Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 was nicht germanischen Ursprungs ist, fremd. Das wäre nun eine sehr ehrenwerthe Zusammenstellung, wenn man z. B. Nachweisen könnte, daß das Chriflenthum eine Erfindung des Germanismus wäre. So zum Unglück ist aber der Ursprung des Christenthums rein jüdisch, ja Gfrörer, Salvador und Andere haben sich viele Mühe gegeben, nachzuweisen, daß viele, selbst der spateren Dogmen des Christenthums schon vor diesem im Judenthum existirten, ja Haas hat vor Kurzem synoptisch zu erweisen gesucht, daß kein allgemeiner Satz Lm N. T. nicht bereits in der israelitischen Bibel vorhanden sei — und mm soll doch das Christliche des Staats die Juden ausschließen? Der Germanismus im Gegentbeil wurzelt ganz und gar im Heidenthum, und die ganze Gestalt seiner ursprünglichen Erscheinung war heidnisch, sein Recht und seine Verfassung; das Christenthum ist in's Germanische erst übersetzt werden, und zwar nicht aus dem Original, sondern erst durch das Byzantinische und Römische hindurch, und wahrlich nicht, ohne auch aus dem germanischen Heidenthum einen guten Bodensatz übrig zu behalten. Schauen doch auch noch zwei Drittel von Deutschland selbst, dem Ursitz des Germanismus, nach Rom. Wie können sich also Germanisch und Christlich vereinigen, um die Ausschließung des Juden zu motiviren? Vergessen wir nun auch nicht, daß der Germanismus in staatlicher Beziehung durchaus nicht mehr eristirt, daß er durch das römische Recht und das Feudalsystem alles wesenhafte Dasein verloren, der Staat aber Ln seiner Herausarbeitung aus diesen eben ein neuerer geworden; in volkSstammlicher Bedeutung auch nicht vielmehr als eine Idee ist, da die Völkervermischung seit anderthalb Jahrtausenden ungehindert vor sich gegangen. Man hat also hier eine reine Fiktion vor sich, derer man sich mit Erfolg nur darum bedienen kann, weil diejenigen, welche das Wort und die Macht führen, sich dahinter flüchten wollen. Man bedenke nur das Eine, wie sehr man sich mit dem Einwand des Germanischen Lm Staate selbst schlägt, da die einfache Taufe alle Bürgerrechte verleiht, womit doch gewiß kein germanisches Element Ln den Täufling gebracht wird. Nun, schwach fühlte man sich allerdings in diesen Ausschließungsmotiven, denn man sieht sich abermals nach Verstärkung um. Da soll denn die ehrwürdige Antiquität und Nationale tat ein Grund sein, weshalb man die Juden separiren, o. h. ausschließen will. Die ganze Konsequenz, die ganze Bedeutung, die man diesem neuen Motiv geben will und wird, läßt sich noch gar nicht absehen. Denn von der einen Seite sollte es eine ganze Kleinigkeit sein, zu erweisen, daß die Ghettos höchst ehrwürdig sind, und da Schmutz in Fülle darum sitzt, so macht dieser das neu ausgegrabene antike Kunstwerk noch ehrwürdiger. Man müßte also aus lauter Ehrwürdigkeit die Juden mit Musikbauden Ln die Ehetti's zurückführen, was das „historische Recht" höchst erbaulich finden wird. Man wird auch nicht ermangeln, die Juden, wenn sie das Maul darüber hängen lassen sollten, tüchtig herunterzureißen, als feige, gefühllose Menschen, die anstatt ihrem alten Adel, nur gefährlichen Neuerungen nachhängen, und für die alte Schmul-Ehrwürdigkeit gar keine Empfindung haben? Von der andern Seite enthält doch der Satz der Antiquität und Nationalelät Vieles, was Reiz, Würde, Charakter Ln sich schlösse, daß es für viele Juden ein Lockmittel würde. Ist daun einmal angebiffen, so führt dir Konsequenz auch zu vielen Unannehmlichkeiten, die man, wie es hieße, in den Kauf zu nehmen sich nicht weigern müsse. Denn auf Erden kann kein Ding nur Liebliches enthalten, und der süßeste Bonbon bringt am meisten Säure hervor. Man wird heute mit diesen allgemeinen Bemerkungen verlieb nehmen müssen. Denn da dieses neue Ausschließungsmotiv noch in den Geburtswehen begriffen ist, so kann man höchstens Bettchen und Windeln bereit legen: die wirkliche Größe, das Maaß und Geschlecht, ja selbst ob es wirklich, ob es lebend oder tobt zur Welt kommen wird, dies' Alles ist ja noch nicht ausgemacht, und nur einige politische Blätter gaben davon vorläufige Kunde, und diese sind eine sehr unzuverlässige Quelle. Doch dies müssen wir von vorn herein aufstellen: Alles, was die Juden dem Staate, dem Bürgcrstande wieder entfremden würde—es geschieht nicht nach Wunsch und Willen der Juden, sie fühlen sich gekränkt und verletzt dadurch in ihrem innersten Wesen, sie protestiren dagegen. Niemals würde man in solchen Fallen behaupten dürfen, die Juden schließen sich aus — sondern man muß uns zugeben, man schließt uns aus. Niemals würde man deshalb sich beschönigen können, die Juden hegen den Geist des Separatismus — sondern man hegt diesen gegen uns. Die Nachwelt wird diesen Protest wahr nehmen; sie wird uns freisprechen von allen dpn Folgen, die aus einer rückgängigen Bewegung mit uns, hervorgehen werden; sie wird sich dann bewogen fühlen, uns zu vergüten, was an uns verletzt und gedrückt worden, so wie jene verstoffene Zeit der reinen Humanität es in ihrem Gefühle mit sich trug, uns zü ersetzen, was