Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Jahrgang. Allgemeine No. IS. Zeitung des Zudenthums. unpartheiisches Organ Rrdacteur: Dr. Ludwig Philippson, Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. für alles jüdische Interesse. Vertag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Könizl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 19. März 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.f. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel.*) Magdeburg, den 7. Mär;. Es war eine Zeit, wo die Stimme der Humanität, des reinen Philanthrop i s mus in der Angelegenheit der Juden sich vernehmbar machte, wo vom Standpunkte des Mensch - Seirr'S das unveräußerliche Menschenrecht in Anspruch genommen wurde. Die Sätze: ich bin Mensch, und als solcher stehen wir alle Rechte zu, die unmittelbar aus der Würde und dem Charakter des Menschen fließen; und: ich bin allen Gesetzen des Staates unbedingt zum Gehorsam, und alle Lasten des Staates zu tragen verpflichtet, und demgemäß gebühren mir alle Rechte des Staatsbürgers; noch dazu wo man diesen letzter» Satz nicht bloß auf die materielle Aeußerlichkeit, sondern auch auf das moralische Prinzip stützte — diese Sätze wurden siegreich durchgeführt, und gewannen immer mehr Boden in der Verwirklichung. Ja, es war *) Von heute ab werden wir öfter einen „leitenden Artikel" an die Spitze unsres Blattes stellen, der, an Maaß und Gegenstand ungebunden, den Interessen des Tages folgen soll, da unsere bisherige Rubrik: „Tagcs- Controle" vermöge ihrer Stellung nicht so füglich geeignet war, dem gedachten Zwecke zu genügen. Der „leitende Artikel" wird meist von der Redaktion selbst ausgehen, in den Fällen aber, wo wir einen Andern für uns sprechen lassen, wird dies sorgfältig bezeichnet werden. Die Redaktion. eine Zeit, wo in der öffentlichen Meinung diese Aussprüche und ihre ganze Richtung für so unumstößlich galten, daß sie ein Jeder wenigstens in thesi zngeben mußte. Diese Zeit ist nicht mehr. Durch die Wirren, welche sowol die jüngeren Bewegungen der Philosophie, als auch die Reaktion wider den allgemeinen sogenannten Liberalismus, hervorbrachten, ist die Klarheit, mit welcher sich die obigen Sätze aus sprachen, verdunkelt wdrden. Die Philosophie wollte sie als Ausgeburten des flachen Menschenverstandes verschreien, und scheute sich bald nicht mehr, sie mit dem Ausdruck „antiquirt" zu brandmarken. Nun weiß man, daß Schriftsteller aller Art sich vor nichts mehr fürchten, als vor dem Urtheil, sich zu veralteten Ansichten zu bekennen, sie beeilten sich daher, vor jenem Ruf marktschreierischer und marktbeherrschender, mit dem Bombast der Schule um sich werfender Sophisten das ganze eroberte Feld zu räumen. Was konnte nun der Unzahl geheimer und offenbarer Feinde der Eteichstellung der Juden Erfreulicheres begegnen. Sie hatten neuen Schutz und neue Stütze gewonnen, im Vertrauen auf die sie schon ein Mehreres wagen konnten. Sie erklärten den ganzen Anhang der Humanität in Verruf, und be, haupteten keck, bei gründlicherer Untersuchung sehe die Sache ganz anders ans. Diese gründlichere Untersuchung läßt freilich noch auf sich warten. Man brachte als Aequivalent ein neues Stichwort auf: der Staat sei ein christlicher, folglich sei Alles, waS nicht christlich ist, demselben fremd. Und als eine noch besondere Zugabe: der Staat sei germanisch, folglich sei