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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-19 · Heft 12 (19.3.1842) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 12 (19.3.1842)
Date
1842-03-19
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 nung kund giebt.' Hierin ist das Gebetbuch konsequent und durchgreifend. Ohne Rücksicht und ohne Schonung hat man jede Spur einer menschenfeindlichen Gesinnung aus den Gebeten getilgt und mit Entschiedenheit sich alles dessen entäußcrt, was nur immer an die Trauer einer finsteren, dahingeschiedenen Zeit, an einen Kampf mit den Bekennern einer anderen Religion erinnern könnte. Es ist dieses nicht das geringste Verdienst dieses Gebetbuches; denn nichts verträgt sich weniger mit einem richtigen Begriffe von Gott, nichts weniger mit dem allgemeinen Gebot der Liebe, nichts weniger mit einer geläuterten Ansicht vom Gebete selbst, als solche Gesinnungen und Wünsche des Hasses, um deren Verwirklichung man die höchste Liebe anflehet. Zu oft waren auch dergleichen Gebete Veranlassung zu heftigen Angriffen auf Juden und Judenthum, als daß man es der Tempelgemcinde nicht Dank wissen sollte, hierin die Initiative ergriffen und ohne Rücksicht auf Alter und Autorität alles das aus der Liturgie entfernt zu haben, was nur im Entferntesten Menschenfeindschaft athmet und mit der Liebe gegen die Brüder, ohne Unterschied des Glaubens, nicht bestehen kann. 4) Entfernung von Gebeten und Gebetsstcllen, in welchen der Wunsch und die Sehnsucht nach Rückkehr nach Palästina und der Wiederherstellung des Tempels und des Opfcrkultus sich ausspricht. Daher die Veränderung der Stellen ■amxb nnawn ■absTa “asba ■pin ■'!T* in den B’son der Sabbate und Festtage das rsbnraa ne2 in M^ssaf der Festtage u. a. Wenn nun in dieser Beziehung ein bedeutendes Schwanken sichtbar ist, indem man die oben genannten und noch einige andere Gebete modisizirt, aber es doch nicht gewagt hat, eine gleiche Purisikation mit allen, als z. B. ücn nb?' , rsitn u. a. vorzunehmen, so dürfen wir dieses den Verfassern des Gebetbuches nicht allzuhoch anrechnen, es ist dieses die Wirkung der Erschütterung welche das Judenthum im Ganzen erfahren hat. Das Dogma des Messias, mit welchem die Wiederherstellung der Nationalität, die Wiederaufbauung des Tempels u. s. w. zusammenhängt, wurzelt nicht nur tief in der israelitischen Geschichte, sondern ist auch der Grund und Boden, auf welchem die ganze Liturgie gebaut wurde •p'ran -jms nbon. Dieses Dogma hat die jüngste Zeit in Frage gestellt, aber nach keiner Seite hin theoretisch entschieden, mithin ist praktisch auch noch keine Ansicht mit Entschiedenheit geltend zu machen. Erst wenn e» ausgesprochen sein wird, daß wir unter der Hoffnung auf eine Erlösung nicht die Rückkehr nach Palästina, die Wiederherstellung des Tempels und die Herrschaft Israels über alle Völker, sondern die Erlösung der Menschheit von Wahn und Unglauben, den Sieg und die Ausbreitung der wahren Religion und die Verbrüderung der Nationen zu verstehen haben; erst wenn das Bewußtsein zum Durchbruch gekommen sein wird, daß das Judenthum keine andere Mission habe, als die Idee eines einzigen höchst vollkommenen Gottes festzuhalten, bis sie Eigenthum der ganzen Menschheit geworden ist, alles andere in demselben aber nur zur Form gehört, daher gleichgültig und wandelbar ist; — wird eine Ausscheidung des Nationalen vom Reinmenschlichen und eine durchgreifende, entschiedene Geltendmachung des Letzteren möglich sein. Bis dahin werden nur partielle Versuche gemacht werden können, und mehr als ein solcher ist das vorliegende Gebetbuch in dieser Hinsicht auch nicht. Fragt es sich nun weiter, ob einer israelitischen Gemeinde die Besugniß zustehe, solche wesentliche Veränderungen der Liturgie vorzunehmcn, ohne schismatifch der Synagoge entgegen zu treten, so muß dieses unbedingt bejaht werden, wenn, wie das hier der Fall ist, der Grundtypus festgehalten wird, welchen die alle Synagoge (der Talmud) aufgestellt hat. Bei den Gebeten muß Nochwendiges vom Zufälligen, oder besser, Typisches vom Accefforischen, wohl unterschieden werden. Zu dem ersteren gehören nun "aw mit den Benediktionen vor und nach demselben, und nr-:ri, welche der Talmud schon als Gebete kennt, und als nothwendige Bestandtheile des Gottesdienstes bezeichnet; Berachot Abschn. 1 u. 4. Orach Chajim 6l u. 89. alle Gebete vor la-a und nach n""1 nbsn oder yra nbsn kamen erst allmälig hinzu, waren ursprünglich nur für einzelne Fälle, Handlungen und Situationen, aber nicht dazu bestimmt, daß man sie täglich nach einander hersagen solle, wie dieses später aus Mißverstand geschah, und größtenthcils noch geschieht,

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