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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-26 · Heft 13 (26.3.1842) · p. Seite 193

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 13 (26.3.1842)
Date
1842-03-26
Page
Seite 193 (sequence 17)
Language
German
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LS3 eine außerordentliche Neugier über das Schicksal der zehn verlorenen Stämme Israels. Diese Neugier hat bereits so viele Untersuchungen veranlaßt, daß man daraus eine kleine Literatur bilden könnte. Sic William Jones identisi'zirte diese verlorenen Juden mit den Afghanen, Buchanan mit den weißen und schwarzen Juden in Cochin, Bruce wollte sie in Abyfsinien entdecken, Andere sogar in Amerika, wo die Juden sich in rothhautige Indianer verwandelt haben sollten u. s. w. Die beiden erwähnten Schriften sind von zwei Reisenden veranlaßt, wovon der eine die verlorenen Juden in den Gebirgsgegenden am kaspischen Meere, der andere auf der türkisch-persischen Gränze aufsuchte (Hie Remnant Found or Israel’s Hiding Place Discovered bv ihe Rev. Jacob Samuel. The Nestorians or the Lost Tribes bv Asakel Grant.) (A. A. Z.) Paris. Herr Casalis hat Etudes sur la langue Sechuana herausgegeben. Die Setschuana- Sprache, bis auf die neueste Zeit ganz unbekannt, ist zunächst das Eigenthum eines zahlreichen Volkes in Süd-Afrika, der Betschuana's, wird aber noch viel weiter nördlich, vielleicht bis gegen den zehenten Grad südl. Breite hin, gesprochen. — Sehr überrascht hat uns die auch von Herrn Casalis bemerkte ungemeine Uebereinstimmung gewisser Wörter mit gleichbedeutenden Semitischen, besonders Hebräischen, z. B. tse]»i Antilope Gazelle, später Hirsch;) amaniti Wahrheit (Hebr. den. In diesem Worte ist aber der dritte Radikal d verloren, und das Setschuana-Wort hatte demnach sogar einen primitiveren Charakter! vgl. ‘jftN;) bana Kinder (troä, ^2;) kolu Stimme (Vip;) raoclio Mark (ritt;) romo Lanze (Nn->;) rora verfluchen (^i^) ff. Die meisten Wörter dieser Art könnten freilich auch von ^den Arabern erborgt sein; es ist gar nicht unwahrscheinlich,' daß Etwas aus der Muttersprache eines so tief im Innern und so weit an der Ostküste des Welttheils vorgedrungenen Volkes bis nach dem äußersten Südende sich verloren haben sollte, aber Begriffe, wie Kinder, Stimme und (in Süd- Afrika) selbst Antilope, bedürfen nicht erst einer ausländischen Bezeichnung. — Analog den Semitischen und noch mehr den Tatarischen und Finnischen Sprachen ist der Ausdruck von allerlei Bestimmungen am Verbum, die den Gebrauch einiger Hülfsverba, Adverbia und Pronomina ersparen, z. B. boka binden; bofoa gebunden werden; ipoka sich selbst binden; bolisa binden lassen; ipofisa sich binden lasten; bofana einander binden; boiisisa sehr stark binden. — (M. f. L. d. A.) Gespräche. (Fortsetzung.) Ihre Worte, begann ich nach einer Pause, Ihre Worte, mein Fräulein, können den Eindruck auf das religiös gestimmte Gemüth nicht verfehlen, um so mehr, da sie der Wahrheit voll sind. Allein, wenn Ihre Schilderung wahr ist, so kann ich doch nicht gleicherweise Ihren Schluß für richtig annehmen. Was hat die Irreligiosität mit der Emanzipation, mit der Gleichberechtigung zu thun? Gar Nichts. Ich kann Ihnen den Gegenbeweis sehr bald führen. Im Elsaß, in Holland, in England sind die Juden sbi't langer Zeit emanzipirt, (wenn auch in England noch ein Weniges fehlt,) und man ist dort noch so orthodox wie vor einem Jahrhundert. Andrerseits haben Sie Länder, wo der Jude noch den ganzen mittelalterlichen Druck trägt, und dennoch über die Ansprüche seines Glaubens an ihn sich vielfach hinwegsetzt. Nein! die Gleichstellung an sich kann es nicht sein, mein Fräulein, es wäre das das größte Unglück, wenn Judenthum und Gleichstellung zwei sich negirende, sich aufhcbcnde Dinge wären, denn es könnte für eine Religion kein schlimmeres Zeugniß abgegeben werden, als daß nur der unterdrückte Mensch in ihr verharre. Nein! es ist die ganze Zeit, der Geist unsres Jahrhunderts, welcher dem kirchlichen Wesen entfremdet. Lesen Sie nur die öffentlichen Blätter, auf jeder Seite finden Sie die gegenwärtigen Bemühungen der kirchlichen Parteien ausgesprochen, welche alle Kräfte anspannen, und das ist der beste Beweis, daß ecclesia in angusto. Je mehr nun aber die Juden an der Zeit und ihren Tendenzen Theil nehmen, desto mehr werden auch sie von ihnen beherrscht werden. Es ist dies aber nicht das Produkt der Emanzipation, im Gegentheil die lEmanzipation ist vielmehr Produkt jener, seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts immer anwachsenden Theilnahme der Juden am Allgemeinen. Mein Fräulein, wollen Sie meine Ansicht hierüber wissen, und die Ursachen kennen, die nach meinem Dafürhalten unsre Glaubensgenossen den Observanzen ihres Glaubens immer mehr entziehen? Es ist erstens und vor Allem die Industrie! Die Gewerbthätigkeit, wie sie das Jahr- 13"

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