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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-12 · Heft 11 (12.3.1842) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 11 (12.3.1842)
Date
1842-03-12
Page
Seite 159 (sequence 11)
Language
German
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gekämpft, geblutet, daß der Haß der Gleichgültigkeit gewichen war. Wenn' der französische Israelit noch „Jude" genannt, wenn dieses Wort in der Unterhaltung noch bisweilen in etwas beschimpfendem Sinne genommen wurde, so hatte doch die Resignation, die Liebe zur Arbeit, Ordnung und zum Frieden, welche die Personen, die der Fanatismus mit jenen Ausdruck kränken wollte, erwiesen hatten, langst ihnen die Achtung der aufgeklärten Männer gewonnen: schon begann der freisinnige Geist zu keimen, welcher im Elsaß seitdem so schöne Fortschritte gemacht. Jndeß konnte doch der geringste Vorfall die beiden Religionen in gegenseitige Reibung bringen: die alten Krieger von der Loire waren zu ihrem Heerd zurückgekehrt; sie waren sehr empfindlich; und unter ihnen gehörte eine große Zahl den Israeliten an, denn den Bedürft i nisten Napolcon's mußte sich Alles anschlicßen, er wußte an seinen Eroberungen Völker und Religionen Theil nehmen zu lassen. Dies war die Stimmung der Gemüther im Oberrhein, als ein Verbrechen nicht weit von Colmar begangen wurde. Ein Pachter, der einen Wagen Getreide nach dieser Stadt zu Markte brachte, war ermordet worden, sein Geld ward unberührt gefunden, sein Wagen war stehen geblieben, es ergab sich, daß nur ein einziger Sack Getreide genommen worden: das Elend, das Bedürsniß war cs also, das dieses Verbrechen begangen. In dem Städtchen Harburg wohnte ein Israelit, Isaak C . . . ., der trotz seinen sechszig Jahren eine große Körperkraft besaß; dieser Greis, der sein Feld bearbeitete, seine Familie im Glauben seiner Väter erzog, wurde von Allen geliebt. Vor Kurzem war sein Sohn, zu Poitiers entlassen, mit dem dreizehnten Dragonerregimrnt, nach Hause zurückgekehrt, wo er nur das Elend gefunden; seine Mutter, seine jungen Schwestern hatten in ihm eine Stütze gewonnen, aber die Gemeinde nur einen Zehrer mehr, und das Brod sing an zu mangeln. Die Leiden dieser Familie mußten sehr groß sein, weil aus ihnen ein Verbrechen entsprang: eines Morgens konnte die Frau Jsaak's Brod backen, aber das Brod war mit Blut befleckt. Daß diese Familie Brod hatte mitten in der allgemeinen Hungersnoth, erweckte Verdacht; die Neidischen setzten sich in Bewegung; der Diebstahl jenes Kornsackes traf mit der Rückkehr ihres Ueberflusses zusammen; die Justiz bekam davon Kenntniß. Alsbald wurden Isaak und sein Sohn arretirt; fern davon das Verbrechen zu leugnen, erklärten sie mit der Aufrichtigkeit, welche den elsassischen Bauern charakterisirt, daß der Hunger allein sie zur Schuld gebracht; sie sagten aus, wie der Pächter sein Eigenthum vertheidigt, nachdem er taub für die Bitten eines Familienvaters geblieben, und daß der Tod dieses Menschen Folge eines Kampfes, nicht eines Angriffs gewesen. Die Kriminaluntersuchung hatte ihren Fortgang: die Folge war, daß die beiden Schuldigen vor den Assisen des Oberrheins erscheinen mußten. Am Tage des Urtheils fand sich der Verhörsaal zu eng für den Zufluß der Menge; indeß waren doch die gutmüthigen Elsasserinnen, die nicht nach starken Aufregungen begierig sind, nicht gekommen einem Schauspiel beizuwohnen, wo zwei Menschen ein Vergehen, das aus dem Elend der Zeit hervorgegangen, mit dem Leben bezahlen sollten. Damals .trugen auch noch nicht die Journale das geringste cynische Wort, die unedelste Gebcrde eines Verbrechers bis an die Enden Frankreichs, um nur Nachahmer zu wecken, welche nach dem traurigen Vorrecht, einen Augenblick der Gegenstand der Gespräche zu sein, lüstern sind; dieser Prozeß blieb daher außen unbeachtet: Isaak antwortete ruhig auf die Fragen, . die man ihm vorlegte, mit Hülse eines Dolmetschers, denn er sprach nur das verdorbene Deutsch, welches bei seinen Glaubensgenossen gebräuchlich war. Ein einziger Zwischenfall ereignete sich; der öffentliche Ankläger hatte so eben seine Gegenrede gehalten, als der Exdragoner sich eine Zeitlang mit seinem Vater lebhaft, aber leise besprach. Auf die Frage des Präsidenten erklärte der Dolmetscher, daß er auS diesem Gespräch entnehme, wie der Sohn aus reiner Hingebung darauf beharre,, das Schicksal seines Vaters zu theilen; aber daß der alte Isaak behaupte, daß er allein schuldig sei, daß er allein in dem unglücklichen Kampfe den Pächter getödtet, daß sein Sohn in dieser Nacht das väterliche Haus nicht verlassen, und daß dieser, alS er seinen Vater entdeckt sah, die Todesstrafe auf sich zu bringen gesucht, um seinem Vater das Leben zu erhalten. Diese Erklärung machte einen tiefen Eindruck auf die Versammlung; bald wurde

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