Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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229 ben sich nicht so sonnenklar wie bei Einsetzung eines Rabbinen und Erbauung eines Bethauses kund thut. I. Gleiwitz (Oberschlesien), 20. März. (Privatmitth.) Daß wir aus diesem entferntesten Winkel Deutschlands so wenig zur Oeffentlichkeit zu bringen Veranlassung haben; kann man bedauern; noch betrübender ist es aber, wenn diese Veranlassung nur eine traurige', nur eine Anklage ist. Soll man aber immer und zu Allem schweigen? namentlich dann, wenn die Niederdrückung alles Bessern gerade von dem ausgeht, der dessen Stütze sein sollte? Wenn die Handlungsweise eines solchen Mannes die unleugbarsten Beweise an den Tag legt, daß es seine offenbare Absicht sei, alles Gute im Keime zu ersticken; ja, wenn er sogar diejenigen zu verdammen und verketzern sucht, die, das schönste Bewußtsein im Herzen, seit Jahren mit aller ihrer Thatkraft im Jugendkreise wirken — ist es dann auch noch eine nianb nr»? Wird der Landmann, der mit seinem Schweiße den Acker gedüngt, es schweigend ansehen, wenn man freventlich seine hoffnungsvollen Saaten zertritt? — Ja, daß man ihn als Verderber anklage, weil sein Pflug in langen Furchen den Boden durchschneidet?— Nein, er wird es wahrlich nicht, und auch ich vermag es nicht länger! Unser Herr Rabbiner, der mit seinen Ideen selbst einem frühem Jahrtausende keine Schande gemacht haben würde — erfüllt seine ihm obliegenden Pflichten mit dem musterhaftesten Eifer, indem er nämlich zweimal des Jahres in der Synagoge eine rva-n hersagt. So oft uns also schon dieser schöne, erhebende Genuß einen Blick in seine homiletischen und exegetischen Schätze zu werfen gegönnt war, eben so oft— sollte er vielleicht von nichts anderem zu sprechen wissen? — schleudert er seine, Verderben verbreitenden Blitze gegen die Schule; einen Ort, den er nur dem Namen nach kennen kann, da er sie nie mit seiner frommen Gegenwart beehrt. Lassen Sie uns nur eine Stelle aus der am gestrigen Vnan naa Statt gehabten sinnverdrehenden iTaTj herausheben, und es dürste neben dem Vortheil, Ihnen von der Größe dieses Mannes einen Beweis zu liefern, gleichzeitig ein Beitrag zu der gelungensten Exegetik sein, „eruin "na ■nn," ruft er mit jenem großen Propheten seinem, in Geduld harrenden Publikum zu; „üTpna» tr:a ihr gebt eure gute und fromme Kinder an Verderber, die sie durch ihre ruchlosen Lehren, wie z. B. in der Schule ohne Kopfbedeckung sitzen, beim Rechnen Kreuze machen und Blöken lernen — so beliebt nämlich der Herr Rabbiner den, vor Kurzem hier eingeführten Gesangunterricht zu nennen — der Hölle zuführen; irre» VN-ra-1 anp rs dieses empört den, der.in Israel Heiligkeit verbreiten soll — den Rabbiner!" Wie gefällt Ihnen das? Der fromme, hochwürdige Mann läßt sich in seinem Zeloteneifer hinreißen, der heiligen Gottheit in diesem Verse den Platz streitig zu machen, und seine liebe Persönlichkeit dafür einzuschicben! Ich könnte Ihnen, wenn der Raum es gestattete, noch einige Beispiele solcher durchgreifender Ideen anführen, wie z. B. die Behauptung: „daß man nur durch Nichtsthun der Gottheit ähnlich werden kann" — worin es wol dieser würdige Mann sehr weit gebracht haben muß — aber sajiicnti sat! —Euch aber, meine theuere Gemeinde, rufe auch ich mit jenem großen Propheten zu: „*>»» y;a“ Trn , Ein Oberhaupt, das unS erbaue, belehre, unfern Geist erwecke und erleuchte, fehlet hier; ein treuer, einsichtsvoller Führer des Volkes und Seelsorger, dem es ernstlich darum zu thun ist, wahre Gotteserkenntniß und Erleuchtung zu verbreiten, und der Jugend die segenbringenden Lehren der Religion selbst in das unverdorbene Gemüth zu pflanzen und sie zu veredlen! von solchen Häuptern heißt es: Dan. 12, 3. D^raum caaiaa ö^a-in , ypi“ “ii-na iTcrn ■wn eVij’p! F...s L. — Berlin- 29. März. Unterm 19. v. M. hat der König nachstehende Kabinctsordre an den Minister von Rochow gerichtet: „Da nach Ihrem Berichte vom 30. Januar in keinem Theile des Königreichs Dänemark fremde Handwerksgesellen aus dem Grunde, weil sie Juden sind, gesetzlich gehindert sind, in Arbeit zu treten, so will Ich nach Ihrem Anträge genehmigen, daß auch den jüdischen Handwerksgesellen aus Dänemark unter den in der Ordre vom 14. Oktober 1834 festgesetzten Bedingungen gestattet werde bei inländischen Meistern als Gesellen zu arbeiten. Sie haben diese Bestim-