Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1842)
- Date
- 1842-04-09
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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219 werden kann. Noch mehr Korporationen aber bilden, hieße nur die Entwickelung zurückhalten, denn die Korporationen würden einen Theil ihrer Kräfte gegeneinander verbrauchen, statt sie zusammen auf das rechte Ziel, die steigende Wohlfahrt des gemeinschaftlichen Vaterlandes zu richten. Es wäre eine Rückkehr zu Institutionen, die nicht mehr unserer Zeit angehören und eben weil nicht mehr zeitgemäß, untergegangen sind, die unlergehen mußten, als die bürgerliche Freiheit zum Bewußtsein kam und die Regierung erkannte, daß ihre Stütze nur im erstarkten Bürgerthum zu suchen sei. Eine solche Stütze wirst man aber zu keiner Zeit leichthin bei Seite und am allerwenigsten wird unser Gouvernement solchen Ideen nachgeben, die vielleicht irgendwo aus den besten Absichten ausgetaucht sein mögen, aber vor dem klaren Blick des Fürsten, wie vor der öffentlichen Meinung wieder verschwinden müssen." Breslau, 10. Marz. (Privatmitth.) Hier ist eine treffliche Broschüre über „die gegenwärtig beabsichtigte Umgestaltung der bürgerlichen Verhältniffe der Juden in Preußen" erschienen. Wir geben aus derselben keine Auszüge, weil sie in den Händen aller Betheiligten sein muß (Preis 5 Sgr.) Wir stellen hier nur die Hauptsätze her; es wird erwiesen: 1) daß die Voraussetzung, es gebe jetzt noch eine jüdische Nationalität der preußischen Juden, ungegründet ist; 2) daß die Voraussetzung, die jüdische Religion hindere ihre Bekenner am Militärdienste, ebenfalls ungegründet ist; 3) daß die historische Entwickelung des Judenthums durch das neue Gesetz nicht gefördert, sondern gestört wird; 4) daß die konsequente Durchführung dieses Gesetzes administrative Verwickelungen der ernstesten Art erzeugen, und dem Staatsganzen nicht bloß nachtheilig, sondern unter Umständen selbst gefährlich werden könntet Nur der Schluß des Schriftchens sei hier angeführt: „Der Nacht heil, den der Gesetzentwurf dem Staatsganzen bringen würde, liegt in dem Verluste von so vielen tausend bisher dem Staate in Liebe hingegebenen Bürgern, die zwar mit ihren materiellen Gütern dem Staate angehören, Ausgaben machen, Abgaben zahlen würden nach wie vor; aber die mit ihren geistigen und moralischen Kräften dem Staate verloren wären. Auch ist in einem Militärstaate, wie der preußische zu sein gezwungen ist, die Mannschaft von zweimalhunderttausend Seelen keinesweges etwas so ganz Unbedeutendes. Im Frieden kann der Staat allerdings des jüdischen Militärs entbehren — aber auch im Kriege? Wird der Staat in der Provinz Posen, bei der cigenthümlichen Beschaffenheit der dortigen Zustände, die waffenfähigen Männer von 77,000 Einwohnern jüdischen Glaubens, an deren ächt preußischer Gesinnung nicht gezweifelt werden kann, im Kriege unbenutzt am heimischen Heerde lassen? Im Falle der Noth aber die Vaterlandsliebe und die Tapferkeit von Männern anrufen, die man früher ohne Grund für Aerarier gehalten: das vertrüge sich mit der Ehre des preußischen Staates nicht. — Ferner: Hr. Geheimralh Strcckfuß hat einst über die vielen jüdischen Tagesschriftsteller geklagt, die überall sichtbar seien, wo eine Feder geführt wird. Es ist dies eine nicht abzuleugnende Thatsache. Die Zahl der jüdischen Schriftsteller war 1833 schon sehr bedeutend, sie ist jetzt noch viel bedeutender, und es wird, wenn die Juden länger von den Staatsämtern ausgeschlossen bleiben, zuverlässig die ganze öffentliche Presse in den Händen der Juden sich befinden. Hier liegt der Keim zu großer Gefahr für den Staat. Nicht weil Juden es sind, die die Presse leiten, sondern weil es vom Staate zurückgestoßene, an Ehre und Vaterland gekränkte Juden sind. Hier ist es, wo Heinrich Leo's bekanntes Wort, daß jdie Juden einen „ätzenden Verstand" besitzen, dem Staate eine wol zu beachtende Mahnung sein muß. Auf dem Gebiete der Wissenschaft ist dieser ätzende Verstand ein heilsames Agens; aber gewaltsam auf die Institutionen des Staates geworfen, frißt er um sich und kann seine edelsten Theile zerstören. Davor wolle Gott das Vaterland bewahren" Deutschland. Hannover, Ende März. (H. Cor.) Zur Ausgleichung der wiederum unerledigt gebliebenen Konferenz-Beschlüsse zu dem Juden-Gesetze ist eine verstärkte Konferenz von vierzehn Mitgliedern beider Kammern (die höchste Zahl, welche die Gerichts-