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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 wir noch, auch in politischer Beziehung, eine besondere Korporation und Nation, in Abrede zu stellen. Diesem Gedanken können wir in unsrem Innern gar keinen Raum gestatten. Das ist der beste Beweis, daß wir uns nur als Preußen betrachten und als solche alle unsre Kräfte, ja unser Leben, für das Wohl unsres preußischen Vaterlandes bereitwillig zu opfern im Stande sind. Dazu wurden wir Rheinländer seit einer Reihe von Jahren besonders durch die huldvollen und weisen Anordnungen der preußischen Gesetzgebung erzogen, dahin wurden wir und unsere Kinder in den Schulen unterrichtet, und dieses bewährten wir auch — wie uns alle Behörden bezeugen — bei jeder Gelegenheit. Unmöglich können wir daher diese Gesinnung entäußern und der Ansicht, als wollten wir einen Staat im Staate bilden, sind wir ganz entfremdet. „Nur in Beziehung auf unsere inneren Gcmeindeangelegenheiten — als kirchliche Gemeinschaft — wünschen wir, gleich den andern Konfessionen, eine korporative Verfassung derselben zu erlangen und zwar auf die Weise, daß hierdurch alle Israeliten von den reinen Wahrheiten der Religion begeistert und somit ihre Pflichten gegen König und Vaterland stets erkennen werden; denn dies lehrt uns unsre Religion, und jeder, der ihren Geist erfaßt, muß hiervon Zeugniß ablegen. Ja noch mehr, selbst in unfern Synagogen, in unsrem Gottesdienste nämlich, bilden wir keine, das Allgemeine ausschließende, Korporation. Unsere Gebete sind größtentheils allgemein abgefaßt, so wie ein besonderes Gebet für König und Vaterland stets mit der größten Andacht abgehalten wird. O wären alle die, die da uns für eine besondere Nation betrachten, während des Gebetes für König und Vaterland, auch in der unbedeutendsten Synagoge anwesend, oder hätten diese die innigen Gefühlsäußerungen und Wünsche in unsren Gotteshäusern am. Huldigungstage Ew. königl. Majestät vernommen, dann würden sie gewiß von dieser Meinung abkommen und sich überzeugen müssen, daß wir Israeliten nicht minder treue Preußen, als unsere christlichen Mitbrüder sind. „Ebenso können wir die Voraussetzung nicht gelten lassen, daß wir durch persönliche Theilnahme am Militärdienste uns in unsrem Gewissen verletzt fühlen; denn sowol unsere ältesten als neuesten Autoritäten, denen wir allein nur in Religionssachen gehorchen, haben uns von allen besondern Religionspflichten nicht nur gänzlich entbunden, so es gilt dem Vaterlande zu dienen, vielmehr legen sie jedem Israeliten die Pflicht auf, das Wohl desselben unter allen Umständen stets zu befördern. Hierüber herrscht, selbst bei den gläubigsten Israeliten, nicht mehr der geringste Zweifel, daher diese auch ihre Söhne, so es ihre Vermögensumstände nur gestatten — als Freiwillige dienen lassen. „Auch können wir das Erhalten unsrer Nationalität, durch Einthcilung der Individuen in Körperschaften, nicht als Zeichen der Humanität und Achtung unsrer alten ehrwürdigen Religion ansehen. Wir sind kein Alterthum von Holz und Stein, das da blos in seiner äußern Gestalt erhalten wird, vielmehr werden wir, wie alle Menschen als geistige Geschöpfe im Ebenbilde Gottes, zur allgemeinen Fortentwickelung und Vervollkommnung angctrieben. Niemals — so wir nicht von Außen gehemmt wurden — blieben wir stabil, und so nahmen wir auch in den verschiedensten Zeiten und Ländern an den jedesmaligen Zeit- und Ort-Verhältnissen Antheil. Diese korporative Absonderung muß uns daher, nicht nur als die empfindlichste Schmach, sondern auch als die größte Hemmung unsrer geifrigeii' Entwickelung erscheinen rc. rc." Aachen, 16. März. (Privatmitth.) Wir übersenden Ihnen heute die hiesige Zeitung vom 15. h., in welchem ein kräftiges Wort über unsre Angelegenheit gesprochen ist. Einiges aus demselben auch in die Allg. Zeit, des Judcnth. übergehen zu lassen, möchte wohl nicht unangemessen sein. — Es heißt daselbst: „Es handelt sich von einer Frage, die nicht bloß eine jüdische, sondern eine allgemein politische ist. Wäre es bloß eine jüdische, so könnte man sagen, was liegt an der geringen Anzahl, die von dem angeblich bevorstehenden Gesetze getroffen wird, obgleich eine Ungerechtigkeit gleich unmoralisch bleibt, sie treffe nur Einen oder Millionen. Denn ungerecht ist es, einer Partei, einer Gesellschaft eine Organisation, gegen die sie sich mit allen Kräften sträubt, aufdringcn, ihr Ehrgefühl mit materiellen Vortheilen abkaufen zu wollen." „Hier ist von mehr als den Juden, hier ist von einem Rechtsprinzipe, von einer weiter eingreifenden 15«

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