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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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213 dern ein gewaltiges Pflichtgefühl, ein tiefes durch nichts zu schwächendes Rechtsbewußtsein, eine Ueberzeugung, die Frucht langer, ruhiger und ernstlicher Ueberlegung ist, die uns zu den Maßregeln zwingen, die wir im Innern unserer Seele für das alleinige Mittel halten, unsere Brüder aus der Gleichgültigkeit gegen geistliche Gegenstände zu wecken, in die sie unglücklicherweise versunken sind, und so unsere Religion vor dem Makel des Unglaubens, nicht zu sagen der Apostasie, zu schützen, die Einbrüche bei uns zu machen angefangen haben. Hier muß eine offene Erklärung an diejenigen gerichtet werden, die, verleitet von den Einflüsterungen der Feinde aller Verbesserung, die Nützlichkeit der Abänderungen nicht nach deren Wohlthaten berechnen; sondern Verrath sehen in jedem Versuch das Ritual zu rcformiren und unsere gesammle religiöse Praxis auf eine gesunde und genügende Auslegung der Mosaischen Bücher zu begründen. „Verrath gegen die Tradition!" ist die Loosung, unter deren Einfluß die besten Israelitischen Herzen Jahre lang angefeindet worden sind von Männern, deren einziger Fehler nicht immer die übertriebene Anhänglichkeit an bestehende Einrichtungen war; und da auch wir kaum hoffen dürfen, daß unsere Anstrengungen für Jsrael's Wohl, das wir an eine Reform des Gottesdienstes geknüpft glauben, der Feindschaft derer entgehen wird, die sich aller und jeder Neuerung widersetzen, und da wir ferner mit Recht fürchten müssen, einer Gesinnung bezüchtigt zu werden, von der unser Herz fern ist, so will ich in klaren Worten unsere Ansicht über die Tradition, gewöhnlich das mündliche Gesetz genannt, und notorisch enthalten in der Mischna und in dem Talmud, darlegen. Die Feinde der Juden haben nie ermangelt, ihre Anklagen mit der Behauptung einzuleiten, die Juden betrachteten den Inhalt der Talmuds als ein Werk göttlicher Inspiration: eine Behauptung, die eben so eifrig von jedem Vertheidiger des jüdischen Systems geläugnet ward, als eine Bedingung, ohne welche die Vertheidigung des Judenkhums unmöglich war. Nun möge zwar keineswegs vorausgesetzt werden, daß ich od^r sonst ein Mitglied dieser Gemeinde, deren geringes Organ ich bin, die Absicht hege, auf irgend eine Weise den Charakter dieser traditionellen Erinnerungen herabzuwürdigen. Im Gegentheil, wir erkennen darin eine schätzbare Hülfe zur Erläuterung vieler Stellen der Schrift: wir sind stolz darauf als auf ein Denkmal des Eifers und der Geistesthätigkeit unserer Altvordern; wir fühlen uns verpflichtet, die Aussprüche der Männer zu ehren, welche, wir sind dessen überzeugt, ihr Leben willig würden geopfert haben für die Aufrechthaltung des Gesetzes, mit dem uns Gott begnadigt hat; aber nach unserer festesten Ueberzeugung müssen wir es feierlichst verneinen, daß der Glaube an die Göttlichkeit der in der Mischna und den beiden Talmuden enthaltenen Traditionen dem Israeliten von gleicher Verbindlichkeit mit dem Glauben an die Göttlichkeit des Mosaischen Gesetzes ist. Wir wissen, daß diese Bücher menschliche Abfassungen sind, und empfangen wir gleich ehrerbietig von unseren nachbiblischen Vorfahren Rath und Belehrung, so können wir ihre Gesetze doch nicht unbedingt annehmen. Für Israeliten gibt es blos ein unabänderliches Gesetz, das heilige Buch der Schrift, auf Befehl Gottes niedergeschrieben zur sichern Leitung seines Volkes bis an's Ende der Zeit. Ich habe schon bemerklich gemacht, daß bei der Abwehr vor äußerlichen Angriffen die Vertheidiger des Judenthums von jeher schon den Punkt aufgegebcn haben, den Talmud in seinem ganzen Inhalt als ein Werk von göttlichem Charakter zu betrachten. Ist dies nun als eine Wahrheit im Vertheidigungskampfe benutzt worden, wie kann dann die göttliche Autorität des Talmuds aufrecht erhalten werden, wenn es gilt rituelle Observanzen zu rechtfertigen, die dem Gebote Gottes widersprechen und eben so sehr dein Geiste und den Empfindungen unseres Zeitalters; an denen man jedoch mit einer Festigkeit, die einer schöneren Sache werth wäre, bloß deshalb sich anklammert, weil sie sich im Talmud befinden. Von allen Seiten wird angegeben, daß eine Modifikation unsers Gottesdienstes unumgänglich ist; aber sobald irgend eine wichtige Verbesserung vorgeschlagen wird, so machen wir die traurige Erfahrung, daß gegenwärtig keine Autorität kompetent ist in diesen Dingen für das ganze Haus Israel zu entscheiden. Dies nun zugegeben (da das Erlöschen des Rechts der Ordination die Berufung eines Sanhedrins unmöglich gemacht hat, dessen Autorität sich über alle Gemeinden erstreckte) entsteht da nicht die Folge, daß jede jüdische Gemeinheit ermächtigt ist, diejenigen Maßregeln

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