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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage;«« Allgemeinen Zeitung -es Ju-enthums No. 15 Offen es Sendschreiben a n die Herren Aeltesten zn Dessau. Von vr. Samuel Hirsch, Rabbiner. Eine wohklöbliche Redaktion dieses Blattes hat Ew. Wohlgeboren zwei Dinge erklärt: a) daß indem sie ihre Blatter zu einer Besprechung der Gemeindeverhältnisse Dessau's öffne, sie hiermit, weder eine Billigung, noch eine Mißbilligung Ihrer oder meiner Worte gesprochen haben wolle. Ich erlaube mir, Ihnen einen kurzen Kommentar jener Worte zu geben. Die Tendenz der allgemeinen Zeitung des Judenthums ist neben Anderem auch folgende: I) ein allgemeines Bild von den religiösen Zustanden aller jüdischen Gemeinden zu geben; 2) durch dieses Bild auf die einzelnen Gemeinden einzuwirken, das Gute zu fördern, das Nichtgute aber zu vernichten. Eine wohllöbliche Redaktion hat daher unparteiisch die neunte Nummer ihres Blattes meinem Angriffe auf Ihre Amtsführung geöffnet, sie hat ebenso unparteiisch Ihre Erwiderung ausgenommen, sie wird auch ferner nicht anstehen, ihre Spalten uns beiderseitig zu öffnen, vorausgesetzt, daß sie es nicht unter „Ihrer Würde halten^ mir weiter zu antworten*). Sie fragen selbstgefällig: „Wie wenig Stoff muß die Rache gesunden haben, wenn der Verfasser zu der lächerlichen Rüge schreiten muß, daß wir voy Unberufenen keine Trauung im Lande, ohne unsere Erlaubniß, gestatten wollend Wir kommen vielleicht auf diese Ihre Frage, meine Herren Aeltesten, zurück, und werden Ihnen auseinandersetzen, daß kein Ihnen günstiger Geist, Ihnen diese Frage in den Mund gelegt hat. Zunächst haben wir Wichtigeres zu verhanoeln, als die Bedeutung dieser Ihrer jüngsten Verordnung zu zergliedern. Die zweite Erklärung der Redaktion nun hat diese Ihre selbstgefällige Frage schon beantwortet. Wem ^wollen Sie einreden, daß niedrige Rache, mich auf das mir ungewohnte Gebiet der Tagesliteratur trieb, wenn ich die Redaktion bei Einsendung meines Artikels autorifirte, mich Ihnen zu nennen? Nur der Welt *) Da diese Polemik, obwol ihr auch ein Allgemeines emwohnt, doch nur auf lokalem Boden sich bewegt, fr) konnten wir dieselbe den Parteien nur in Beilagen zur AUg. Zeit, des Judenth. fortzusetzen überlassen. Derartige Beilagen gehen auf Kosten der Einsender uno die Redaktion ist nickt verantwortlich dafür. Redakr. gegenüber wollte ich unbekannt bleiben. Sie aber sollten mich kennen, so verfährt wol Rachsucht nicht. Ob ich übrigens wenig Stoff habe, mich zu rächen, wie Sie sich ausdrücken, wenn ich auf das, was in Dessau, seit dem Tode Ihres seligen Lehrers Wolfs, oder auch nur auf das, was wahrend meiner Amtsführung öffentlich geschah, — denn nur die öffentlichen Handlungen in der Gemeinde, nicht aber Privatverhältnisse werden von meiner Seite zur Sprache gebracht werden — zurückkommen will, diese Frage sei hier vorläufig gestellt; die Antwort kann nur unter einer Bedingung, die ich Ihnen bald nennen werde, unterbleiben. Ohne die Erfüllung dieser Bedingung werde ich allerdings die Antwort eben so öffentlich, als die Frage, geben. Ich werde schlicht und recht, nach Art eines ehrlichen, aber „ungebildeten" Mannes erzählen, das hat sich in diesem Jahre zugetragen, das in Jenem u. s. w. Ich werde Sie ausfordern, der Oeffentlichkeit einen Blick in Ihre Akten zu gönnen, ich werde Sie fragen, ob Sie, wie so „hochgebildete Herren" es sollten, für die höchsten Zeirintecessen des Judenthums gewirkt, oder welche Interessen und Motive Sie geleitet? es wird dieses vielleicht ein interessanter, vielleicht aber auch ein trauriger Beitrag zur Sittengeschichte abgeben. Sie nennen meinen ersten Aufsatz „die stumpfen Pfeile meines Witzes." Stumpf mögen meine Pfeile sein, doch ich bete aufrichtig zu Gott, daß sie nicht stumpf bleiben, sondern wirken, das was ich zur Ehre Gottes mit denselben wirken will; witzig sollten sie ganz und gar nicht sein. Es durchzuckte michbeim Schreiben jenes Aufsatzes ein füra rerlicher Schmerz und vor Schmerz! lachte ich, das ist das ganze Geheimniß. Denn sehen > Sie, ich kannte Sie; ich wußte, daß Sie es „unter 'Ihrer Würde halten" sich vor dcr Oeffentlichkeit : zu erklären, denn es war mir dieses oft genug gesagt! worden, daß Sie sich aus der öffentlichen Meij nung blutwenig machten; ich wußte ferner, daß; Sie überhaupt es „unter Ihrer Würde halten" j eine Erklärung Ihrer mehr als zweideutigen Handlungen; abzugeben; denn ich stellte einmal ein ganz besonnenes > Mitglied Ihres Kollegiums über eine gewisse Amtshand-! lung zu Rede, und er gab mir zur einzigen Antwort: „Wir können nicht bös handeln, wie wir es machen, so ist es gewiß recht." Freilich kennt das Judcnthum nicht einmal ein unfehlbares Kirchen- Oberhaupt, viel weniger unfehlbare Aeltesten. Sehen Sie, darüber lachte ich; es geschah vor Verzweiflung. Ich - danke Ihnen aufrichtig für Ihre Großmuth, daß Sie sich doch zu einer Antwort entschlossen haben,

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