Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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233 der ihrer Führung Anvertrauten zu verletzen und sie daher in ihrem religiösen Leben zu verwirren," wie Sie (Seite 65) glauben, stand der Tempel keinesweges, und eine solche Stellung hätte ihm in der Wirklichkeit durchaus keinen Nutzen bringen können; vielmehr war mit der größten Aengstlichkeit darüber zu wachen, daß alle seine vielartigen Theilnehmer Befriedigung fänden, und auch die fremden Besucher, die in noch größerem Maaße dem Alten anhängen, wenigstens nicht abgestoßen würden. Rechnen Sie daher:das Dasein des Tempels an und für sich ihm und denen, die dies Dasein gesichert haben, zum Verdienst an (Seite 62), so können Sie auch nicht vermeiden, dem gewählten System der Transaktion Gerechtigkeit wiedersahren zu lassen, welches bei aller seiner unvermeidlichen Halbheit — dem nothwendigen Attribut jeder Uebergangsphase — doch noch immer so weit fortgeschritten ist, daß die von Weitem, wenn auch auf langen philologischen Stelzen, Nachkeuchenden über den gar zu großen Vorsprung schreien, und sich in der Praxis nicht anders zu retten wissen als mit der schuldigen „Rücksicht aus schwache Gemüther," mit der „Gefährlichkeit und Delikatesse gewisser Fragen."- War nun aber der Tempel, nicht aus dämmerndem Instinkt, sondern in klarem Bewußtsein „mit den Juden ein Jude und mit den Griechen ein Grieche" wurde er auch deswegen von beiderlei Ultra's für „ein Aergerniß und für ein Gräuel" erklärt; so können wir doch aus vollkommenster Ueberzeugung versichern, daß den Gegnern, die übrigens so eben auch das Kopenhagener und Dresdener System mit gleichem Abscheu zurückgewiesen haben, nichts erwünschter gewesen, als wenn er das Kolorit einer Synagoge ganz oder fast ganz abgestreift hätte, wo sie ihm dann als einen höchst bescheidenen Erbauungsklubb, zumal für Weiber und Kinder, mit der größten Höflichkeit begegnet wären, aber als etwas durchaus nicht zum Judenthum und zu seinem Kultus Gehöriges, dem auch nie und nimmer Anspruch und Einfluß darauf gebührte. -Dann freilich wären unsere Prediger Maggidim gewesen, und das Ausland, das, wie die Kopenhagener und Wiener öffentlich bekannt haben, von hieraus die Weihe empfing, hätte eines so fruchtbaren Vorbildes entrathen. Nein! nicht eine haarscharfe Konsequenz, mit leichter Mütze durchzubringen; sondern der Welt darzuthun, wie man eine Anzahl verschieden denkender Juden nnter einem Panier vereinigt, darzuthun, daß die Gränzen des Rabbinismus und des Synagogen-Kultus nicht so eng sind wie man bisher glaubte, es zu bethätigen, daß man ohne sektirerische Abtrennung sich bis zu einem beträchtlichen Punkte vorwärts bewegen könne, das war die einzige wahrhaft nützliche Aufgabe, und bei jedem anderen Wege hätten sich die Mitglieder des Vereins ganz gewiß noch unter zwei Jahren wieder verlaufen, in die Kirche, in die Synagoge und in das Nichts; und mangelt dem jetzigen Tempel auch zur Zeit noch ein genau begrenztes äußeres Symbol: die Innerlichkeit desselben ist Freunden und Gegnern genau und deutlich bekannt. Kcinesweges bedauert der Tempel daher, daß viele Mitglieder im Privatleben durchgängig bei dem allgemeinen Herkommen bleiben — und namentlich gehörte Bresselau, unser eigentlicher Liturg, zu dieser Klasse — es ist dies vielmehr dem Tempel im hohen Grade angenehm, und es bezeugt eben seine tiefste Wirksamkeit, daß Personen voll alter Gläubigkeit und alter jüdischer Nationalsitte an den ergreifendsten Feiertagen seine Räume füllen. Und vollends das Leipziger Institut, das, obschon seine Genossen das ganze Jahr hindurch die alte Synagoge besuchen, zum großen Verdruß anderer schwächlicher Reformversuche, in so jugendlich kräftiger Konstitution blühet, hätte ohne das angenommene System gar nicht aufkommen können"). Sv war denn der Tempel, nicht das Kunstprodukt experimentirender Kasuistik oder eines metaphysischen Postulat's, sondern das gesunde Erzeugniß des Lebens, des Volks in seiner edelsten Gemüthlichkeit, und die rabbinische gelehrte tisute-Volee wurde erst hinterher eingeladen, das Geschehene zu benutzen, sie konnte rufen, und hat dies auch über 20 Jahre lang gethan: Har sich der Landmann solcher Thal vermögen AuS eignem Mittel, ohne Hülf' der Eoeln: Hat er der eignen Kraft so viel vertraut — Ja dann bedarf «S unserer nicht mehr —-durch andere Kräfte will Das Herrliche der Menschheit sich erhalten! *) Zu den letzten Feiertagen sind allein 50 Gebetbücher der zweiten Auslage abgesetzl. Evrresp. 16"