Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1842)
- Date
- 1842-03-26
- Page
- Seite 192 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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192 mehr anerkennen, daß sie alle denselben Ursprung haben, und das aufklärende Auge Gottes die Bahn aller gleichmäßig beleuchtet. (Fr. Merk.) Preuße«. Königsberg, 8. März. (Privatmitth.) Eine allgemeine Trauer verbreitete am Morgen des 5. März c. die Kunde von dem in der vorhergegangenen Nacht plötzlich im kräftigsten Lebensalter und inmitten seines segensreichen Wirkens am Lungenschlage erfolgten Ableben des als Mensch wie als Arzt ausgezeichneten, besonders um das Armenwesen in unsrer Gemeinde hochverdienten Mannes des Dr. Louis Jacobson. Unsre Gemeinde betrauert in ihm den Verlust eines ihrer edelsten und geachtetesten Mitglieder. Derselbe hat nicht nur seit einer Reihe von Jahren im Verein mit seiner gleich edlen Gattin das hiesige Armenwesen mit ausgezeichnet thätigem Eifer und völliger Hingebung geleitet und Tausenden fortwährend Rath und Trost und Hülfe gespendet; nicht nur als Arzt der hiesigen Jsr. Krankenanstalt uneigennützig jedem Leidenden Hilfe und Pflege verschafft; er war auch der Stifter und Begründer der hiesigen Israel. Vereins - (Armen) Schule, die er als Vorsteher derselben mit musterhafter Sorgfalt verwaltet, so wie er für tüchtige Leistungen in derselben gesorgt hat. Durch diese Stiftung hat er die ganze hiesige arme Jugend der gewissen Verwahrlosung entrissen, und sie der Menschheit und dem Jsraelitenthume zugeführt. Außer den für das bürgerliche Leben nöthigen und nützlichen Kenntnissen wird hier auch hebräische Sprache gelehrt, tüchtige Bibel - und Religionskenntniß, so wie religiös-sittliche Gesinnung erstrebt. So außerordentlich dje Bestürzung war, die die Kunde von dem Tode dieses bei seiner überaus ausgebreiteten Praxis allgemein hochgeachteten Mannes unter der israelitischen und christlichen Bevölkerung hervorgebracht, so tief und wahr war die Theilnahme, die sich bei seinem heute stattgefundenen Leichenbegängnisse kund gab. Vor dem Leichenwagen her ging, von den Lehrern begleitet, ein Zug der sämmtlichen Schüler und Schülerinnen der Vereinsschule, die in ihm ihren thätigsten Beschützer und Wohlthäter verloren; zahlreiches Gefolge, dem außer Mitgliedern des Gemeinde-Vorstandes, der Beerdigungszunst der wohlthätigen Gesellschaft und den achtbarsten Gemeindemitglieder», sich auch viele christliche Notabeln und Verehrer dts Hingeschiedenen angeschlossen, schloß sich dem Sarge an, der bei tief ergreifendem Grabgesang des Kantors mit dem Chor zu dem Grabe hingetragen und eben so in dasselbe gesenkt wurde. Alles verließ von tiefer Wehmuth und Trauer bewegt den Friedhof. Segen seinem Andenken und Frieden seiner Asche! Dr. S. Falkenheim. Berlin; 10. März. (Privatmitth.) Der Kulturverein hat seine Generalversammlung gehalten; ein Mahl hat eine ziemliche Anzahl der Mitglieder vereinigt, die Stimmung war im Ganzen heiter, doch ist die Wirksamkeit des Vereins noch zu klein, , um viel davon zu sprechen.. Toaste kamen einige vor, die glücklich improvisirt waren. Joseph Lehmann sagte: wennunter Kultur Gesittung, aus Gotteserkenntniß entspringend, verstanden werden kann, dann ist das Judenthum der älteste Kulturverein, und mit einigen Seitenblicken, in denen er sich aber selbst gewaltsam unterbrach, brachte er dem alten Kulturverein im neuen ein Hoch. Hätte ich die Gabe der Rede, ich hätte einen Toast auf den — Untergang des Vereins ausgebracht, den Untergang dadurch, daß er überflüssig werde, ' daß der Staat Kunst und Wissenschaft auch im Juden fördert, ein Fall, der ein Statut des Vereins bereits besprochen, und von welchem seine Auflösung bedingt ist. Welche Hoffnung haben wir, daß der Kulturverein sich auflöse? Ich weiß es nicht; kann Ihnen aber aus sicherer Quelle sagen, daß Alles, was im Publikum verlautet, grundlos ist. Der Entwürfe liege» viele vor; keiner aber aus so beschränktem Geiste, wie man hier und da vernimmt. Also getrost auf die Zukunft geblickt! —n. Literarische Nachrichten. London. Eine Grille der Engländer hat zwei Reisebeschreibungen veranlaßt, welche hinsichtlich des Hauptzweckes zwar unbedeutend, jedoch wegen der nebenbei gewonnenen Resultate nicht unwichtig sind. Bekanntlich hegen die Engländer wegen ihrer besonderm Theilnahme an allem, was irgendwie mit der Bibel zusammenhangt,