Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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178 und Maimonides mit Recht, aber vergebens rügt. S. Berachot fol. 60. Maimonides Hilchot Tesilla 7. 9. Nur hinsichtlich der ursprünglich wesentlichen Bestandtheile des israelitischen Gottesdienstes, des und i-itsn, fand von jeher Allgemeinheit und Uebereinstimmung statt, so daß keine israelitische den Talmud anerkennende Gemeinde bekannt ist, die diese Gebete bei ihrer Gottesverehrung nicht hätte, in allem Uebrigen aber, herrschte zu allen Zeiten die größte Freiheit, und nicht nur die Liturgie der Juden ganzer Länder, als z. B. der deutschen von der polnischen, der sefardischen von beiden, weichen von einander ab, sondern auch einzelner Gemeinden disferiren bedeutend von einander, wie z. B. das Gebetbuch der sogenannten nibnp ya'iK in Frankreich sich wesentlich von allen übrigen Gebetbüchern unterscheidet. Nie ist aber darum einer andern Gemeinde oder einer Religionsbehörde in den Sinn gekommen, sie deshalb zu verketzern oder für nicht rechtgläubige Israeliten zu erklären. Erst wenn eine Gemeinde so weit ginge und nben aus ihrem Gebetbuche zu streichen, würde sie, zwar nicht häretisch der Synagoge, aber doch schismatisch andern Gemeinden entgegen treten, ^und man könnte sagen, daß wer nach herkömmlichem israelitischem Ritus sein Gebet verrichten wollte, sich eines solchen Gebetbuches nicht bedienen könne; so lange aber dieses nicht geschieht, fallen die Veränderungen unter die Kategorie des (Gebrauchs) in welcher Hinsicht die verschiedenen Gemeinden von jeher von einander abwichen. So wie die Weglassung lassen sich auch die Abkürzung und die Modifikationen der Gebete von dem orthodoxen Standpunkte aus noch vollkommen rechtfertigen. (Schluß folgt.) Literarische Nachrichten. Hamburg, 2. März. (Eingesandt.) Die Synagoge in Hamburg, wie sie war und wie sie sein soll. Den edlen Vorstehern der Deutsch-Israelitischen Gemeinde daselbst gewidmet von einem alten Gemeindemitgliede. Kiöbnhaven (?) 1842. Unter obigem Titel ist hier eine Flugschrift anonym erschienen, die auf's Neue den Spruch belegt: Herr, hilf mir nur vor meinen Freunden, so will ich schon selbst sehen mit meinen Feinden fertig zu werden! Es soll dies nämlich eine Aufforderung zu Gunsten der hier beabsichtigten Synagogen-Reform sein, die jedoch dieser schönen Sache höchstens — schaden kann. Kaum ist es zu glauben, daß ein Mann um des seltenen aber kleinen Talents des Neu-hebräisch-schreibens willen so völlig vom Teufel der Eitelkeit besessen sein könne, daß er die wirklichen und die erlogenen, die vorhandenen und die übertriebenen Mängel der hiesigen Synagogen auf eine Weise darstellt, die nur den Eisenmengern unserer Zeit willkommen sein kan». Wir übergehen die Stellen, die auf den bedauernswürdigen Mann zielen, der jetzt ein verlornes — ach! unter so Hellen Sternen begonnenes — Leben beweinend einen kläglichen Beweis des N82 “na bys"1 nnm b-o'1 abgibt; denn wir wissen, welches Thier es war, das dem kranken Löwen den Hufschlag versetzte! Wir übergehen die gegen unser» Tempel losgelassencn schlechten Witze, und mit Ekel übergehen wir das erste Drittel des Schriftchens, das im schwülstigsten Zahnbrecherstyl die Gemeinsätze wiederholt, was ein Gebet und ein Gottesdienst und eine Gemeinde-Andacht sei. Wir entschuldigen sogar die vielen Sprachschnitzer, falsche Konstruktionen und Ausdrücke (z. B. auf den ersten Seiten: Zinnen für Mauern, Meinung für Absicht, mit Scheingcünden zurückweisen, der Wohlgefallen — Linderung vom Trübsal, der in Nacht verhüllte Unglückliche u. s. w.), da der Verfasser die deutsche Sprache (S. 7) für eine (i:b «bl ib) fremde erklärt. Die wiederholte Versicherung, wir, Deutsche von israelitischem Glauben, seien Heimathlose, vaterlandlose, herumirrenbe, preisgegebene Verlorene, könnten wir ruhig der einstigen Rüge des Tollwächters oder der Polizei überlassen, wenn wir nicht bestimmt wüßten, daß das Alles nur Maske ist; denn um kein Deutsch schreiben zu können, um alle Fähigkeiten zu einem-Hanswurste in Palästina zu besitzen, darum hört man noch nicht auf innerlich ganz ein Deutscher, ein wie man hier sagt „logen un bocen Hambörger Kind" zu sein. Wir übergehen endlich die am Schluß vorgetragenen Vorschläge, von denen der, einen Prediger auf ein Jahr zur Probe anzuslellen, nicht einmal der närrischste ist. Aber rügen', denunziren müssen wir die frevelhafte Petulanz, mit der der feige anonyme Pasquillant von der Synagoge, weil ihm — die Ehasanim nicht gefallen, in folgenden Ausdrücken spricht. Aus §. V. „So hat die Synagoge Jahrtau- 12°