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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-26 · Heft 13 (26.3.1842) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 13 (26.3.1842)
Date
1842-03-26
Page
Seite 188 (sequence 12)
Language
German
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genauer zukommen, da ich sie nur aus mündlichen Mittheilungen, die ich in einzelnen Theilen nicht einmal verbürge, anzugeben vermag. Nur so viel weiß ich, daß das achte Weltwunder aus Sammut in einer Sitzung der Gemeinde, die Df. Lilienthal veranlaßt,:, einen glücklichen Augenblick erspäht zu haben glaubte, um einen Bolzen gegen ihn loszuschießen, allein als ihm dieser trocken sagte, er solle sich jetzt entfernen, da er nicht Gemeindemitglied sei, ferner hinzufügte, daß er ihn in Sammut in derselben Angelegenheit zu sprechen hoffe, drückte sich das achte Weltwunder den Sbodek (die hohe Pelzmütze) tief bis über die Ohren, und machte sich auf und davon nach Sammut, um Lilienthal daselbst zu erwarten. Lilienthal dagegen hat Wilna nicht eher verlassen, als bis ein Fonds (wenn ich nicht irre) 66ll9 Rubel Banko für eine Schule mit deutschen Lehrern gegründet war, und als er Wilna verließ, war größtentheils die Achtung bis zur Begeisterung gestiegen. Ich gehöre nicht zu den Leichtgläubigen, theile also die Hoffnungen nicht, die der gehegt, der mir die Fakta erzählte; ich weiß wol, daß ein unerwartetes Unglück in der Gemeinde die Idee von einem «vn, der in der geschehen sein muß, aufwekken und die ganze Katastrophe zu dem «vn machen kann, weiß, daß der Zelotismus vorerst noch nicht halb erstickt ist; aber doch hat es mich erhoben, in Hoffnungen für die Zukunft bestärkt, und Lilienthal's Andenken in mir verklärt. Ich habe nicht geglaubt, einen so langen Bericht darüber Ihnen zukommen zu lasien, doch fühle ich, die Hauptsache noch nicht gesagt zu haben; es betrifft die jungen Pädagogen, die sich zur großen Mission nach Rußland zu gehen entschließen. Was sie an Arbeit erwartet, wissen wol alle, was sie zu bekämpfen haben viele, was sie zu ,erkämpfen haben, gewiß Wenige. .Ich meine jene Achtung, die man selbst dem zollt, dem man nicht beistimmt, die Achtung, die man unwillkürlich zollt. Diejenigen täuschen sich, wenn sie glauben durch Frohnen der Sitten, der Ceremonie'n sich in Achtung zu setzen; das steht fest, und wenn ein Deutscher dort gar nicht aufhören würde die nnrv zu küssen, würde er doch nur so lange in Achtung stehen, als er überhaupt gut und brav handelt und sein Märtyrerthum mit Milde und Liebe trägt. Die Achtung, die ich meine, enspringt in der Bewunderung und endet in der Begeisterung, und nach dieser muß der Deutsche dort streben. Etwas noch wird von den Bildung anstrebenden Russen übersehen, das wir durchaus nicht vergessen dürfen; ich meine die Zukunft derer, die künftig den deutschen Lehrern als Zöglinge übergeben werden. Die Nahrungszweige, die Erwerbsquellen aufzusuchen, den Wohlstand derer zu gründen, die dem bisherigen Stande entzogen werden, dies ist eine zweite Hauptaufgabe. Es kommt nicht darauf an, daß die Leute richtig deutsch lernen, und würden sie zu Gelehrten herangebildet, ihr Schicksal wäre traurig, wenn ihnen in der neuen Lebenssphäre nicht auch neue Lebensthätigkeit eröffnet wird. Was beginnt Wilna von heute um 10' Jahre, -»Venn mit einemmale 609 funfzehn-jährige junge Leute die Schulen verlassen? Die Eltern, das frühere Leben liegt abgcschnitten hinter ihnen; die Schule hat sie neu geschaffen, verlassen sie diese, so müssen die Lebenspläne, Nahrungszwcige offen darliegen, oder man hat aus bewußtlosen, bewußtvolle Unglückliche gemacht. —ii. D e *it schland. Hamburg, 1. März. (Eingesandt. Schluß.) Die Männer der großen Synagoge (n"v -nas«), von welchen das älteste Gebet, das wir besitzen ri'-< nVsn herrühren soll, wollten selbst nicht, daß man mechanisch ihre Worte nachspreche. Nur die drei ersten und die drei letzten Benediktionen Her n'-sn soll man weder vermehren noch vermindern, noch überhaupt verändern; alle übrigen aber soll man sogar nach seinen individuellen Bedürfnissen, modisiziren, weil sie erst dadurch zum eigentlichen Gebete werden. Maimonides, Hilchot Tesilla I, 4. — Aber selbst in den drei ersten und drei letzten Benediktionen der Nvsn weichen die verschiedensten Gebetbücher nicht unbedeutend von einander ab, Beweises genug, daß man zu jeder Zeit sich für befugt hielt, Aenderungen mit den Gebeten vorzunehmcn. Ja, es kann mit Wahrheit und Gewißheit behauptet werden, daß wir nicht ein einziges Gebet mehr in der Form besitzen, in welcher es ursprünglich ist verfaßt worden. Nicht nur weil die Gebete das Schicksal aller alten Schriftwerke theilten, und durch Ab-

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