Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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171 alle Piutim welche dieses Gebetbuch für das Neujahrsfest und den Versöhnungstag enthalt, entnommen sind, theils deutscher, eigends zu diesem Zwecke verfaßte. Zn formeller Hinsicht unterscheidet sich dieses Gebetbuch von den übrigen Siddurim 1) durch seine Anordnung und Aufeinanderfolge der einzelnen Gebete, in welcher Hinsicht es sich zwar-der sefardischen Agende nähert, wie dieses z. B. die Einleitung des Gottesdienstes am Vorabend der Sabbate und Feste mit dem ptot?: nr Vw, des Vorabends des Versöhnungstages mit dem Verse anm rrini, der Anfang jeder am Versöhnungstage mit bukt-frmN beweist, ohne jedoch derselben ganz zu folgen; 2) durch die Sprache, indem es viele Gebete, als: risns am Vorabend des Sabbats und der Feste, alle Benediktionen des ri' rten nur in deutscher Sprache hat. Eine weitere, theils formelle, theils materielle Verschiedenheit dieses Gebetbuches von anderen besteht darin 1) daß es keine Nrrn, weder r'siv nVsn an Sabbat und Festtagen, noch rp rteri an den Werktagen wiederholt; 2) daß der Pentateuch nicht, wie es allgemein üblich ist in einem einjährigen, sondern in einem dreijährigen Cyklus vollendet wird; und 3) daß die Hastora ganz weggefallen ist. Fragen wir nun zunächst nach den Grundsätzen, welche die Verfasser bei Feststellung dieses Gebetbuches geleitet haben, so lassen sich folgende nicht undeutlich erkennen. I) die Wiederherstellung der Einfachheit und Würde des ursprünglichen israelitischen Gottesdienstes. Daher die Weglassung sämmtlicher Piutim, Selichot und Gebete die für den Gottesdienst unwesentlich sind, und womit dieser im Laufe der Zeit überladen, und die Entfernung aller Mißbräuche, womit derselbe verunstaltet wurde.— Ein sicheres Prinzip vermißt man hier, und es ist kein Grund abzusehen, warum, während Institute, die im Talmud begründet sind, antiquirt, andere, die weit späteren Ursprungs sind, wie z. 33. w'rpp bei dem Gottesdienste, von dem selbst der Schulchan Aruch, Orach Chajim 269, 4. sagt, daß es besser wäre, wenn es unterbliebe, belassen werden. So wie daher dem Anhänger und Vertheidiger des Alten und Herkömmlichen viel zu weit gegangen zu sein scheint, so wird der Freund eines vollkommen geläuterten und zeitgemäßen Gottesdienstes wünschen müssen, daß man noch einen Schritt weiter gegangen wäre, da, wie sich weiter unten ergeben wird, eine weitere Reduktion, selbst vom talmudischen Standpunkte aus, sich hätte rechtftrtigen lassen. Nichts desto weniger muß das Gebetbuch im Ganzen als ein guter Versuch zur Rückkehr von dem Mißbrauche zu dem guten alten Brauch, welches zugleich eine Rückkehr von der erstarrten zu der lebendigen und belebenden Form ist, angesehen werden. 2) Erweckung und Belebung der Andacht und Erbauung, die theils durch die lange Dauer des Gottesdienstes und noch mehr durch die Unverständlichkeit der Gebete fast völlig aus der Synagoge verschwunden war. Daher die Abkürzung vieler Gebete und der pentateuchischen Lektionen, die Aufnahme neuer erbaulicher Gebete und Gesänge in hebräischer und deutscher Sprache, die Responsen zur Beförderung der Theilnahme an dem Gottesdienste von Seite der Gemeinde und die fortlaufende den hebräischen Text bcgleirende Uebersetzung. In dieser Beziehung ist geschehen, was unter den gegenwärtigen Umdcn nur immer hat geschehen können; die Wahl der hebräischen aus dem sefardischen Machsor entlehnten Gebete, kann glücklich genannt werden, die deutschen Gebete sind kräftig, dem lebendigen religiösen Gefühle entquollen und ächr israelitisch; die Responsen erhebend, an passenden Stellen angebracht, die Uebersetzung gut, den Sinn des Originals treu wiedergebend. 3) Ausscheidung aller Gebete und Ausdrücke, in welchen ein gegen Andersgläubige und Andersgesinnte feindseliges Element waltet, und die sich im Laufe trauriger Jahrhunderte eingeschlichen haben. Daher die Entfernung des rpPMbsbi, tpumpi sn vieler h-qn und anderer Stellen, in welchen sich ein erbittertes Gefühl, ein nach Rache dürstendes Gemüth oder überhaupt eine inhumane Gesin-