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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-26 · Heft 13 (26.3.1842) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 13 (26.3.1842)
Date
1842-03-26
Page
Seite 186 (sequence 10)
Language
German
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186 wirst sich pflichtschuldig hin, küßt die Füße des Andern , und ist zufrieden mit dem Fußtritte, den der Andere ihm gicbt, denn: „warum habe ich mich so geirrt?" Der Gemeindevorstand ging ebenso von dem Gelächter über den Last sch (Deutschen) zur Kriecherei über, ohne mehr zu fühlen, als daß es jetzt Geld kosten wird. „Los wird man seiner werden! zwar nicht mit Spott, Gelächter, Prügeln; nu, hat man sich geirrt! es wird kosten Geld; aber was wird weiter sein? Nichts!" Man entschloß sich zu Maßregeln; man wollte ihn mit Kriecherei abspeisen, Geld, oder Ehre, oder Beides zugleich will er; man entschloß sich zu beiden, dazu sollte ihm zum Schein nachgegeben werden, und dann „wenn er fort geht, ist alles wie früher." Demnach wurde ihm eine Art Deputation entgegen geschickt, die wie sie sich selbst brüstete, wie der Erzvater Jakob siy>srV, ‘j'tnb eingerichtet war. Inzwischen entschloß man sich zu einer unerhörten Reform; man wußte, Lilienthal wird in die Klaus kommen, und man ließ diese Kloaken von Ungeziefer und Schmutz oberflächlich reinigen. Allein die wie der Erzvater Jakob, ausgezogen, kamen heim wie der Ausrufer bei Mordechai's Paraderitt. Er hat nicht gezankt, nicht geschimpft, geschrieen, ließ sie nicht den Padamdonog (Ftsßfall) machen; es feiert auch nicht, als ob er Bestechung will, auch den N122 nahm er nicht so auf, wie einer, der danach schmachtet; er war sogar höflich, still und gelassen, und ließ sich auf nichts ein. Das war neu. Reb T... schob sich das Käppelchen, nachdem er dasselbe mit beiden Händen lange genug hin und her gerückt, um sich damit den Kopf zu kratzen, tief in die gefurchte Stirne; die ganze bestürzte Versammlung schwieg vor dem unerhörten Bericht, und lauerte auf das Wort des Reb. L... — Dieser strich sich erst mit beiden Händen beide sogenannte Peies glatt, theilte dann mit beiden Händen am Bart hinunter fahrend, diesen in zwei homogene Abtheilungen nach rechts und links, und nachdem er scheinbar beide Lheile abgewogen und die Hände wieder in den seidenen Leibgürtel gesteckt hatte, sagt er ganz gelassen, er habe ihn längst verstanden, habe es längst gewußt, der sw-, will nur Ndruiu. — Der Sturm unhaltbarer Vorschläge brach nun los. Verwirrung, Geschrei, Wahnsinn; der Eine sah die Zeiten des Messias, der andere die Zeiten der nb!i2 *) wiederkehren. Unter allen sich überwirbelnden, himmelstürmenden Vorschlägen faßte der eine Wurzel: man sollte ihm gleichgerüstet, mit ebenbürtigen Waffen entgegen treten. Das Individuum, in dessen Hände man das Wohl der Gemeinde legte/ mußte erst aus Sammut verschrieben werden. Daselbst lebt nämlich das achte Weltwunder für Rußland, ein junger 112!-, der einiger deutschen Ausdrücke fähig, und dabei sehr fromm ist. Seine Anwesenheit in Wilna vor mehreren Jahren war genügend, seinen Ruhm für ewige Zeiten zu gründen. Zwar hätte man ihn auch verdammt, denn er kann deutsch radebrechen; allein er besitzt einen höchst lobenswerthen Zelotismus, verdammte und verbannte alle, die nach Bildung streben, und man mochte damals schon im voraus geahnt haben, daß man solcher Männer bedarf, dem auftauchenden Streben nach Bildung gegenüber zu stellen. Jetzt hatte sich die Ahnung verwirklicht. Ein Bote, ein Brief und zwanzig Dukaten wurden nach Sammut gesandt, und das Weltwunder blieb nicht aus. War früher der brutale Witz, dann die Kriecherei, so war jetzt das Disputiren an der Tagesordnung; es sollte der Geist durch den Geist gebannt werden. Seit den fabelhaften Zeiten, wo das Christenthum und das Judenthum Repräsentanten aussandte, die ihre Zungenfertigkeit vor einander entfalten sollten, und wo die Menge auf der einen und der andern Seite stritt und die Lungenkraft der Kämpfer durch jubelnden Beifall stärkte, seit jenen Zeiten mochte wol niemals eine ähnliche Aufregung der disputitenden Geister geherrscht haben. Da er Geld und Ehre nicht anzünehmen scheint, so will er nur, man soll ihn Ndrria sein, (ihn niederdisputiren). Diese abentheuerliche Idee, daß 0r. Lilienthal nach Wilna, wie ein Marktschreier komme, um über Theses zu disputiren, zündete sogar die Gemüther zu *) Als der Ukas das Hei'rathcn vor dem achtzehnten Lebensjahre des Gatten verbot, war ein Termin anberaumt, von welchem an, die gesetzliche Bestimmung eintrcten sollte. Sechs Wochen waren ungefähr noch Zeit, und in ganz Rußland benutzten die Juden diese Zeit, um die Kinder, wenn sie nur 5—6 Jahr alt waren, zu vcrheirakhen, diese Zeit wurde von ihren NbN2 pt (die Zeit des Entsetzens) genannt. — Eorresp.

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