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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-02 · Heft 14 (2.4.1842) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 14 (2.4.1842)
Date
1842-04-02
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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203 München, 11. März. Durch einen Beschluß Sr. Majestät des Königs ist das Gesetz, welches die Bekenner des mosaischen Glaubens von allen richterlichen und Verwaltungsämtern ausschließt, auch auf das Justiz - und Verwaltungswesen des Militärs ausgedehnt worden, jedoch mit dem besonderen Bemerken, daß Israeliten fortwährend für jede andere Bedienstung vorgeschlagen und befördert werden können. Oesterreich. Töplitz, Ende Febr. (Privatmitth. Verspätet.) Am 21. d. verstarb hier der, auch vielen, unsre Heilquellen besuchenden Fremden bekannte, allverehrle Rabbi D. Kulb, in einem Alter von 75 Jahren, an den Folgen eines Schlagflusses, welcher ihn beim Frühgebete im Gotteshause traf. Die Trauer um diesen spwol als Gelehrter wie auch als Mensch rühmlichst bekannten und hochgeschätzten Mann ist tief und allgemein. Sein talmudischcs Wissen war gründlich und umfassend; und trotz den streng orthodoxen Prinzipien jener Zeit, der er eigentlich angehörte, wußte er doch durch humane Toleranz so manche religiöse Differenzen der Gegenwart schonend auszugleichen. — Unter seinen mannigfachen Tugenden verdient besonderer Erwähnung, daß der Verstorbene eine nie versiegbare Quelle des Trostes und der Hülfe für jeden Dürftigen war; wo seine Kräfte es zuließen, floß die Unterstützung aus. eigenen Mitteln, reichten diese aber nicht hin, so rief er seine Glaubensgenossen zur Theilnahme unermüdlich an, und so gelang es ihm fast immer, die Thränen der Leidenden zu trocknen. Seine wahrhafte Frömmigkeit gab sich vorzüglich bei den vielen Unfällen kund, die dessen Leben trübten. Er verlor seine Gattin, alle Kinder, seinen einzigen Enkel — den letzten Trost in seinem Alter — und alle diese harten Schläge ertrug er mit einer Hingebung in den Willen des Höchsten, welche Bewunderung verdienen. Sein Leichenbegängniß fand den 23. Februar statt. Um 2 Uhr versammelten sich die Mitglieder der neu errichteten Brüderschaft sammt allen jenen, welche der Beerdigung beizuwohnen gedachten, vorder Wohnung des Verblichenen, von wo aus die Leiche von 8 schwarz gekleideten jungen Männern in den Vorhof der Synagoge getragen wurde, während dessen der Vorbeter Herr N. Schießer hiezu geeignete Psalmen in hebräischer Sprache vortrug. Beim Gotteshause angelangt, hielt der verdienstvolle hiesige Rabbiner Herr D. Pick eine Rede (nson), worin die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen dargestellt wurden. Nach Beendigung dieser Rede wurde der Sarg auf den kürzlich von der jetzigen Brüderschaft neu angeschafften Todtenwagen gesetzt, und der Zug begann. Auf dem Gottesacker angelangt, hielt der Herr Rabbiner eine deutsche Rede, welche sowol die anwesenden Israeliten als auch die vielen hier versammelten Christen mit tiefer Rührung erfüllte, und die mit der löblichen Bemerkung schloß: daß ein Theil des Vermögens des ohne Testament Dahingeschiedenen (da sämmtliche Verwandte in guten Vermögensverhältnissen sich befinden,) einer wohlthätigen Stiftung gewidmet werde, um so den Namen dieses frommen Mannes auf eine würdige Weise der Nachwelt zu übertragen. Preßburg, 9. März. (Privatmitth.) Am 26. Februar erlitten wir Preßburger und ein jeder für das Bessere und den geistigen Fortschritt gut gesinnte Israelit einen höchst beklagenswerthen Verlust durch' das allzufrühe Hinscheiden eines unserer ehrenwcrthesten Männer allhier, des Herrn Alex. Cohn, Gründers und ersten Vorstehers der hiesigen k> israel. Primär-Hauptschule. — Ihre Zeitung ist das unparteiische Organ für das Interesse der Juden, ich zweifle nicht, Sie werden auch diese Zeilen, dem Andenken des edlen Dahingeschiedenen gewidmet, in Ihrem geschätzten Blatte Raum gönnen. Wer vor zwanzig Jahren die hiesigen Israeliten, ihre Gesinnung und ihre Angst vor jeder Neuerung, wenn deren Vortheile auch noch so einleuchtend, gekannt, wer da wußte wie nur Wenige unter ihnen richtig deutsch lesen und schreiben konnten, ja daß es für die Frommen und Bigotten ein Gräuel war, die Jugend auch mit deutschen Büchern und Wissenschaften beschäftiget zü sehen, der wird die Gründung einer deutschen israelitischen Schule, worin alle in Hauptschulen vorzutragenden Gegenstände, selbst Physik und höhere Geometrie nicht ausgeschlossen, mit besonderem Flejße und Erfolge gelehrt wurden, für jene Zeit als ein Riesenwerk und mit Recht anstaunen. Einige hochherzige, für jeden geistigen Fortschritt ihrer Mitbrüder beseelte Männer und un-

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