Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Seite 201 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Frage sein, ob Juden in der Armee avanciren sollen? Za, mögen Ew. Majestät hierüber beschließen, was Allerhöchstdieselben in Ihrer Weisheit zu beschließen geruhen wollen, in der Gnadenhand Ew. königl. Majestät liegen diese Bestimmungen ganz und gar — aber das schöne Recht, die edle Verpflichtung, dem Vaterlande als Soldat zu dienen, im Dienste seines Königs die Waffe zu tragen und zu gebrauchen, was haben diese gemein mit Rang und Würde? Diese Verpflichtung stehl unabhängig da als eine unbedingte natürliche, die von dem Begriffe Staatsgehöriger nicht getrennt werden kann, die mit! ihm ohne weitere Berücksichtigung geboren wird und in der er altert." Hierauf folgte in eben so dringenden wie submissen Ausdrücken das Gesuch selbst. Unter dem 14. März a. c. geruhten nun Sc. Majestät folgendes Kabinets-Schreiben, an die Aeltesten der Gemeinde zu Magdeburg gerichtet, zu erlassen: „Wenn die Aeltesten der jüdischen Gemeine zu Magdeburg in der Vorstellung vom 22. v. M. den Eintritt in den Militärdienst als ein den Juden zustehendes Recht in Anspruch nehmen, so eröffne Ich denselben, daß es niemals die Absicht gewesen ist, den Juden den freiwilligen Eintritt in den Militärdienst zu versagen, wodurch ihre Befugniß zur Theilnahme an den ehrenvollen Beruf der Landes-Vertheidigung jedenfalls unverschränkt bleiben wird. Was aber die Pflicht der Juden zum Militärdienst für die Zukunst betrifft, l so muß die Bestimmung darüber bis nach Beendigung der von Mir angeordneten Berathungcn über die Regulirung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden ausgesetzt bleiben. Berlin, den 14. März 1842. sgez.) Friedrich Wilhelm." Berlin, 18. März. (Privatmitth.) Dienstag den 15. März 1842 fand die öffentliche Prüfung der Zöglinge der jüdischen Gemeinde-Knabenschule ("rrabr Sfnn) Statt, wozu die hohen Behörden, so wie alle Gönner und Freunde der Anstalt durch ein Programm von Herrn Baruch Auerbach, dem Inspektor der Anstalt, eingeladen waren. In diesem Programm heißt es unter Anderm: „Wenn für die Leistungen einer Lehranstalt die Erfolge für das praktische Leben am besten Zeugniß geben, so dürste unsere Anstalt in dieser Beziehung allen gerechten Ansprüchen genügen." Um mich von der Wahrheit dieses etwas starken Wortes zu überzeugen, wohnte ich dieser Prüfung bei, obgleich Examina die geringsten Belege hierzu darbieten, sondern nur die Methoden der verschiedenen Lehrer anschaulich machen, da mir aber das geistige Wesen dieser Anstalt schon von früherhin bekannt und selbst die Außenseiten mir nicht entgangen sind, so bedurfte ich nur dieses äußeren Reizmittels mir das etwa! Vergessene wieder in's Gedächtniß zu rufen; und wahrlich es hatte sich nichts verändert, es stand Alles noch so da wie vor mehreren Jahren. Das botanksche Gärtchen ist inzwischen nicht größer geworden, die vielen Karten und Tabellen haben sich nicht verringert u. s. w. Aber auch im Geistigen hat man wenig Fortschritte gemacht, außer daß einer der Herren Aeltesten, ein gebildeter, in seinem Ehrenamte strenger Mann, eine nothwendige Veränderung im Unterrichte der deutschen Sprache machte, den er nämlich dem Inspektor Herrn Baruch Auerbach abnahm, und einem jungen, pädagogisch durchgebildeten Manne, dem Herrn Pick, gab. — Derselbe Prunk, derselbe Luxus war noch wie ehemals, und daS Zunzische Seminar sah mit recht hämischer Schadenfreude auf die daran grenzende Schulanstalt. Der Herr Inspektor Auerbach weiß noch eben so wenig seine Stelle' zu behaupten wie früher, er hat immer noch die Leidenschaft, selbst l beim Examen die Kanzel zu besteigen und es tempore zu predigen und zu beten und die Zuhörer zu langweilen. Er sieht immer noch nicht ein, daß zu einem tüchtigen Pädagogen mehr gehört als bloß mechanische Fertigkeit.— Man könnte fragen: Sollten denn die Herren Aeltesten, die ihrer Bildung und ihrem wohlwollenden Streben nach alle Hochachtung im weitesten Sinne des Wortes verdienen, sollten denn die nicht inne geworden sein, wie dieser Mann keine Anstalt aus pädagogischen Gründen zu leiten verstehe; wir können dies nur bejahend beantworten, sie wissen es allerdings, aber aus Menschenliebe und Dankbarkeit begehen sie die größten Versündigungen; er hat seine Verdienste sprechen sie, und die müssen wir anerkennen! Wir schätzen sie auch, meine hochzuverehrenden Herren, aber wir sind der Meinung, daß einem solchen Manne ein