Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1842)
- Date
- 1842-04-09
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
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2 denn jetzt kann ich wenigstens weinen. Wollte ich nun auf Ihre werthen Angriffe gegen mich, die freilich mir mehr schaden müssen, als die weinigen Ihnen, eingehen, so würde ich Sie zunächst auffordern, die ^gegründeten Motive" meiner Absetzung — eine solche bleibt es, wie wir bald sehen werden — anzugeben. Sie sagen selbst, daß ich ganz fcetfiO war, als ich ir&n 1838 nach Dessau kam. Ich wurde erst Ostern 1839 angestellt, lebte während dieser Zeit in Dessau, predigte, hielt Vorlesungen, bezog sogar einen Gehalt aus der Gemeindekaffe zu Dessau; mein Leben, mein Karakter, meine Bildung wurden gewiß streng bewacht: meine Frage würde sich also so stellen: Worin habe ich mich spater geändert? Welche Hoffnung gab ich, die ich nicht erfüllte? Zch würde Ihnen zweitens sagen — wenn es sich um meine Wenigkeit hier handelte, — daß ich allerdings abgesetzt wurde. Meine Herren! die öffentliche Meinung ist eine ganz andere Richterin, als so eine einzelne Gemeinde. Hier reicht man mit dem vornehm sein sollenden Ton, in den Sie sich einzuhüllen gewohnt sind, nicht weit. Hler wird vor Allem Gewissenhaftigkeit verlangt. Ich würde Sie also fragen, wie es denn kam, daß ich erst Ostern mein Amt antreten konnte, und Sie würden mir antworten müssen, es kam daher, weil ich Ihnen erklärt hatte, keine Stelle auf zwei Jahr annehmen zu können, und weil die Gemeinde zum zweitenmal bei der Regierung und immediat bei Sr. Durchlaucht dem Herzog eingekommen war, um meine definitive Anstellung zu bewirken, die Regierung dieses aber nicht zugab, aus dem Grunde — den sie freilich nicht offiziell aber privatim geltend machte — sie habe die Gemeinde bei der An- und Absetzung Lippschützens kennen gelernt, wisse, daß es die Gewohnheit der Gemeinde sei, heute Jemanden launenhaft nicht genug erheben zu können, um ihn morgen eben so launenhaft — wol nach Art einer gebildeten Gemeinde — in den Staub zu treten. Sie würden mir antworten müssen, daß ich mich nur unter der Bedingung entschloß, das Amt provisorisch zu übernehmen, daß die Aeltesten sich verbindlich machten, ohne mein Mitwirken, für die definitive Anstellung zu sorgen; Sie würden mir antworten müssen, daß ich Ihnen damals alle Folgen der provisorischen Anstellung voraussagte, daß ich es zur ausdrücklichen Bedingung machte, daß Sie nicht abermals die Fackel des Haffes und der Zwiespalt in die Gemeinde werfen und eine neue Befragung aller einzelnen Mitglieder der Gemeinde, ob sie für oder gegen meine fernere Anstellung wären, veranstalten dürften — das versprachen Sie, haben Sie Ihr Versprechen gehalten? Oder berichte ich hier auch ein Mahrchen? Lesen Sie nochmals meinen ersten Brief an die Aeltesten, er ist sogar bei der Regierung abschriftlich niedergelegt, lesen Sie meinen Kontrakt und lernen Sie einsehen, daß Ihre hochmüthigen Phrasen der öffentlichen Meinung keinen Sand in die Augen zu streuen vermögen. Ich würde Sie ferner fragen, wenn es sich um mich handelte, ob es „gerecht" war, nachdem ich Ihnen, wie gesagt, vorgestellt hatte, daß bei einer provisorischen Anstellung meine definitive unmöglich werde, daß ich aber unglücklich werden müsse, wenn keine fernere Anstellung erfolge, weil rch alsdann den Vortheil nicht hatte, den Lippschütz hatte, haß man glauben konnte, er sei nur des Mangels an wissenschaftlicher Bildung wegen nicht „weiter angenommen" worden, sondern von mir man Karaktermangel glauben müsse — wie sie dies ja selbst jetzt so darzustellen bemüht sind —; daß ich wohl jetzt, d. h. damals, wo ich meine Studien erst beendigt hatte, ohne Stelle bleiben könne, nicht aber, einmal Rabbiner gewesen, und dann nach so kurzer Zeit wieder abaesetzt, wieder eine zu erlangen hoffen dürfe; nachdem ich Ihnen ferner, diesem Allen ohngeachtet, später meine 'Entlassung freiwillig bot, um, wie es in dem desfallsigen Briefe heißt, der Gemeinde die Möglichkeit zu bieten, einen etwa begangenen Mißgriff wieder gut zu machen, nachdem ich Sie endlich dringend gebeten, die Entscheidung wenigstens drei Monate vor dem Ablaufe des Kontrakts herbcizuführen, war es gerecht, würde ich Sie fragen, daß Sie dennoch die Entscheidung bis auf den letzten Augenblick hinzuhalten wußten und mir hod meine Absetzung nochmals und zwar auf eine wirklich höhnische Weise instnuirten? Ich soll Ihnen damals, also nach meiner Absetzung, wahrscheinlich um mich zu rächen, die höchsten Beleidigungen geschrieben haben. Sehen Sie sich oas Datum unserer Correspondenz doch einmal an! Ich will Ihnen einen Vorschlag zur Güte thun. Ich übersende hiermit der Redaktion dieser Blätter alle Ihre an mich ergangenen Briefe und zwar im Original. Thun Sie dasselbe, vergessen Sie aber ja keinen einzigen. Ueberschicken Sie ihr meinen Brief vom März 1839, meinen Brief an die wohllöbliche Schutdirektion vom 23. Juni, an dieselbe vom 39. Juli 1839, meinen Brief an Sie vom 2(1 August, vom 20. November desselben Jahres, vom 20. Januar 1840, vom 20. Februar, vom. 9., 12. und 22. Juni, vom 26. und vom 27. Juli, vom 31. August, vom 7., 14, 19. September, vom 27. November 1840, vom 2. Februar 1841 und vom 5. April 1841. Daß Sie endlich ja die Privatbriefe nicht vergessen, die ich Herrn Daniel geschrieben habe. Eine wohllödliche Redaktion wird gewiß so gefällig sein, der Wahrheit ein Zeugniß auszustellen, und ich mache dieselbe im Voraus aufmerksam, auf Ihre Briefe vom 30. August und vom 13. September 1840. *) Ob es mährchenhaft ist, daß *) Es ist möglich, daß diese sogar ein Zeugniß über „Ihre soziale Bildung" abgeben. vr. H i r sch. Wir haben allerdings von Herrn Dr. S. Hirsch die ganze Correspondenz der Herren Aeltesten erhalten, sind, bereit, auch die des Herrn vr. Hirsch von diesen entgegenzunehmen, und werden nicht anstehen, ein unparteiisches Referat darüber abzugeben. Red a kt.