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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-16 · Heft 16 (16.4.1842) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
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227 fett als ein sehr gutes und edles, in seinem wahren Lichte darzustellen. Denn wenn man in Betracht zieht, daß durch die Berufung Malbims nach Kempen diese Stelle erledigt wurde, daß eben dieser Rabbine. Malbim das orthodoxe Judenthum mit all seinem Guten und Schlechten, mit seinem Stolz und Eigendünkel, mit seiner Intoleranz und tiefer jüdischen Gelehrsamkeit repräsentirt, so wird es leicht begreiflich, wie schwierig cs jetzt sein muß, nur durch die Macht des Wortes, ohne einen grämlichen langen Bart und ohne Zobelmütze, ausgenommen zu werden. Gott sei Dank, wir haben nun den zweiten wissenschaftlich gebildeten Nabbinen in unserm Herzogthume. In Gnesen und Bromberg soll der Wunsch, ebenfalls einen solchen Nabbinen zu berufen, auch bald realisirt werden, und so werden wir durch das stille, bescheidene Wirken des Posner Oberlandesrabbinen, der zeither noch verkannt, und dessen Streben mißdeutet und mißbilligt wurde, der sich, aber nicht scheuet, dem Verdienste seine Krone aufzusetzen und der Gründlichkeit durch Ertheilung einer nrr-.iii r.-inr; die Bahn zur Wirksamkeit zu öffnen, in der nächsten Zukunft mit Rabbincn versehen werden, die eine radikale Heilung aller der durch den Rost der Zeit sich eingefressenen Nebel, mit zeitgemäßer Einsicht vornehmen, so daß selbst die Alten zur bessern Einsicht herangehcilt werden. Jedoch ist unsere eben geäußerte und auf die Zukunft sich gründende Freude-nicht eine ganz ungetrübte. Wir dürfen bloß einen prüfenden Blick in unsere Mutter-Gemeinde KrotoschL» — die Wreschner Gemeinde, so stark an Zahl sie auch jetzt ist, besteht fast ganz aus Krotoschincrn — zu werfen und, ach, wie betrübend, wie zerrüttet und traurig sieht es da aus. . Ungefähr vierzehn Jahre sind es, daß das dortige Bethaus ein Raub des Feuers wurde. Zwei Jahre nachher wurde der Neubau eines Bethauses, durch den festen Willen und das redliche Streben eines nun Verstorbenen, mit Eifer betrieben. Dieser thatige Mann starb, wie bemerkt, und die cllendicken Mauern dienen demselben noch heute als Monumente seines Willens. Der Zahn der Zeit nagt schon eilf lange Jahre an diesen Mauern, an diesem hauptloscn Gerippe, welche bald der Verwitterung anheimfallen müssen, wenn jedes einflußhabende Mitglied dieser Gemeine noch ferner 'seinen Weg allein wandelt, seinem Eigendünkel Folge leistet, oder sich gar vom Jndifferentismus beherrschen läßt. Wie gering dürfte die Anstrengung sein, wenn nur ein ernster Wille vorhanden wäre! Aber dieser Wille zielt dahin, daß Jeder seine im niedergebrannten Bethause gehabten Stellen mit dem Neubau wieder erlangen will, ohne ein Opfer zu bringen. Die Wenigen, die da wünschen, daß die Stellen selbst ein Eigenthum der Korporation bleiben sollen, werden verschrieen — und da sie die Minderzahl sind, zum Schweigen gebracht; und so werden die Winzer von der großen Anzahl Füchse, aus dem Weinberge ihres aufrichtigen Bestrebens verdrängt; auch muß durch die nun bestehenden zwölf Bethäuschcn ein wohlthuender Gemcinsinn ganz erkalten. Sollte man cs aber auch wol glauben daß in Krotoschiu ein Bethaus existirt, das den Namen (vielleicht Spottnamen) „Chassidim-Schule" führt? Gewiß die Einzige im ganzen preußischen Staate! Aber ihr Einfluß auf die dortige allgemeine Stimme ist fast die gefährlichste, weil die Inhaber dieser Schule sich in das Gewand der Frömmigkeit und Tugend hüllen, und so ihren schädlichen Einfluß auf die große Zahl der Befangenen, ausüben. Diese gefallen sich ganz besonders in ihrer Abgeschlossenheit, und salben sich täglich mit dem Balsam ihrer Afterfrömmigkeit, die ihrer Meinung nach, nur in Beten besteht, und so suchen sie ihre Absicht durch den Schleier des Obskurantismus zu verhüllen, der aber für Vernünftige und Helldenkcnde nur gar zu sehr durchsichtig ist. Ausnahmen bei den Inhabern dieser Schule finden allerdings statt. Einige Monate nach jenem Bethausbrande starb auch der damals in Krotoschin fungirende Rabbine Hirsch Cohn, gesegneten Andenkens, Sohn des letzten Hamburger Nabbinen Raphael Cohn. Mit dessen Absterben blieb und ist noch das dasige Nabbinat unbesetzt. Bis vor einigen Jahren war das Bedürfniß, diese wichtige Stelle besetzt zu wissen, nicht so sehr fühlbar. Einentheils, weil durch drei Dajanim dieses Amt mit Würde, wie noch in Liffa, und mit wahrem Religionseifer verwaltet wurde, deren Zahl sich aber bis auf ein besoldetes Individuum rcduzirt hat. Beiläufig gesagt: dieses Individuum soll nach mehrjährigen Mühen endlich das Privilegium unlängst erlangt haben, rrm-rs an die Straßenecken anbringen lassen zu können, und soll jetzt

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