Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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230 mung durch die Amtsblätter zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Berlin, den 19. Februar 1842. (gez.) Friedrich Wilhelm." Deutschland. Aus Baiern, im Dezember. (Privatmitth.*) Verspätet.) Das religiöse oder vielmehr das kirchliche Prinzip ist einmal mit der ganzen Politik Baierns verwebt. Man glaubt, wenn alle Unterthanen nur recht fleißig beten und der äußerlichen Gottesverehrung Zeit und Kraft weihen, einen Schlag Menschen zu erhalten, die von Patriotismus glühen und der Dynastie mit Leib und Leben zugethan seien; vergißt aber dabei, was schon ein inspirirter Diplomat vor Jahrtausenden in Beziehung auf äußerliche Frömmigkeit sagte (Zes. 29,13.). Wenn nun auch von der zwischen christlichen und jüdischen Unterthanen errichteten Scheidewand hinsichts der staatsbürgerlichen Rechte und Genüsse noch gar nichts seit 1813 abgetragen, vielmehr dieselbe mit noch mehr Material, als: Lumpenhandelverbot, Judenextragelder rc. erhöhet wurde, so muß man doch gestehen, daß in erwähnter kirchlich-politischer Hinsicht die Juden den Christen ganz analog behandelt werden. So wurde von dem Ministerium des Innern schon im vorigen Jahre angeordnet, daß täglich in allen christlichen Schulen für Seine Majestät dem König gebeten werden müsse, und cs wurden sofort von den respektiven Ordinariaten und dem protestantischen Oberkonsistorium Gebete verfaßt und zu sofortiger Einführung die geeigneten Maßregeln getroffen. Auch für die israelitischen Schulen mußten von den verschiedenen Rabbinaten Gebete an die Kreisregierungen eingescndet werden, und diese letztem wählten dann den zum Besten scheinenden zur täglichen Verrichtung heraus. Um jedoch Gleichförmigkeit auch in dieser Beziehung zu erzielen, wurde unter dem 9. September cur. von Seiten des Ministeriums folgendes Gebet, unter Abrogirung der bisherigen, in allen israelitischen Schulen des Königreiches einzuführen befohlen, welches wol charakteristisch genug ist, um hier mitgethcilt zu werden: „Allmächtiger, ewiger Gott, Du Vater aller Menschen! Du lenkest und regierest Alles in Liebe und Gerechtigkeit, aber als Deine Stellvertreter auf Erden hast Du Könige und Fürsten eingesetzt, und sie mit Macht und Majestät ausgerüstet. Uns hast Du in Deiner Gnade zum Herrscher gegeben Ludwig den Gerechten, den Beharrlichen, zum Heile Seines getreuen Volkes. Darum Du Gott Zebaoth bitten wir Dich, laß an Ihm in Erfüllung gehen, was Du Deinem getreuen Diener David verheißen hast: „Ewig bewahr ich ihm meine Liebe, und mein „Bund mit ihm stehet fest. Ich erhalte seinen „Saamen auf immer, und seinem Thron geb' ich „die Dauer des Himmels." Sei Ihm fortan Schutz und Schirm und laß Seinen heilsamen Anordnungen zur Heranbildung einer gottesfürchtigen, frommen Jugend die Fülle Deines Segens zu Theil werden. Schenk' Ihm und Seiner frommen Gemahlin, so wie allen Gliedern des königlichen Hauses ein langes und freudiges Leben, und schütze dasselbe mit Deinem mächtigen Arme. Wache über Ihm, Deinem Gesalbten, und gieße über Ihn und die Seinigen den ganzen Reichthum Deiner Gnade aus. Laß in dem königlichen Geschlechte unseres Vaterlandes stets sichtbar bleiben die Frömmigkeit Davids und die Weisheit Salomons, auf daß Baicrns Zepter grüne, wie der Stab Ahrons und unter ihm Alles gedeihe. Uns aber, Du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! uns laß es tief fühlen, welchen Dank wir Ihm, unserem geliebten Könige, dafür schuldig sind, daß wir ungestört in unserer Glaubens - und Gewissensfreiheit und ungekränkt in unfern Rechten unter seiner schützenden Hand des Lebens froh geworden sind. Dieses Gefühl erhalte und kräftige in unfern Herzen, ewiger Gott, auf daß wir auch in rcisern Jahren der Wohlthaten nicht vergessen, die Er uns täglich zuwendet, und nach Seinen landesväterlichen Willen zu treuen Unterthanen und zu nützlichen Bürgern heranwachsen und dereinst mit unfern frommen Vorältern dort in Deinem Himmel versammelt werden, um Dich zu loben und zu preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen." *) Erst in diesen Tagen angelangt. Redakt.