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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
Seite 216 (sequence 8)
Language
German
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216 sämmtlichen oberschlesischen Gemeinden, von den jüdischen Konsistorien zu Trier und Crefeld, von den Gemeinden zu Koblenz, Köln, Düsseldorf, Kleve und andern Ortschaften der Rheingegend, und alle diese Petitionen, wie verschieden an Umfang, innerm Gehalt und. religiöser Färbung sie auch sind, und wie wenig ihnen irgend ein vorangegangenes Einverständniß zum Grunde liegt, kommen doch allesammt in dem Wunsche überein, daß die Juden nicht als eine politisch gesonderte Unterthanenklasse mit besonder» Rechten und Pflichten begabt, sondern als Bürger des Staats in Rechten und Pflichten ihren christlichen Mitbrüdcrn gleichgestellt werden. Trier, 13. März. (Privatmitth.) Wir übersenden Ihnen die Trier'sche Zeitung von heute, worin die Hauptstücke der vom hiesigen Israel. Konsistorium Se. Majestät unserm allergnädigsten Könige unterthänigst vorgelegten Petition enthalten sind, nebst einem wackern Einleitungsartikel. Er lautet folgendermaßen: Das in so vielen öffentlichen Blättern und in dieser Zeitung verbreitete Gerücht, als sollten die Israeliten Preußens in der endlich bald zu erscheinenden neuen Regulirung ihrer politischen und religiösen Verhältnisse von der Militärpflichtigkeit entbunden werden, hat unter den Juden sämmtlicher preußischen Provinzen große Bestürzung erregt. Es sind daher von den meisten, nur etwas bedeutenden, israelitischen Gemeinden Bittschriften an Se. Majestät den König ergangen, welche alle einstimmig sich frei und offen dahin erklären, daß sie eine derartige Verfügung als die größte Schmach, Zurücksetzung und Hemmung ihrer geistigen Entwikkelung betrachten müssen. Auch von vielen Israeliten der Rheinprovinz — auf welche eine derartige Gesetz-Ausnahme doch in keinem Falle anwendbar, werden kann — ist ein Gleiches geschehen, weil die, dieser Ausnahme zu Grunde liegende Voraussetzung ihre bisherigen Aussichten aus Verbesserung ihrer Verhältnisse bis zur gänzlichen Emanzipation so ganz trübte. Diese Aussichten gründeten sich mit Recht auf die in der Rheinprovinz, auch in Betreff der Juden, noch geltenden, von den übrigen Provinzen verschiedenen, Rechte, die stets aufrecht zu halten bekanntlich bei Uebernahme dieser Provinz versprochen wurde; und so wurden auch die Israeliten, so oft sie um Aufhebung der sie ausschließenden und erniedrigenden Gesetze — wie des berüchtigten sogenannten Judendekrets, des Eides m«re judaico rc. rc. — auf eine baldige definitive Regulirung-verwiesen und vertröstet. Ein panischer Schreck befällt daher alle Israeliten Preußens, und es bleibt denselben nur noch der einzige Trost, daß sie nicht glauben, daß Se. Maj. unser allgerechter und allgeliebter König diesem Projekte allerhöchstihre Zustimmung ertheilen werden. Denn unmöglich können Allerhöchstdieselben die demselben zu Grunde liegende Ansicht, „als müsse man die besondere Nationalität der Juden auf ewige' Zeiten erhalten und daher dürfe man deren Amalgamirung mit den übrigen Einwohnern deö Staates nicht noch mehr befördern," gutheißen. Dieses stünde ja gewiß mit dem weisen und edlen Streben Friedrich Wilhelm IV., das Allerhöchstdieselben bei jedem Schritte kundgeben, allgemeine Wissenschaft und Bildung immer mehr und mehr zu verbreiten, — was doch einzig und allein nur durch Zusammenwirken aller Individuen im Staate und gesetzmäßige freie Entwickelung aller Kräfte ohne Unterschied erzielt werden kann — im höchsten Widerspruche. Dennoch wird eS kein Menschenfreund den armen Israeliten, die seit einer Reihe von Jahrtausenden so vielen Unbilden als Folge der Intoleranz auSgesrtzt waren, verdenken, wenn sie, noch in unserem aufgeklärten Jahrhunderte, auch bei dem leisesten Windhauche verzagen und Verkennung ihres Denkens und Handelns befürchten. Aus eben diesen Gefühlen entquollen auch die Hunderte von Bittschriften zu Folge des erwähnten Gerüchtes. Und was könnte auch in der Thal gründlicher beweisen, daß die Israeliten mit der größten Bereitwilligkeit ihre Bürgerpflichten allen übrigen voransetzen und in keinem Falle jene als Bürde betrachten, als der allgemeine zufällig übereinstimmende Erguß der Gefühle vieler tausenden Israeliten gegen die Entbindung von der Militärpflichtigkeit? — In diesem Sinne äußert sich auch die von den Israeliten im hiesigen Bezirke, von dem Herrn Oberrabbiner Kahn abgefaßten und am 9. dieses abgeschickte Vorstellungaus welcher folgende Hauptmomente hier mitgetheitt werden: „Unsere ganze Bildung und Erziehung und unser Gewissen fordern uns dringend auf, die in jenem Gerüchte vorherrschende Grundansicht, als bildeten

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