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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-02 · Heft 14 (2.4.1842) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 14 (2.4.1842)
Date
1842-04-02
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 sammenschaart, bei alter Hoheit, mit der er über diese Kleinlichkeiten und Erbärmlichkeiten hinwegzusehen sich bemüht, bei allem Vergessen, das er der Vergangenheit zu widmen sich anstrengt — das Verhältnis; ist getrübt, ist nicht rein, die verlorene innere Achtung vor einem großen Theile seiner Gemeinde ist nicht wieder zu gewinnen, und damit ist die heilige Weihe, die auf ihm ruhen soll Ln seinen Amtsverrichtungen, schon sehr gestört. Bei den vielen Streitigkeiten, welche die Wahl verursachte, sieht man sich meist veranlaßt, die Anstellung nur eine provisorische sein zu lassen. Dies heißt aber nichts anders, als die Zwistigkeiten, die Reibungen, die Jntriguen immer wieder verlängern. Ward die Einsetzung durchgesetzt, so ist doch die Absetzung Ln Aussicht gestellt. Nun geht es erst recht an die Treibjagd. Jedes Wort, jeder Schritt des Geistlichen wird bewacht, besprochen, beurtheilt, übertrieben. Man sucht die Zahl seiner Freunde, von der andern Seite seiner Feinde zu vermehren. Nun ist es aber viel weniger natürlich, daß die Begeistrung sich steigert, als der Haß. Einen Feind zu entwaffnen und zur Liebe zu bringen, ist sehr schwer, aber einen An- 'bänger zu verlieren, ist sehr leicht. Die geringste, vielleicht ganz unbewußte Veranlassung genügt. Fragen wir unter solchen Verhältnissen nach der Wirksamkeit des Geistlichen: so wird jeder Vernünftige diese Frage höchst überflüssig finden. Er hat ja nur Stein und Kieset vor sich, und diffen sollte er mit der zweideutigen Macht des Wortes öffnen, erweichen können? Dabei muß die Ungewißheit seiner Stellung ihn aller Kraft berauben. Soll er listig wie die Schlange sich durchwinden? Es widerstrebt seinem Charakter, und früher oder später trifft ihn dafür Verachtung. Soll er entschieden, kräftig auftreten? Seine eigenen Anhänger werden bald sagen: das hätten Sie nicht thun, sagen sollen, damit hätten Sie warten sollen, bis Sie definitiv angestellt sind. Was soll er also thun? Nichts. Dann wird er bald die Anschuldigung hören: nun, was nützt, was fruchtet er? Habt ihr doch so viel versprochen, was er leisten wird, und wie alles anders werden soll, was thut er? Kurz, die Sache schleppt sich hin, und ist die Zeit des Provisoriums zu Ende, so steht er entweder auch von seinen früheren Anhängern verlassen, mit einem kleinen Häuflein Getreuer da, und er wird abgesetzt. Oder die Schlacht beginnt von Neuem, und hat wieder ein Provisorium zum Resultat. Zeit, Kraft, Bemühung gehen verloren. Du, unglücklicher Geistlicher, und Du, unglückliche Gemeinde! Aber letztere weiß Nichts von ihrem Unglück, fühlt es nicht — jener aber empfindet es in seiner ganzen Tiefe: dies ist der Unterschied. Wir könnten dieses Gemälde noch sehr ausführen. Allein Jeder kennt es schon, ich spreche nur Worte, welche einem Jeden auf der Zunge liegen. Das Traurigste ist, daß eS sich hier um Religiöses handelt. Person und Sache werden nicht geschieden, und mit dem Geistlichen geräth auch die Religion immermehr in Verachtung, da die Einzigen, an denen sie sich aufrichten, von denen sie einen persönlichen Glanz erhalten könnte,, so tief sinken, in der Gewalt ihres persönlichen Ansehns so sehr geschwächt werden. Hierzu kömmt nun die Unzuverlässigkeit der Gemein, den über die Macht, die sie dem Geistlichen einräumen sollen, und deren Gränzen. Es ist da eine Autorität vorhanden, die sehr eifersüchtig ist, die der Gemeindevorsteher. Was darf dem Geistlichen zugestanden werden? soll er über Etwas, entscheiden können? Am liebsten über Nichts, höchstens über die kleinen Küchenfragen. Und dennoch wird man am Ende Alles ihm in die Schuhe schieben. Bleibt der Gottesdienst ungeordnet — warum greift der Geistliche nicht an? Auswärts wird man ihn gewiß deshalb beschuldigen. Ist Synagogen - und Schulwesen in Verfall — warum bessert und hebt er es nicht? Und doch kann er sich zusammenpredigen, man hört nicht auf ihn. Es gefällt, und man vergißt es wieder. Macht er einen Antrag, man läßt ihn liegen. Ist dies denn immer der Fall? Nicht immer,.aber meist. Hierzu kömmt nämlich noch ferner, daß die Gemeinden in noch unklarem Bewußtsein liegen. Eins gegen Hundert: der orthodoxe Geistliche hat keine Achtung, der reformistische kein Vertrauen, die Männer der Mitte Beides rrkcht. Dies geht rnsonders auf die wirkliche Erscheinung des Geistlichen. Sein Thun und Handeln soll ceremoniett-fromm sein. Dies verlangen alle Parteien. Gut; macht er aber nun die Grundsätze dieser ceremoniellen Frömmigkeit geltend, dann sind ihm sehr Viele aufsässig. Er sott also in seinem Thun fromm, Ly seinen Ansichten tolerant, in seinen Aussprüchen lax sein. Welche Monstrosität!! — — Man -sage mir nicht, der Geistliche muß sich nicht daran kehren, muß so erscheinen und so sprechen, wie es ihm eine gewissenhaft errungene Ueberzeugung giebt. Das weiß ich auch, und mache es dem jüdischen Geistlichen zur Richtschnur, weil nur dadurch die Gemeinden mit der Zeit zur Sicherheit kommen können, und aus Jmworalität nichts Moralisches entspringen kann. Aber ich rede hier ja nur von den Wir-

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