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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-19 · Heft 12 (19.3.1842) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 12 (19.3.1842)
Date
1842-03-19
Page
Seite 174 (sequence 10)
Language
German
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174 tausende (es kommt auf die kleine Lüge nicht an) gestanden, und so steht sie — nicht mehr. Verwischt ist das bunte Facbenspiel (!!) der Andacht u. s. w. und selbst am Sabbat und Feiertage führt nicht das Gefühl, führt eine kalte Gewohnheit eine nur geringe Zahl herein (Lüge! es wird sogar an den fr jedesmal eine Hülfssynagoge von etwa 400 Stellen eingerichtet!) Ein wildes Toben, ohne Ordnung, ohne Anstand, steht die kleine Versammlung da (Lüge! grobe Lüge! siehe weiterhin,) Niemand hört den Vorsänger, ein buntes Gewirr des Aus- und Eingehenden, ein Getöse wie am (!) Marktplatz, wie beim merkantilischen Treiben. Wie furchtbar ist dieser Ort, hier ist Nicht Gotteshaus! u. s. w. Aus §. Vif.-so schlich sich der unwissende Chasan ein. Dem Juden, der damals zu keinem weltlichen Gesänge zugelasien wurde, (Lüge! siehe u. a. den Schebet Jehuda) mußte eine Synagoge sein Conzertsaal sein: der Chasan war sein Conzert - und Opernmeister (frohe Aussicht!) Aus §. YHI. Versteht er — der ‘jTtt, was er mit Grimassen spricht? Kann er richtig lesen? Spricht er nicht gotteslasternd in seiner dummen Unschuld § Und der will Mittier (ha! ha! ha!) sein zwischen Gott und Volk? rc. rc. Nein, ein widersinnigeres Gejodel, herzzerreißenderes Geschnarch giebt es wol an keinem Orte.-Gibt cs (die bekannte Stelle aus Maleachi tcavesiirend), gibt es Kränkeres, Verstümmelteres als unsern Gebetsvortrag? lahmeres Vieh als unsere Vorsänger? O du lahmes Vieh u. s. w. Sie nennen sich Vorsänger der fürchterlichen Tage: ja fürchterliche Tage sind es auch, an denen das Heiligthum so entweiht wird — statt Tage, wo Jeder, wenn auch das Jahr über rc. wieder am Tisch des Herrn (ha! ha! ha!) erscheint, Reue fühlt und Besserung gelobet; hauptsächlich wenn ein tüchtiger Vorsänger den Andachtsfunken zu beleben versteht. Statt dessen aber erblickt er den elenden unwissenden Vorsänger, der ihm nur Langeweile machen kann, und freut sich, daß er nun ein ganzes Jahr Zeit habe, bis er wieder in die Synagoge kommt.-Und darum bleibt auch die Frauenschule leer und öde; ja Todtenstille würde da herrschen, wenn sie nicht plauderten und Klatschereien machten (!) Aus §. IX. Der Segen der Cohanim: Einer kröhlt, einer brummt leise, kurz das Ganze klingt wie Äatzengejammer (welch ein erhabenes Calembour!) Aus §. X. Gestehen wir, das Alte ist baufällig, das Neue gefahrdrohend, (was war denn neulich für ein Spektakel über des Frankfurters Parabel?) Aus K. XV. (die neue Synagogenordnung betreffend.) So stand der alte fromme Chasan mit seinen drei (2) Begleitern und sein burlesker Gesang trug doch (also doch) noch das Gepräge der Andacht. Besseres kannte das Volk damals nicht und die Langeweile (also schon damals) wurde durch Geräusch und Plaudern verscheucht. Jetzt aber — da steht die Versammlung in ehrbarer gottesfürchtiger Stellung (also doch kein Toben), aber was sehen sie? den Ignoranten vor der Lade stehen, er sieht allein, die neue Ordnung hat ihm die Begleitung genommen (Lüge! das geschah schon vor 30 Jahren), nun muß er allein alte Kirchenmelodien (?) mit Hand und Fuß ableiern — die Versammlung steht in stiller — Andachtlostgkeit, und weiß nicht, ob heute ein Feier- oder ein Trauertag ist.- Doch genug! in solchem und noch mehr provozirendem Tone geht es fort und die Chasanim werden auf den wenigen Seiten 10 mal Ignoranten, 4 mal lahmes Vieh und 1 mal sogar Tempelschänder genannt, wahrend der feige Anonymus den Vorstehern, denen doch allein die Verantwortlichkeit gebührte, nur fade Schmeicheleien zu sagen weiß. Und auf solche Weise glaubt der Pasquillant das neue Projekt empfehlen, auf solche Weise soll der Friede in der Gemeinde befestigt, auf solche Weise das beschimpfte entehrte Synagogen - Publikum, inclusive der 16 Inspektoren der neuen Ordnung, für die Neuerung empfänglich gemacht werden? Und soll auf solche Weise der ganze Kultus, wenn der neue Plan nicht zur Ausführung gelangt, und wenigstens zwei Drittel desselben (da man ja nur Eine unserer drei Synagogen reformiren will) wenn er ausgefuhrt wird, gebrandmarkt bleiben? Nein wahrlich! wenn die Wunde so groß ist, wenn da seit 20, seit 50, seit 100 Jahren keine Erbauung, keine Erhebung, keine Buße, kein eclec Vorsatz auch nur möglich war, dann hat der Krebs zu tief gefressen, dann Hilst keine Schminke und kein Palliativ, weder aus Kopenhagen noch aus Kassel, weder aus Wien noch aus Groß-Kanischa; — dann — um eine bekannte Phrase zu borgen — dann gehe hin, Israel, und beweine deinen langjährigen Jrcthum! Du Vater, hast dir die Pfennige am Munde abgespart, um dein Kind sauber und festlich zu kleiden, denn du führtest es in's Gotteshaus, du zeigtest ihm die heiligen

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