wissenschaftlichkeit, ja oft der damaligen Wissenschaft zum Trotz hat man uns das alte System aufgebürdet, und darum ist es nicht die graue Theorie, sondern das grüne Leben, das uns erlösen soll. Somit ist auch der Standpunkt angegeben, weshalb der Redaktion der zweiten Auflage einige Nichtgelehrte beigegeben waren (eins derselben ist der hier Redende), und die es den Predigern gern bezeugen, daß sie, wozu auch kein großer Aufwand von Gelehrsamkeit erforderlich war, leicht die angedeuteten Inkonsequenzen beseitigt hätten, wenn nicht höhere Gründe deren Erhaltung nöthig machten. Wir Laien namentlich repräsentirten eine Anzahl von Familien der verschiedensten religiösen Stellung, wir repräsentirten im Ganzen zwar die progressive Fraktion, die aber an ihre Gesammtgemeinde mit tausend Banden der Liebe und des gemeinsamen Interesses geknüpft, keinesweges, selbst aus wolverstandener Politik nicht, gesonnen war, sich von ihnen abzuschneiden. Nach Außen mußten wir die alte und bisher mit Erfolg belohnte Weise des Pharisäismus vereiteln, Dissidenten durch die Trägheitskraft des bloßen Jgnorirens hinaus zu drängen, nach Innen hatten wir die Erfahrung, daß diejenigen Predigten und Lieder am meisten ansprechen, die von dem Gesammtschicksal Jsrael's in Leid und Freude reden. ' Unsere Kinder hatten wir in diesen Ideen erzogen, und sollten jetzt die Kluft erweitern, die Scheidungsmauer erhöhen? Nein, und hätte man uns auch die bündigsten Beweise vorgelegt (es war aber nie die Rede von dergleichen), nie hätten wir eingewilligt, die Hutbedeckung und das Kaddisch Abelim zu entfernen, oder den Jom kippurdienst auf einen halben Tag zu reduziren u. dgl. m. Und so glauben wir eben mit Hülfe der Prediger unsere Mission wol erfüllt zu haben. Von dem Institute selbst werfen wir einige Blicke aus das Buch, namentlich die zweite Auflage. „Es ist ein Herkömmliches geworden," sagen

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