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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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zu ergreifen, die den Gottesdienst in Harmonie bringen Mit dem Willen des Allmächtigen, ausgesprochen in dem Gesetz und den Propheten? Wir wollen indeß annehmen, es sei, während Israel unter der Leitung' des gesetzlich konstituirten Sanhedrins lebte, die Pflicht jedes Juden gewesen, den Häuptern jenes Körpers in seiner Zeit unbedingten Gehorsam in allen praktischen Gegenständen zu leisten: allein dies Tribunal ist nicht mehr — fünfzehnhundert Jahre lang waren wir ohne ein sichtbares Oberhaupt, und daher besteht auch nicht ein Schatten von.Grund, die Autorität menschlicher Entscheidung, ausgesprochen durch Männer welche nicht „die Richter in unseren Tagen" sind, aufrecht zu erhalten. Die großen Grundlagen des Mosaischen Gesetzes sind freilich überall dieselben geblieben, doch seit jenen Tagen ist keine absolute Gleichförmigkeit der äußeren Observanzen in Israel erhalten worden. Trotz des Widerwillens, mit welchem man wohlthätige Verbesserungsmaßkegeln zurückstößt und vorgiebt, sie störten die Einheit in Israel, ist es doch eine bekannte Thatsache, daß die Verschiedenheit der Gebräuche eines Theils der Israeliten gegen den andern sogar in derselben Stadt, ganz bedeutend sind. Wichtige Abweichungen bestehen zwischen dem Ritus der Deutschen und der Portugiesischen Synagogen und noch größere zwischen diesen und der Synagoge von Avignon; dennoch hat die Einheit der Israelitischen Nation niemals durch diese Mannichfaltigkeit gelitten; obgleich es an böswilligen Plänen zu verschiedenen Orten und Zeiten nie gefehlt hat, um Zwietracht und vielleicht Schisma zwischen den verschiedenen Israelitischen Gemeinden wegen angeblicher Abweichungen von vorschristlichen Uebungen zu stiften. Die Vielweiberei z. B. ist jetzt in diesem Welttheil in den Augen der Juden ein eben so schweres Vergehen, als die in den zehn Geboten genannten Verbrechen; und dennoch verschmähen die Israeliten Syriens und Aegyprens die berühmte Entscheidung des Rabbenu Gerschom und seiner hundert Rabbi- , ner, ohne von den übrigen Israeliten je als schismatisch betrachtet worden zu sein. So wahr ist es, daß kein Gesetz in neuerer Zeit von irgend einer Autorität ausgehend, irgend eine bindende Kraft für die Israelitische Gesammthcit haben kann. Wir befinden uns daher an dem Scheidewege, entweder die Verbesserung des Gottesdienstes mit eigenen Händen zu bewirken, oder uns in der Fortdauer eines Zustandes zu beruhigen, in der der Verfall des Judenthums täglich näher rückt. Nicht also um unfern Glauben zu schwächen, nicht um sie zu verletzen, sondern um sie zu befestigen jene großen Prinzipien des Gesetzes, das unsere Vorfahren unter Zittern aus dem Donner des Sinai vernahmen — ist diese Synagoge begründet. Unser untrüglicher Führer war und wird sein das heilige Buch der Schrift; ausschließlich nach diesem haben wir gestrebt unsere Grundsätze zu ordnen. In Allem was öffentlichen Gottesdienst betrifft verlangen wir nichts zu verwerfen, das den Stempel des Alterthums trägt, wenn dieser Stempel acht und gemäß dem offenbarten Willen Gottes ist, und eben so wenig Anderes aufzugeben, bloß deshalb weil es neu ist, wenn nur die Neuheit der Maßregel mit dem Geiste der uns von dem Allmächtigen durch Moses gegebenen Religion übereinstimmt: einer Religion, deren Einrichtung allen unseren Schicksalen in allen Wechselfällen angemessen ist, ob politisch glorreich auf dem Throne Davids, oder politisch erdrückt in der Knechtschaft der Zerstreuung. Glücklicherweise erheben wir uns gegenwärtig aus dem Dunkel, in welches Verfolgungen von beispielloser Gewaltthätigkeit und Dauer uns versetzt hatten; unser häusliches, soziales und politisches Leben gewinnt einen Glanz, welcher beständig zunehmen wird. Soll denn, m. Br., das Leben in der Synagoge allein durch die Schlagschatten einer trüben, trüben Zeit verfinstert bleiben? Soll dieser geliebteste Theil unseres Gebäudes fortwährend mit dem Gewände der tiefsten Trauer und Verzweiflung verhängt bleiben, während jeder andere Theil unserm Auge mit den muntersten Farben geschmückt erscheint? Allzu lange hat das Uebel gewährt; allzu lange haben wir den beunruhigenden Fortschritt des fruchtvergiftenden Jndifferentismus, der die tiefsten Grund-. lagen unsers Glaubens untergräbt, zu beklagen gehabt. Wir konnten nicht länger unthätig bleiben, wir entschlossen uns, jede Rücksicht auf Mühe, Zeitverlust, Schwierigkeiten und selbst Schmach gegen die unumgängliche . Nothwendigkeit zu vergessen, diesen Bettempel, dessen Einweihung Gottes Gnade uns heute erleben läßt, zu errichten. Möge es un-

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