Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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204 ter denselben A. Cohn an der Spitze, brachten, selbst bedeutende Opfer nicht scheuend, das gute Werk zu Stande. Die Verfolgungen der Schule und aller derjenigen, die ihr vorstanden, von Seiten der hiesigen Scheinheiligen sind kaum herzuzählen, im Schul- Archive sind alle mit Belegen verzeichnet, und es ist gegenwärtig nicht der Zweck meines Schreibens, dieselben zur öffentlichen Kenntniß zu bringen', sondern nur dadurch auf die Festigkeit der Grundsätze eines Mannes hinzuweisen, der, selbst in spateren Zeiten, wo die Meisten, die ihm zur Seite gestanden, in's bessere Leben eingegangen, fast vereinzelt es dahin gebracht, daß eben diese Schule als Anerkennung ihrer vorzüglichen Leistungen, durch Se. k. k. apostolische Majestät Ferdinand I. zur k. israelit. Primär-Hauptschule im Jahre 1830 erhoben worden. Viele ihrer Zöglinge verfolgten eine ehrenvolle Laufbahn, und um unter Vielen Einen zu nennen, ist der Erzieher der Kinder Rothschild in Paris, der den Theologen evangel. Konfession in Wien eine Zeitlang Philologie öffentlich vortrug (ein in Oesterreich fast unerhörter Fall), auch nur durch jene frühzeitige Bildung, die er in selber Schule genoß, zu jener ehrenvollen Stelle gelangt, die er nun von aller Welt geachtet, bekleidet. — Das gute Bespiel dieser Lehranstalt fand bald Anerkennung und Nachahmung in den ersten Städten Ungarns, die israel. Hauptschule in Pesth, Arad, Szegedin, Kanisa u. a. m. wurden nach dem Muster gebildet, und selbst der Land-Rabbine in Nikolsburg ließ durch den für alles Gemeinnützige stets bereitwilligen A. Cohn, die früher vernachlässigte Talmud Tora-Schule nach derselben Form bilden. Nur hier in dem-Orte, wo er ursprünglich wirkte, waren'Vorurtheile der Alten noch lange Zeit wirksam, was er mühevoll aufgebaut, zu zerstören. Als jedoch alle ihre Bemühung der guten Sache nichts anhaben konnte, da trugen sie auf Verbesserung der hier schon längst bestehenden, aber in früheren Zeiten ganz darnieder liegenden'Normal-Talmud-Tora-Schule an; mit unsäglichen Kosten wurde der Plan vollführt, und während sie noch vor zwölf Jahren alles Deutsch-Lernen streng verpönten, wird nun in der Gemeinde-Schule eben so deutsch, wie in der Hauptschule vorgetragen. Als ein Kollege dem. A. Cohn vorstellte, daß alles dies nur um die Primär-Schule zu Grunde zu richten geschähe, antwortete er darauf: „Vo 'n irn 13a tpsm: Vs» denn es ist mir Eins ob hier oder dort unterrichtet werde, nur daß etwas geleistet werde, war mein Augenmerk." Dieser Mann, in Baiern zu Kleinbardorf geboren, starb im 55. Jahre seines Lebens nach einem kurzen Krankenlager. Als der Kreis-Rabbine von Burgpreppach, eine Trauung zu vollziehen, dahin gereist, wurde ihm der durch sein auffallendes Talent schon damals beliebte fünfjährige Knabe vorgestcllt, er erbat sich ihn von dessen Eltern, um ihn mit seinem Sohne erziehen und unterrichten zu lassen. Er wurde ihm überlassen, und im Hause dieses würdigen Mannes auf das sorgfältigste erzogen, wurde er, um seine talmudistischen Kenntnisse zu erweitern, an die theologische Schule nach Fürth geschickt. Obwol mit den besten Zeugnissen ein Rabbinat zu erlangen versehen, entsagte er dem Plane Theolog zu werden, und leistete als Kaufmann, Familienvater und Menschenfreund, was nur großen j und edlen Geistern möglich ist. Bei seinem Leichenbegängnisse zeigte sich die volle Theilnahme Aller die ihn kannten, die ehrende Auszeichnung der Mitglieder des vor Kurzem hier entstandenen Israel. Kasino verdient öffentliche Belobung, denn in einer Gemeinde, wo noch Vorurtheil und veraltete Mißbräuche am Ruder sitzen, verdient freies Auftreten und Anerkennung des Edlen doppelt belobet zu werden. — Der Ober-Rabbine, die Gemeinde-Vorsteher, der Vorstand der Primär-Hauptschule das Lehrpersonal, und die sämmtliche Schuljugend geleiteten seine entseelte Hülle zu Grabe. Friede seiner Asche! N. N. Von der russischen Gränze, 1. SJlhj. (Privatmitth.) Die jüdische Bevölkerung Lemberg's besteht größtentheils aus solchen, welche sich von der alten Nationaltracht nicht emanzipiren wollen. Die Wenigen, die davon eine Ausnahme machen, sind meist durch ihren Beruf dazu genöthigt. Weil diese nun weniger vom Pöbel belästigt werden, ist sehr oft der Hochmuthsteufel in sie gefahren, daß sie sich außerhalb aller Verbindung mit ihren Glaubensgenossen gesetzt, weshalb sie wiederum von der hiesigen Gemeinde als sehr laue Mitglieder angesehen wurden. Da nun aber jene Männer gerade die durch Stand und Wissen ausgezeichneten sind, so war keine Hoffnung, daß die Bildung auf das Borsteheramt