Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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23 2 Verbandes empfanden und eines öffentlichen Kultus, der nicht eine total uneuropäische Physiognomie zeigte. Seckel Fränkel und Breffelau arbeiteten ohne eigentlichen offiziellen Auftrag ihr Gebetbuch aus, es erschien und ward von der Direktion eingeführt. Nach der ersten Sabbatfeier protestirtcn einige 20 Mitglieder förmlich: so hätten sie >es nicht gemeint, da hätte man ja in der Synagoge bleiben können, hebräischwollten sie nicht u. s. w. Sie wurden bedeutet: es zwänge sie ja Niemand den Gebeten beizuwohnen, und sie könnten sich ja an Predigt und Gesang halten. Die Meisten blieben, einige traten aus. Auch von der andern Seite waren mehrere unbefriedigt und sielen ab; die große Masse war zufrieden mit dem gewählten Transaktionssystem der Zusammenfügung beider Sprachen und der gemäßigten Modifikation. Es war ein Fehler, nicht gleich ein weit größeres Lokal zu erwerben, denn es konnten natürlich nicht mehr Mitglieder ausgenommen werden, als Stellen sind, und, da anständige Personen auf die Länge nicht ohne eignen Platz den Tempel besuchen mögen, so blieb die Zahl der Mitglieder bis auf den heutigen Tag nur auf die der Stellen beschränkt und Viele intentionirte Theilnehmer wurden entfremdet. Es ward indeß für nothwendig erachtet, der Brücken zwischen Tempel und Synagoge so viele wie möglich bestehen zu lassen, denn da die eigentlichen Indifferenten den Tempelianern an Zahl gleich, sich sofort dem Tempel — weil er sie einlud,' während die Synagoge keine Ansprüche mehr an sie machte —, feindlich entgegenstelltcn, so war leicht vorauszusehen, daß die Rekrutirung der Anstalt von der legitimistischen Seite her fließen würde. Weit entfernt daher, daß der Tempel wie Sie (|>ag. 66) verlangen, ein Oppositionsinstitut wäre (das allerschlechteste Kompliment für ein Gotteshaus, wohin man gehen soll, um sich zu erbauen, aber nicht um den Nachbar zu ärgern,) ist er vielmehr nach Innen für das positive religiöse Bedürfniß wahrhaft konservativ, nach der Vorschrift des freilich auch gegen pricsterlichen und monarchischen Despotismus opponirenden Propheten ,,ein geknicktes Rohr nicht zu zerbrechen," und nach Außen ein Koalitions- Institut, wo Jeder zum Besten des Ganzen seine besonderen Meinungen untcrordnet. Auf diese Weise ist das Publikum des Tempels noch heute zusammengesetzt. Deutsche und Portugiesen"), Reiche und Arme, Männer und Frauen sind die Mitglieder und die Besucher. Es finden sich darunter alle Nüancen der kultuellen Observanz, von Leuten die zwischen Fleisch und Milch Stundenlang warten, bis zu solchen die am Versöhnungstage frühstücken; und verfügen sich auchschon langst nicht mehr Einzelne an den hohen Festen, am Matnatjad und an ihren Jahrzeitstagen in die alte Synagoge, so dürfte man doch ohne große Gefahr des Jrrthums annchmen, daß z. B. bei einer — freilich unmöglichen — Auflösung des Vereins 4|5 der Mitglieder sich derselben aus Mangel an Besserem zuwenden würden. Auch ist die große Majorität an die hebräischen Gebete so attachirt, daß, als ein Mitglied vor einigen Jahren die Verwaltung förmlich beim Senat verklagte, weil mehrmals am Neujahrsfeste der Piut Iah schimcha aromimcha weggelassen war , (der Senat wies ihn an die Verwaltung als einzige geistliche Behörde des Tempels, zurück,) dieser Schritt zwar gemißbilligt wurde, aber nicht dessen Motiv. Ist es nun aber zu tadeln, daß ein Verein an seinem, mit so vielen materiellen Opfern und geistigen Kämpfen Errungenen, das ihm eine neue religiöse Welt geöffnet hat, ohne das alte Band der Liebe und des Zusammenhangs mit der Nation zu zerreißen, auch in der liebgewordenen Form so sehr hängt, daß die zweite Auflage schon deshalb nur sehr wenige Abänderungen wagen durfte, so ist dieser Tadel freilich hinzunehmen; aber er trifft nicht die Redaktion, sondern die Gemeinde in einem Punkte, den wir geneigt sind, ihr zum hohen Ruhme anzurechnen. Also „frei von allen beengenden Rücksichten, blos den gleichgesinnten Theilnehmern des Tempels verantwortlich, ohne Besorgniß religiöse Sympathieen *) Der Chasan ist ein Portugiese und zu derselben Zunge gehört der jetzige Senior des ganzen Vereins, eine Dame auS Altona-, die in hohem Alter jeden Sabbat den Weg macht. Aber auch von den Deutschen ist ein großer Theil sefaradisirt, und besuchte früher diese Synagoge. Dies zur Erwiderung auf die vielen Anfragen wegen der Annäherung an deren Ritus in Text und Aussprache. Der Portugiesische Ritus war Hier von jeher fast Niemandem ganz fremd und auch bei vielen orthodoxen Deutschen sehr beliebt. Corresp-