Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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167 die mittelalterlichen Verfolgungen über unsre Väter gebrach — wenn dies möglich märe. Denn, um es kurz zu sagen, keine Antiquität und keine Nationaletät kann und darf Geltung haben, wenn Menschenwohl darunter leidet. Der. Sklavenstand ist antik, nichts destoweniger verabscheuungswertb; die Pariakaste ist sehr alt Ln Indien, aber nichts destoweniger ist ihr Bestand barbarisch. Es sollen keine Wittwen mehr verbrannt, keine Menschen mehr unter die Räder der Götzenwagen geworfen werden, und wenn die ganze Nationaletät der HLndostaner darüber verloren ginge. Das Antike ist edel und herrlich, wo es im Glanze der Menschenwürde, im Charakter des Göttlichen, das zu aller Zeit durch die Mißgestalten der Zeit drang, vor uns aufgeht. Wo es aber Zeichen und Rückruf von drückenden Vorurtheilen und Abscheidungen ist, da darf man ihm in aller Ewigkeit nur ein Per«at bringen. Das Nationale ist gut und liebenswürdig, wr es als Entwickelung einer edeln Volksindividualität von der Energie der menschlichen Schöpfungskraft, und als besondere Form einer individuellen Richtung von der Mannichfaltigkeit des Menschlichen würdiges Zeuguiß giebt. Wo es aber scheidend, jsolirend, verbannend und ächtend zwischen die Menschenstämme tritt, wo es die Herzen auseinanderreißt, wo es ein Vorrecht des Einen auf d§n Schaden des Andern begründen will, da darf man ihm nur ein kräftiges Pereat zurufen. Und was will denn die Nationaletät Ln unsrer Zeit Ln bürgerrechtlicher Beziehung sagen? Wird ein Franzose, wenn er sich unter Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften 'ln einem deutschen Staate niederläßt, vom Bürgerrecht ausgeschlossen, weil er französischer Nationaletät sei? Wird einem Deutschen, wenn er sich naturalisirt, in Frankreich das Staatsbürgerrecht entzogen, weit er deutscher Nationaletät sei? Denn solcher kann man sich doch nicht binnen einiger Jahre entschlagen! Was will man nun dem Juden, der Lm Lande geboren und erzogen ist, mit dem Schreckbilde einer fremden Nationaletät? 0 Unicom, o mores! Wie lange ist es her, man würde einen Juden gebrandmarkt haben, der sich hinter seine Nationaletät geflüchtet hätte, um stch der Theilnahwe am öffentlichen Gemeindewohl zu entziehen. Und jetzt sollte man dieselbe wider Willen der Juden Hervorrufen, da die Juden keine Nationaletät, sondern nur ihren Glauben hegen und wahren wollen? Doch wir besprechen nächstens diesen Begriff der jüdischen Nationaletät weiter. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Kalisch, 20. Februar. (Privatmitth.) Trift uns vielleicht auch so mancher mißbilligende Blick und manches zweideutige Urtheil aus dem Auslande ob unsrer langsamen Fortschritte im Allgemeinen, so können wir diesmal mit Stolz einen Beleg geben, wie viel am hiesigen Orte zur Förderung des Zwekkes für Wohlthätigkeit und Bildung geschieht, und wie allgemein sich jede Theilnahme für das Bessere äußert. Das hiesige israelitische Hospital, dessen Entstehen und Gedeihen wir der Umsicht und regen Thatigkeit des Herrn Louis Mamroth verdanken, steht jetzt auf einer Stufe, wie es fast keines im Königreiche gibt, indem alles dafür wohleingerichtet ist, hiesige israelitische arme Kranke, so wie unbemittelte Leidende aus dem Kalischer Gouvernement mit ärztlichem Beistand und bestmöglichster Pflege kräftig zu unterstützen. Die Regierung leistet uns jeden möglichen Vorschub, und so verdanken schon so viele arme Kranke ihre Genesung dieser wohlthätigen Anstalt und den Bemühungen des Hospital-Arztes, Herrn Dr. Morgenstern. Um nun den Fond dieses Hospitals zu starken, veranstaltete dessen Chef, Herr Louis Mamroth einen Ball, welcher Idee sich bald Herr 0r. Brünner anschloß, und zur Ausführung so wie Herr Hurtig viel beitrug. Die Zeichnungen der Beitrage hierzü waren nach Belieben, der mindeste Beitrag war jedoch 1 Silberrubel, indeß wurde von mehreren achtbaren Mitgliedern zu 5, 0 und 8 Silberrubel gezeichnet, so daß die reine Einnahme für das Hospital circa 180 Silberrubel (200 Thlr.) betrug. Es fehlte nicht an Theilnehmern aus den Städten der benachbarten Provinz Posen und der andern angränzenden Gouvernements. Dieser Armen-Ball fand am 19. dieses Monats hier statt, und waren die Einrichtungen so glänzend und schön, daß die Gesellschaft bis früh verweilte, welches uns die Hoffnung gibt, daß ein Wiederholen dieses Balles nicht schwer fallen dürfte, wodurch dem Hospitalfond eine bedeutende Revenüe zufallen würde. Herr Mamroth benutzte die Gelegenheit des fröhlichen Zusammenseins, und ließ eine Aufforderung