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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-19 · Heft 12 (19.3.1842) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 12 (19.3.1842)
Date
1842-03-19
Page
Seite 175 (sequence 11)
Language
German
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175 Gebräuche, du lehrtest ihn diese Pforten mit Ehrfurcht betreten, du zeigtest ihm die Überschrift: Wisse vor wem du stehst — Jrrthum! der weise Mann sagt dir, dies sei kein Gotteshaus, es sei eine ekelerregende Oede, ein langweiliges Geplärr, ein Gebäude dessen Mauern schon abstoßen! Du Sohn, stehst noch gern auf der Stelle deines Vaters und Großvaters, wo Lu den Selichot-Vigilien, wo an den hohen Festtagen ihr Herz der Ahnung des Göttlichen entgegen klopfte, wo geweihte, wenn auch nur therlweise verständliche rührende Töne sie mächtig ergriffen — — Jrrthum! der weise Mann sagt's dir, es war ein leeres, andachtloses, langweiliges Possenspiel. Der Chasan war ein Tempelschänoer, der Vorleser ein lahmes Vieh, der Schöfarblasec ein Zgno- ' rant, das Volk war da bloß weil es — nichts Besseres kannte. Laß fahren deine Narrheit! nur wo ein Chor von 7 oder 12 Mann singt, nur wo der Chasan genau die Regeln des ^'"8 ^2: versteht — da kann Gott einkehren, da kann Andacht, kann Religion, kann Lugend entstehen. Schämet euch ihr Hausvater, die ihr eure Kinder an einen solchen Ort geführet habt! — Doch hinweg von diesem Cham, der die Blöße des verirrten Vaters bübisch verhöhnt: wäre Religiosität, wäre Liebe in ihm, er hätte diese Sünde nicht begangen; aber er liebt eben nichts als ftin kleines Ich, das er nun schon seit 30 Jahren allen Parteien anbietet yw nilp! hinweg and) von seinem widerwärtigen Geschwätz, von dem zu reden schon. Thorheit wäre, gäbe er sich nicht das Ansehen in Auftrag der neuen Unternehmer zu reden. Zu diesen hier einige ernste Worte. Ihr Brüder! wir vom hiesigen Tempel, wir freuen uns eurer Absicht, und betrachten sie als eine Frucht unserer Einwirkung. Das Mangelhafte des alten Synagogenkultus haben wir schon früh bemerkt, unser Brcsselau hat es genau gekannt und in seinem Chen-b nokeniet beschrieben, obwol nur in achtem hebräisch und nicht für den Buchhandel. Unsere Prediger haben oft defensiv, einige Male auch offensiv davon zu reden gehabt; aber keiner von uns hat je einen Zweifel darüber ausgesprochen, ob die Synagoge, obwol verunstaltet durch Ueberladungen, befleckt durch Fluchgebete, erniedrigt durch mordbrennerische m:nro, ein Haus Gottes, ein Haus wahrer Andacht sei. Daß die 40 Rabbiner des nachdem sie all ihr Pulver auf uns verschossen, andere Gemeinden z. B. Wien, München, Dresden rc. nicht mehr mit den leeren Behauptungen belästigten, deutsche Gesänge seien verboten und die Orgel so wie jede sorrstige Aenderung des herkömmlichen seien Umsturz der Religion, das ist uns angenehm und sichert uns auch , euren Dank. Und so zweifeln wir nicht: ihr werdet keinen solchen Prediger wählen, der sich von vorne herein eine unfreundliche Stellung gegen unser israelitisches Gotteshaus und seine Geistlichen annimmt. Wir haben geglaubt, den gesummten Minhag umarbeiten zu müssen, weil wir bemerkt hatten, daß richtiglesende Chasanim, abgekürzte Piurim und choralmäßiges Singen den Verfall der Synagogen und der Religiosität bei unseren Brüdern vom portugiesischen Minhag, zumal in deren größeren Gemeinden, nicht gehemmt hatten. Ihr i glaubt nun nicht ganz so weit gehen zu müssen, ihr; glaubt mit bloßer Veränderung des Gesanges, mir einigen Abkürzungen an Sabbat und Regalim abzukommen, und mit Beibehaltung des ganzen alten Machsors für die hoben Festtage und deren Zubehör an's Ziel zu gelangen. Gut! wir können irren, Ihr könnt irren: Gott allein weiß, was gut ist; Er wird richten, die Zeit wird lehren! Es sind beide ehrliche Unternehmungen; besonders wenn wir beide nicht schon jetzt glauben, an's Ziel gelangt zu sein. Zu dem .eurigen wünschen wir euch Gottes Segen und werden ihm gewiß — wenn wir nicht etwa wieder angegriffen werden, nur förderlich sein. Aber aus leidenschaftlichem Eifer Alles anzufer'nden, aber die Gräber unserer gemeinschaftlichen Vorfahren zu beschmutzen, ihre Heiligthümer zu besudeln — zur Billigung eines so schändlichen Verfahrens werden wrr uns nicht, werdet ihr euch nicht Hinreißen lassen. Wir wissen es, daß unsere Kraft wie unsere Wurzel in der großen Masse des Volkes, in der alten Synagoge ruht — wolltet ihr das verkennen? Du aber, seiger Pasquillant, der du wohl darauf ausgehst irm n« tranrt, uns Alle die nach Reform streben in den Ruf der Jmpietat und gemüthloser Frivolität zu bringen, du glaubst: „wenn es in den Synagogen nur erträglich zuginge (also nicht einmal erträglich geht es da zu!!) so hätten wir schon längst unfern Tempel wieder aufgegeben, aus Geloersparniß (soll heißen: um Geld zu ersparen) oder aus Friedensliebe." Dem ist nicht also, unter keinen Umständen also; aber wenn dein jetziges Werk ein Muster deiner Friedensliebe sein soll, so sind wir um so mehr veranlaßt dir zuzuruftn: fort von uns, du Frevler! wir wollen nichts mit dir gemein haben! Du stehst uns gegenüber wie dort der Parricida dem Teil» Dm alten Feind, der unser

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