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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-19 · Heft 12 (19.3.1842) · p. Seite 169

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 12 (19.3.1842)
Date
1842-03-19
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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169 Deßau, 7. März. (Eingesandt.)-) Im Gefühle der Mißbilligung hat die Wohllöbl. Redaktion der seitung des Judenthums zu dem gehässigen Aufsatze aus Deßau in ihrem neunten Blatte, wo ein Ungenannter die stumpfen Pfeile seines Witzes gegen uns abdrückt, die Bemerkung gefügt, daß sie einer Entgegnung ein Plätzchen in diesen Blättern gönnen wolle, und erfuhren wir denn, daß der muthmaßliche Verfasser jener geistigen Ausarbeitung auch wirklich der Herr Rabbiner Dr. Hirsch ist. Wer mit dem jüdischen Gemeindewesen vertraut ist, weiß nun aber, wie bei der Aufnahme und bei dem Absehen eines Rabbinen der Gemeindevorsteher nur eine Stimme als Mitglied hat; wenn also Herr vr. Hirsch abgesetzt wurde, so konnte es nur auf dem gesetzlichen Wege durch Mehrheit der Stimmen und Entscheidung einer hohen Behörde geschehen und nur gegründete Motive konnten eine solche Handlung hervorbringen. Es ist aber ungegründet, daß Herr vr. H. abgesetzt wurde, er wurde nur nicht angenommen denn, seine Aufnahme als die eines durchreisenden ganz fremden Kandidaten, den auch nicht einer in der Gemeinde kannte, geschah provisorisch, auf zwei Jahre. Die Mehrzahl unserer Gemeinde fand, nach Ablauf dieser Frist, seine Beibehaltung nicht für gut. Er wurde so, nur dem Kontrakte gemäß, nicht angenommen. Ist dieses eine Handlung der Grausamkeit oder der Ungerechtigkeit? Konnte dieses einen Mann, der an der Spitze des Kultus steht, berechtigen, wie er damals that, uns die höchsten Beleidigungen zu schreiben, oder wie jetzt in einem geringer» Grade, öffentlich uns zu verhöhnen und alles aus den Augen zu setzen, was soziale Bildung in Sprache und Beneh- *) Wir lassen hier die Entgegnung der Herren Attesten unverändert folgen, wie es unsre Pflicht ist. Jndeß müssen wir zu dem Eingang dieser Entgegnung bemerken, daß die Redaktionsanmerkung, eine Erwiderung stehe frei, noch keine „Mißbilligung" ausdrückt, da die persönliche Ansicht des Redakteurs in dergleichen Dingen gar nicht zur Sprache kömmt, und daß der Herr Rabbine vr. Hirsch uns selbst autorisirte, ihn als Abfasser des Artikels den Herren Aelkesten zu nennen. Daß wir in anderen^ Fallen die Namen unsrer Korrespondenten nicht preisgeben, dafür könnten wir sehr viele namhafte Beispiele aufführen. Wie gesagt, haben diese Bemerkungen mit der Sache an sich gar Nichts zu thun. D. Redakt. men eingeführt? Hat man ihn denn, wie er von einem Andern mährchenhast mittheilt, bei 24 Grad Kälte durch die Polizei verdrängt? Er ist ja vielmehr heute, ekn Jahr nachher, noch ungestört hier. Entließ ihn auch die Gemeinde, so erhielt er noch zum Abschiede durch uns ein Geschenk von Einhundert und fünfzig Thalern; wer kann die Gemeinde, wer uns über unser Verfahren tadeln'. Wie wenig Stoff muß die Rache gefunden haben, wenn der Herr Verfasser zu der lächerlichen Rüge schreiten mußte, daß wir von Unberufenen keine Trauung im Lande ohne Erlaubniß von unserer Seite gestatten wollen. Doch wozu einer weitern Auseinandersetzung, jeder unparteiische Beurtheiler wird den Grund so persönlicher Schmähungen aus dem Munde eines Rabbinen, in einem zu diesem Stande nicht passenden Charakter finden. Wir würden auch jede Gegenerklärung als einen Schritt unter unserer Würde vermieden haben, beträfe es nicht, nach obiger Auseinandersetzung, eine achtbare Gemeinde, deren Vorsteher zu sein wir die Ehre haben; ihretwegen diese Erwiderung ein für alle Mal, wir werden den Hrn. vr. in seiner Lieblingsunterhaltung, dem Schmähen, nie wieder unterbrechen. Was uns betrifft, wenn unser Beruf uns nicht verbindet, nach der Anspielung eines flachen Witzes, unserer Gemeinde Predigten zu halten, so kennen wir jedoch die Pflichten eines Predigers, die nie im Widerspruche mit seinen Worten stehen dürfen und allerdings können sich Rabbinats-Kandidaten bei uns melden und wenn wir sie für tüchtig erkennen mit nernn rv-inn gekrönt werden, das weiß der Herr vr. ja am Besten, denn auch er kam ohne dieselbe, ohne Doktor-Diplom zu uns und scheidet als Rabbiner und Doktor. Diese Krönung dankt er uns, wir ihm manche Erfahrung, die uns bei der Wahl eines Neuen von Nutzen sein dürfte. Ihm, den Herrn vr. wünschen wir schließlich als Rabbiner und Doktor eine gebildete Gemeinde zu finden, welche die Lehren, die er so beredt als Aufgabe des Judenthums vortragt, die der Duldung, der Nachsicht und der Versöhnung, praktisch übt, damit er sie lehrend lerne und dann endlich einsehe, daß Gelehrsamkeit allein keinen Anspruch auf Bildung giebt. Deßau im Februar 1842. Die Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Salomon Daniel. Eduard Alexander.

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