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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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Offenes Schreiben au deu Herr» Rabbiner Di-. Geigrr zu Breslau. Von H. in Hamburg. Bei der Ankündigung Ihrer'Schrift: „der Hamburger Tempelstreit, eine Zeitfrage" erwartete das Publikum die Abhandlung der Fragen: wird das positive jüdische Religionswesen sich erhalten können in den Evolutionen der Geschichte und der Wissenschaft, zumal wenn je die künstlichen Stützen alles Kirchenwcsens wegfallen? In welcher wahrhaften Beziehung stehen unsere religiösen Angelegenheiten mit unfern politischen? Was hat die gegenwänige jüdische Reformation von der christlichen Kirchenhistorie der Jetztzeit zur Nachahmung oder zur Vermeidung zu lernen? Was hat das konkrete Judenthum von der Uebermacht der europäischen Civilisation zu fürchten und zu hoffen? Statt dieser glühenden Zeitsragcn fand man Ihre Abhandlung auf das engste Terrain cher vorliegenden Spezialität beschränkt, und neben einem stolzen Berufer auf das „neue Leben," das in dem (religiösen?) Judenthum erwacht sei, lediglich eine Schilderung de-s Widerspruchs des jetzigen Bernays' mit dem von 1820 (was an sich gar kein Vorwurf ist), und eine abschätzige Behandlung des Tempelinstituts, das zwar keineswegcs, wie Jener in freiwilliger (?) Erstorbenheit behauptete, aus dem dogmatischen Judenthum ausgetreten sei, dies aber eben nur aus sträflicher, seine Mission verläugnender Schwäche. Da nun der literarische und theologische Theil Ihrer Schrift dem Vernehmen nach von Ebenbürtigen Beantwortung finden wird, so erlaubt sich hiermit s«m Ungelehrter, dem weder die philosophische Vogelperspektive noch die historische Geologie zu Gebote steht, Ihnen einige praktische Bemerkungen vorzulegen, wobei er sich natürlich nicht auf gelehrte Autoritäten, sondern auf seine eigene und seiner Zeitgenossen persönliche Erfahrung stützt. Jndeß ist der erstere ' Theil Ihrer Schrift dem letztern so häufig gerade entgegengesetzt, daß man Mühe hat, sich des Gedankens zu erwehren, es sei Ihnen erst bei Abfassung dieses letztern Theils klar geworden, wohin Sie wollten, und um nur einen greifbaren Gegenstand zu haben, sind wir genöthigt uns selbst die Vorwürfe zu konstruiren, die Sie dem Tempel machen. Wir rcduziren sie auf folgende: 1) Er hat keine konsequente Richtung verfolgt und sich nicht an die Spitze der wissenschaftlichen Reform gestellt; 2) die Prediger haben außer dem was ihr Namen besagt, nichts geleistet; 3) Er hat sich dem Bestehenden anzuschmiegen und keine abgesonderte eigenthümliche Stellung anzunehmen gesucht. Zur Beleuchtung dieser Vorwürfe ist es jedoch nothwendig, Ihnen die Genesis des Tempels sowol als seinen Bestand vorzuführen, worüber Sie völlig verkehrte Ansichten zu haben scheinen, wie cs sich auch aus Ihren häufigen irrigen Details ergiebt *). Von einem Gelehrten, der sich keine Mühe verdrießen läßt, sich über die Biographien und Verhältnisse der vor vielen Jahrhunderten verstorbenen Personen Aufklärung zu verschaffen, hätte man freilich erwarten können, daß er sich auch um wahrhafte Berichte über seine Zeitgenossen bemühen würde, ehe er sie beurtheilte. — Im Sommer 1817 also cirkulirten hier fliegende Bogen des Inhalts „die Unterzeichneten vereinigen sich zu Herstellung eines zeitgemäß geordneten öffentlichen Gottesdienstes, wobei deutsche Gebete und eine Orgel eingeführt werden sollen." Diese Aufforderungen gingen nicht von Theologen, überhaupt nicht von Theoretikorn aus, auch waren es nicht Theologen und Theoretiker, die sich anschloffen; sondern Familienhäupter von den verschiedensten Nüancicungen des religiösen Lebens, die aber alle das Bedürfniß eines erneuerten kirchlichen Gemeinde- *) So ist z. B. der Verfasser des Aussatzes in der Allg. Zeit, des Judenlhums, den Sie pag. 68 anführenein junger aufgeklärter Gelehrter, der es stets mit den orthodoxen Feinden des Tempels gehalten hat, und der die Phrase „Niemand wird den als einen Lehrer des Judenthums anerkennen, der etwa erlauben mochte eine verbotene Speise zu essen" vorzüglich in Bezug auf die Beschuldigung'wegen der Sabbats-Pfeife schrieb, die Sie als eine boshafte Verlaumdung so eben mit Eklat abgewiesen hatten. D. Corresp.

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