Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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199 kmrgeu, die der Geistliche im Wirklichen hervorruft, und von den Hindernissen, mit denen er zu kämpfen hat, in deren Bekämpfung er seine schönsten Kräfte aufzehrt. Um endlich auch noch Eines, und läge es Ln der niedrigsten Sphäre, zu erwähnen, denn die Wahrheit will ganz gesagt sein. Der Sachverständige weiß, wie schlecht die meisten Stellen bei den Gemeinden dotirt sind. Die ungeheure Mehrheit der Stellen nährt kaum, oder kümmerlich ihren Mann, noch dazu bei den Ansprüchen, ZU jetzt an den Stand des jüdischen Geistlichen gemacht werden. Dennoch glauben die Gemeinden das Recht zu haben, bei allen Gelegenheiten es den Geistlichen fühlbar zu machen, daß er in ihrem Solde sieht, daß er in seinem Lebensunterhalt von ihnen, abhängig ist. Ja, noch mehr, man beneidet ihn; man meint, der sitzt ruhig zu Hause, während wir hinausziehen, des Lebens Bedarf mit Anstrengung zu erwerben. Es wäre zu viel verlangt,! dergleichen zu widerlegen, und die Geistes- und Leibes- > Schweißtropfen aufzuzählen, die der Geistliche zu vergie- > ßen hat. Aber, was mehr sagen will, das hat auch nachrheiligen Einfluß auf seine Wirksamkeit. Man hält seine Ueberzeugung für bezahlt, gerade da, wo sie scharf und kräftig hervortritt, für bezahlt; und es ist ein neues Moment, um seinem Wirken anstatt die Herzen zu offnen — zu verschließen! Das berechnet Keiner, daß ein guter Kommis eben so gut, wo nicht besser besoldet wird, daß der Mann von Geistesgaben in jeder andern Sphäre wol noch bedeutend mehr Materielles vor sich bringen könnte: es bleibt dabei, er wird besoldet. Es ist mit dieser Darstellung nicht gesagt, daß es in allen Gemeinden so hergehe; Schreiber Dieses könnte dies um so weniger behaupten, da er selbst Gott sei Dank! in seiner neunjährigen Wirksamkeit bei seiner Gemeinde selten diese Erfahrungen zu machen Gelegenheit gehabt, wenn allerdings auch er nicht ganz frei davon blieb, was auch gar nicht zu verlangen sieht. Es ist auch damit nicht gesagt, daß in den nicht-jüdischen Gemeinden nicht sehnliches und wieder Anderes statt finde. Es ist endlich damit auch nicht gesagt, daß die jüdischen Geistlichen nicht oft selbst einen Theil der Schuld tragen, und anstatt Wasser, Oel in die Flamme gießen. Demungeachtet ist das Gemälde treu, und findet allzuviel Wirklichkeit und Erweis in vielen — bekannten und unbekannten Skandalen. Man wird aber mit vollem Rechte neben dieser Schilderung der obwaltenden Verhältnisse auch von uns eine Ansicht verlangen, wie dem Hebel abzuhelfen. Je dringender dies, ist, desto balder wollen wir auf diesen Gegenstand wieder zurückkommen. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 20. März. (Magd. Zeit.) Wie man aus sicherer Quelle vernimmt, ist der hiesigen jüdischen Gemeinde die Anzeige gemacht worden, daß dem Staatsrathe ein neues Gesetz über ihre Angelegenheiten vorgelegt werden solle, und zwar sollen in demselben, wenigstens der An- und Absicht desjenigen nach, der den Vorschlag gemacht hat, wesentliche Erweiterungen der Rechte der Juden enthalten sein. Magdeburg, 21. März. (Privatmitth.) Bei dem allgemein verbreiteten Gerüchte, daß durch ein neues Gesetz die Israeliten in Preußen der Militärpflichtigkcit enthoben werden sollen, im vollen Bewußtsein der großen Scheidung, welche dadurch von den wahren Interessen des preußischen Volkes für die Israeliten bewirkt würde, sah sich eine große Anzahl der preußischen Gemeinden veranlaßt, eine unterthänigste Petition um Belassung in der vollständigen Militärpflichtigkeit bei Sr. Majestät einzureichcn. Diese Petition, vom Redakteur dieser Zeitung abgefaßt, ging aus von folgenden Gemeinden: Magdeburg, sämmtlichen Gemeinden des Herzogthums Westfalen und der Grafschaft Mark, sämmtlichen Gemeinden des israelitischen Konsistoriums zu Trier, Aachen, Minden, Neukirchen, Bielefeld, Elberfeld, Halle, Nordhausen, Halberstadt, Quedlinburg, Erfurt, Bleicherode, Potsdam, Beelitz, Treuenbritzen, Burg, Salzwedel, Klötze, Stendal, Ostcrburg, Gardelegen, Gommern, Barbp, Schönebeck, Havelbcrg, Prenzlau, Wittstock, Schwedt, Stettin, Cöslin, Colberg, Pasewalk, Stolp, Anclam, Zülz, Ratibor, Sprottau, Graudenz, Rathenow. Allerdings kamen in den nächsten Tagen nach Absendung der Petition noch von eben so vielen Gemeinden die Anträge um Theilnahme an dieser Petition cm, allein man hatte geglaubt, so schleunigst wie möglich die Wünsche und Gesinnungen der jüdischen Unterthanen Sr. Majestät unserm gnädigen Monarchen