Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Seite 205 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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205 einen wesentlichen Einfluß gewinnen werde. Jnsonders ist es der in hoher Achtung stehende Herr vr. Kolischer, Advokat, auf's höchste um das israelit. Hospital verdient, von dem es zu wünschen war, daß er an die Spitze der Gemeinde trete. Durch ihn würde die Gemeinde mit dem Gedanken, Träger deutscher Tracht zu Vorstehern zu haben, ausgesöhnt worden sein. Aber als nun das löbl. k. k. Kreisamt den genannten, den Advokaten Herrn vr. Blumenfeld, den vr. west. Barach, die Herren Markus Dubs, I. Rosenstein und S. Rappaport zu provisorischen Vorstehern, aus Mangel an Wahlfähigen, eingesetzt, der vr. Kolischer aber, trotz vielen Aufforderungen, die Wahl ablehnte, und der Advokat, Herr vr. Menkes an die Stelle getreten, so kam das alte Vorurtheil wieder zum Vorschein. Mochten gerade darum diese Herren offen und mit Eifer die sehr daniederliegenden Verhältnisse der Gemeinde aufnehmen und aufrichten; möchten sie, vom Zetergeschrei des Fanatismus ungehindert, das wahre Interesse der Gemeinde beherzigen und mit Kraft durchführen! Vor Allem bedarf ihrer Aufhülfe die Talmud- Tora. Noch besteht diese, wie sie ein Korrespondent dieser Zeitung vor zwei Zähren gezeichnet, nur daß die Zimmer noch schwärzer, die Sessel zertrümmerter, die Tische wackliger geworden. Sollten nuir die Zöglinge von Akademieen es unterlassen, diese Anstalt umzuschaffen — wer soll es denn unternehmen? Soll den Söhnen unsres Glaubensbunbes ewig die Nahrung der Intelligenz vorenthalten bleiben? soll eine so zahlreiche Jugend noch immer auf Kosten der Gemeinde für jede frische Lebensspäre untauglich gemacht werden? Groß ist die Verantwortlichkeit derer, die da wissen, und doch nicht thun, - größer als derer, die nicht wissen! —. Die Wahl eines Nabbinen für Lemberg, ist aus 1846 verschoben worden. V. Rußland. St. Petersburg, 5. März. (H. C.) Bei einer vor Kurzem auf einem Edelhofe im Gouvernement Grodno entstandenen Feuersbrunst gaben der Jude Breisch und der Edelmann Milkowski bei eigener Lebensaufopserung ein seltenes Beispiel der Nächstenliebe. Das Haus des Amtmanns in Flammen gewahrend, eilten sie zu dessen Rettung herbei. Alle Eingänge zum Hause waren schon vom Feuer ergriffen, sie bahnten sich einen Eingang durch die Fenster. Nicht achtend auf die über sie fallenden Trümmer des brennenden Dachs, stürzten sie in die Wohngemächer, retten hier des Amtmanns Frau, seine beiden Töchter und Mehreres von seinen Effekten. Der Jude Breisch, mit einem baumwollenen Rocke bekleidet, erhielt mehrere tödtliche Brandwunden, an welchen er am folgenden Tage starb. Herr v. Milkowski wurde am Leben erhalten. Der Jude Breisch opferte hier sein Leben bei der Rettung fremder Glaubensgenossen. Se. Kaiserl. Majestät haben befohlen, seiner verwaiseten Familie 200 Silberrubel aus dem Reichsschatze auszuzahlen. Theologie. An die verehrt. Redaktion der Allgrm. Ieituug des Zlidenthnms. Die Schlußworte in meiner jüngst erschienenen Schrift: „Das neue Geberbuch und seine Verketzerung": „Und wenn das neue Gebetbuch kein anderes Verdienst hätte, als daß es „jene zwölfte sogenannte Segensformel gänz- „lich weggestrichen: so hätte es schon dieser gott- „gesälligen Negation wegen ein positives, sehr „großes Verdienst und sollte nun von allen „Rabbinen und Chachamim, von allen „Predigern und Volkslehrern in Israel „aufs innigste beachtet und sobald wie „möglich nachgeahmt werden. Amen/") Diese Schlußworte haben, wie man zu sagen pflegt, in vielen Gemüthern Feuer gefangen und Ansprache gefunden. Prediger und Schullehrer danken mir dafür, daß ich den Gegenstand angeregt und bitten mich, denselben zu verfolgen und nicht eher zu ruhen, bis, einstweilen mit den Gebeten am Sabbat und an den Werkeltagen eine 1) S. 23. 24. der genannten in Hamburg erschienenen Schrift. 14»