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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 mit der Wichtigkeit der Maßnahme so sehr beschästigt sein, daß es für alles übrige Gute und Edle fast unempfänglich ist. Anderntheils ward die Hoff» nung immer noch rege gehalten, einen Rabbinen zu berufen, welche sich nun, seit dem der gelehrte und würdige Rapoport die Oberrabbinenstelle in Prag bekleidet, in Nichts aufgelöst hat. Hauptsächlich aber wird das Bedürfniß in der' Jetztzeit mehr als je fühlbar, wie sehr ein Mann von Geist und Herz, ausgerüstet mit einem guten und festen Willen, der dann mit Weisheit energisch in das schlaffe Sich gehn lassen eingreift, als Rabbine, nöthig thue. Gewiß wäre dann die erste Aufgabe eines solchen Mannes zur Vollendung des begonnenen Baues des allgemeinen Bethauses anzufeuern, in welchem dann Alle zur heiligen Andacht sich vereinen, und ihre Herzen in inbrünstigem Gebete zuin Dank und Preis vor dem Schöpfer Aller ausschütten. Dann wird die Eisdecke des Eigendünkels und des patrizischen Hochmuths geschmolzen sein von ihren Herzen, die, weil sie sich entweder dem Nordpol des Jndifferentismus, oder dem Südpol der Orthodoxie allzu sehr zugewendet, starr und zu Eis geworden. Ja, das Flammenwort eines Seclenhirten nur, welches vermögend ist das Herz zur wahren Andacht! zu stimmen, kann dieses Eis allmälig zum Schmelzen bringen, damit das gedrückte und beengte Herz freier athmen könne. Daß der neue Rabbine ein wissenschaftlich gebildeter sein dürfe und müsse, bedarf kaum noch der Erwähnung. Man möge bloß den Einfluß eines Solchen auf die Elementar - und Religionsschule in Betracht ziehen, so wird man die Nothwendigkeit desselben vor Augen haben. Der Religionsunterricht ist ganz aus der dortigen Elementarschule, so sehr sich auch die Lehrer dagegen gesträubt haben, gebannt worden; und wenn nicht noch einige Winkel- Hebräisch und Religions-Lehrer aus der alten Schule daselbst existirten, so würden mit der Zeit vier hundert Kinder das im Buche zu beten nicht im Stande sein. Diesem Uebel könnte freilich der zeitige Vorstand bei einigem guten Willen durch Jnstallirung einiger Religionslehrer an der Elementarschule, wie vor einigen Jahren so der Fall war, gleich abhclfen. Wenn wir aber die dortigen Herren Vorsteher auf's Gewissen frügen, ob sie die Schullokale nur einmal im Jahre besuchen, oder ob sie noch je bei einem Examen, wie es die Amtspflicht erheischt, zugegen waren, so müßten sie mit Erröthen diese Frage mit §£eiu beantworten. — Und was würde ein Rabbine alten Schlages, mit all seinen talmudischen Kenntnissen und seinem tiefen Scharfsinn auf die dortige Elementar- und Religionsschule für Einfluß haben? Auf welche Art und Weise wäre derselbe im Stande, zeitgemäße Einrichtungen und Verbesserungen zu treffen? Also was wollt Ihr von einem Vorstand, der nicht will, und von einem Rabbinen, der nicht kann, verlangen? — Nehmet es Euch, Ihr lieben Nachbarbrüder, doch endlich einmal recht ernstlich zu Herzen, und lasset Euere verderbliche Gleichgültigkeit fahren. Jedem Einzelnen in Euerer Mitte muß es ein Leichtes sein, das Uebel an seiner grellen Farbe zu erkennen; so strebet denn dahin, es mit sammt der festen Wurzeln zu vertilgen. Scheuet nur keine Kosten und einige Anstrengung. Euer gutes Bewußtsein wird später vollauf es Euch wieder erstatten und zwiefach lohnen. Vereinigt Euch, zu wirken für das Gesammtinteresse, so wie es immer in Israel gäng und gäbe war. O, welches hohe Gefühl muß es dann sein, wenn Jeder von Euch sich selbst froh zurufen wird können: nxens-tb ■>‘p .mwö , 'ru'a n-». Als einen Fortschritt der Zeit ist es aber anzusehen, daß auf Veranlassung des dortigen Präses der Repräsentanten, drei, seit vielen Jahren bestandenen rrnan nun in eine nirnnp man umgewandelt werden. Doch wäre es noch erfreulicher und ersprießlicher, wenn jedes Mitglied der Korporation zu dieser man gehörte und verpflichtet wäre, so daß ihre Verwaltung unmittelbar vom Korporations- Vorstände ausginge; schon der fatalen Rechte wegen, die in der Regel solch einer man ertheilt und eingeräumt werden, die aber in kommenden Zeiten Veranlassungen zu Zank und Streit abgeben, die den Geist des Separatismus in sich bergen, die ein Bethäuschen neben dem Korporationsbethaufe erstehen lassen, die beim kleinsten Vergehen gegen ihr Institut, Euch schon beim Leben das Begraben absprechen, oder Euern traurenden Waisen für dasselbe enormes Geld abpressen. Erwäget nur recht und mit Bedacht diese unangenehmen üblen Folgen, und lasset Euch vom Glanze der Neuheit nicht blenden und verleiten, wenn das Bedürfniß dersel-

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