Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Seite 200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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200 vorlegen zu müssen. Die Hauptsätze der Petition j waren, nach dem Eingänge, der das delikate Verhältniß der Petition aus der durch jene Kunde verursachten Beunruhigung der Israeliten motivirte, folgende: „Der §. 16. des königl. Edikts vom 11. März 1812, eines Edikts, dessen dreißigjähriges Jubiläum wir in wenigen Tagen mit wahrem Jubel feiern werden, eines Edikts, für welches jedes jüdische Herz dem höchstseligen Könige ewige Segnung über das Grab hinaus spricht, reihte uns in das preußische Heer ein, um in Krieg und Frieden, in Kampf und i Sieg uns als Bürger des edelsten Staates zu be- \ währen. Jede Modifikation dieser unserer Militär-! pflichtigkeit würde unsre Befähigung, dem Vater-! lande als treue'Glieder seines Verbandes zu dienen, \ als wesentliche Theilnehmer seiner Evolutionen das , Schicksal unsrer Mitbürger zu thrilen, beschränken,! würde der süßesten Befriedigung des Patrioten, als? wirksames Glied in die große Kette des Staates zu j gehören, in ihrem vollen Umfange uns berauben;! und so würde jede Modisizirung dieses 16. Para- - graphen den Geist des ganzen Gesetzes mehr als Et- . was zerstören. In jedem andern europäischen Staate! würde vielleicht eine Modisizirung der Militarpflichj tigkeit von geringerer Bedeutung sein: in Preußen! aber, wo Heer und Volk identisch sind, wo jedes j Landeskind ohne Unterschied zugleich als Soldat ge- ' boren wird — da muß jede ausschließliche Stellung! zum Heere auch eine ausschließliche Stellung zum! Volke, zum Vaterlande bedingen. Wir würden aufj hören vollständige Preußen zu sein, wenn wir aufj hörten vollständig zum Heere verpflichtet zu sein,! wir wären wieder die Ausgeschlossenen, die Getrenni ten, die nur bedingt dem Vaterlande Angehörenden,! wie wir es in so vielen traurigen Jahrhunderten gewesen. Manche aus den unteren Ständen würden uns wegen irgend einer Enthebung der Militärpflicht tigkeit beneiden, alle besscrgesinnten Preußen, und deren ist die Mehrzahl, würden in dieser Ausschließung eine neue, unwillkürliche Veranlassung uns zu verachten finden — welch' ein Loos, zwischen diesen beiden Empfindungen zu stehen! Alle erleuchteten Staatsmänner haben als den wirksamsten Hebel zur Bildung und moralischen Entwickelung der Juden erkannt das in ihnen geweckte und genährte Bewußtsein, dem Vaterlande nicht fremd zu sein, sondern ihm ganz anzugehöre». Nichts ist bildender, veredelnder, als das Gefühl einem großen, edeln Staate einverleibt, dem Zepter eines erhabenen und gnädigen Herrschers gleich jedem andern Bürger unterkhan zu sein. In diesem Bewußtsein, Preuße zu sein, ist die jetzige Generation der Juden erwachsen, in's Leben getreten, hat gerungen und auch errungen, dieses Bewußtsein hat seit Dezennien begonnen auch die untersten Volksklassen der Juden zu durchdringen, in ihnen Edleres anzufachen, ihnen höhere Bedürfnisse zu geben, sie zum Bessern zu führen. Wie nun aber irgend eine Ausschließung aus der Militärpflichtigkeit jeden gebildeten Juden in seinen theuersten Gefühlen verletzen, so würde sie ohnfchlbar in der noch zurückstehenden jüdischen Masse der schönen Entwicklung, der sie zustrebt und zureift, vielfach hemmend entgegentreten, und sie in's Stocken bringen, bei der Ungewißheit, bei dem Gefühl der Ausschließung, der separirten Stellung, das daraus entspränge, würde sie rathlos, ohne festes, sicheres Ziel dastehen. Hierzu kommt, daß auch materiell der Militärdienst ein wirksames Bildungsmittel zur Ordnung, Pünktlichkeit, Gesetzlichkeit, durch den Geist, der im preußischen Heere herrscht, ein Bildungsmittel zur richtigern und hohem Auffassung der Gesellschaftlichkeit und des wirklichen Lebens ist. Und dieses Bildungsmittel sollte gerade der Volksklaffe entzogen werden, die desselben, nach der Ansicht der Gegner, gerade am benvthigsten ist? — Unsere Religion, selbst die ältesten talmudischen Lehrer, machten es uns zur höchsten Verpflichtung, für den Staat, dem wir angehören, alle unsere Kräfte aufzuwenden. Sie gebietet uns ausdrücklich, nicht allein für dessen »und des Königs Wohl zu beten — und das Gebet ist ja der höchste Akt des menschlichen Geistes, die größte Thätigkeit seines wahrhaften innersten Seins — sie hebt auch ausdrücklich jede ceremonielle Vorschrift dem Landesgesetz gegenüber, auf. Und so vereinigt sich auch in uns das religiöse Bewußtsein, das den ganzen Menschen trägt, mit dem Patriotismus, und jede Veranlassung, die uns von der thätigen Bewährung des letztem ausschlöffe, würde auch den religiösen Menschen in uns verletzen, Niederdrücken. Von durchaus gar keinem Einflüsse kann aber auf die allgemeine Militärpflichtigkeit der Juden die